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Gesunde Ernährung: Deutschland hinkt massiv hinterher – was Forscher fordern

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Von: Jasmin Pospiech

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Trotz der Einführung des „Nutri-Score“ wird es den Deutschen schwer gemacht, sich ausgewogen zu ernähren. Das sagen jetzt Forscher und fordern Maßnahmen.

München – „Die Ergebnisse sind ernüchternd“, schreiben die Forscher. Das hört sich nicht gut an – und ist es auch nicht. Zumindest, was unsere Ernährung hierzulande angeht. Und das, obwohl bekannt ist, dass mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung übergewichtig ist und auch viele Volkskrankheiten von einem ungesunden Lebensstil herrühren oder diese begünstigen können. Dennoch hinkt Deutschland, was die Ernährungsförderung angeht, massiv hinterher, sagen Forscherinnen und Forscher der LMU München und des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie.

Gesunde Ernährung: Deutschland hinkt massiv hinterher – was Forscher fordern

Zwar hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (48, CDU), im November 2020 einen ersten Vorstoß gewagt und den „Nutri-Score“ eingeführt. Dabei handelt es sich um eine Lebensmittelampel, der Verbrauchern beim Einkaufen Orientierung geben soll, wie gesund bzw. ungesund ein Produkt ist. Allerdings ist diese Angabe für Lebensmittelhersteller freiwillig, weshalb Klöckner heftig kritisiert wird. Zudem sind die Bemühungen hierzulande, eine gesunde Ernährung zu fördern, im internationalen Vergleich enttäuschend. (Enttäuschte Verbraucher: Dieses bekannte Müsli ist „Mogelpackung des Jahres“)

Süßigkeiten in einem Schaufenster eines Kölner Kiosks. (Symbolbild)
Eldorado für Naschkatzen: Doch zu viele Süßigkeiten sind ungesund. (Symbolbild) © Christoph Hardt/Imago

Die Forscher haben in ihrer Studie 43 Länder im Hinblick auf den sogenannten Food Environment Policy Index (Food-EPI) untersucht. Dieser gibt an, welche politischen Anstrengungen unternommen werden, um gesundes Essen mehr in den Fokus zu rücken. Das vernichtende Ergebnis: Von 13 Bereichen, innerhalb derer insgesamt 47 Indikatoren (dazu zählen etwa politische Maßnahmen) ausgemacht wurden, erzielt Deutschland demnach nur in zwei Bereichen ein Ergebnis. Das bedeutet: Die deutsche Politik macht nicht genug, um Bürgern ein gesundes Ernährungsumfeld zu bieten.

Gesunde Ernährung: Deutsche Politik muss mehr tun

Zwar gebe es offizielle Ernährungsempfehlungen, unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), doch das sei viel zu wenig. Was Lebensmittelpreise, die Regulierung von Werbung und das Lebensmittelangebot angeht, gebe es hingegen noch viel Nachholbedarf. „Kein Bereich wurde durch die hiesige Politik sehr gut umgesetzt“, fassen die Autorinnen zusammen.

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Immer wieder wird zwar über eine mögliche Zuckersteuer (eine staatliche Abgabe auf Zucker) diskutiert, doch die hiesige Lobby scheint eine derartige Gesetzesverabschiedung immer wieder verhindern zu können. Und obwohl laut den Forschern sogar 90 Prozent der Menschen versuchen würden, sich gesund zu ernähren, werde es ihnen schwer gemacht: „Doch die Bedingungen, unter denen wir leben, machen es uns oft nicht einfach, dies im Alltag umzusetzen.“ Mit fatalen Folgen.

Gesunde Ernährung: Bald keine Junkfood-Werbung mehr für Kinder?

„15 Prozent aller Todesfälle und mehr als 17 Milliarden Euro Gesundheitskosten pro Jahr“ sollen in Deutschland auf „unausgewogene Ernährungsmuster“ zurückzuführen sein. Deshalb fordern die Wissenschaftler jetzt Reformen. Um die Ernährungsumfelder hierzulande zu verbessern, schlagen sie eine hochwertige kostenlose Verpflegung in Schulen und Kitas sowie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse vor. Darüber hinaus sind auch sie für eine Besteuerung von Softdrinks und fordern die Umsetzung eines gesunden Nahrungsmittelangebots in öffentlichen Einrichtungen.

„Kinder sehen in Deutschland pro Tag 15 Werbesendungen für ungesunde Lebensmittel“, heißt es weiter. Deshalb soll auch diese Art von Werbung den Forschern zufolge in Zukunft mehr eingeschränkt werden*. Großbritannien hat es bereits vorgemacht: Dort wurde bereits im Juni verboten, tagsüber Werbespots für Junkfood im Fernsehen zu zeigen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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