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Herzinfarkt durch Fußballschauen: Studie zeigt, dass die Aufregung aufs Herz gehen kann

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Von: Christine Pander

Von EM-Fieber kann man derzeit zwar nicht direkt sprechen. Dennoch sorgen die Spiele sicherlich für Aufregung. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Fußballschauen sogar das Herzinfarkt-Risiko steigern kann.

Mainz – Ruhig Blut, wenn das nächste Fußballspiel ansteht! Wissenschaftler des Zentrums für Kardiologie der Unimedizin Mainz und der Abteilung für Sportmedizin der Uniklinik Heidelberg haben nämlich in einer gemeinsamen Studie festgestellt, dass es ziemlich gefährlich werden kann, wenn man zu sehr mitfiebert.

Herzinfarkt durch Fußballschauen: Betroffene sind meist männlich und um die 70 Jahre alt

Analysiert hat das Forscherteam um Karsten Keller dazu die Fußball-Weltmeisterschaft 2014, deren Finale in Deutschland 34,5 Millionen Menschen im Fernsehen verfolgt haben. Für die Studie werteten die Forscher Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) aus und verglichen sie mit den Einweisungen und der Sterblichkeit durch Herzinfarkte über vier Zeiträume hinweg. Fazit: Während der rauschenden Weltmeisterschaft 2014 hat es damals in Deutschland den Forschern zufolge 18.479 Einweisungen ins Krankenhaus wegen Herzattacken gegeben. Das sind 3,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2015 und 2,1 Prozent mehr als in dem Zeitraum des Jahres 2013.

Auffallend: Im Monat nach der WM gab es 5,4 Prozent weniger Einweisungen. Unterschiede in Bezug auf das Alter, Geschlecht und andere Risikofaktoren gab es in den verschiedenen Zeiträumen nicht. Das Durchschnittsalter bei Herzinfarkt-Betroffenen lag bei 71 bis 72 Jahren und zwei Drittel der Patienten waren Männer. Das Wetter, ein weiterer Risikofaktor für Herzinfarkte, war in den Untersuchungszeiträumen vergleichbar. Am Tag des Finales, am 13. Juli 2014, war die Sterblichkeit bei Herzinfarkt-Patienten in der Klinik am größten. Das Endspiel zwischen Deutschland und Argentinien gewann damals die deutsche Nationalelf durch ein Tor von Mario Götze in der 113. Minute. In Deutschland starben an diesem Tag 144 Menschen an den Folgen eines Herzinfarkts.

Das passiert, wenn sich Fußball-Fans sehr aufregen:

„Fußballschauen kann ans Herz gehen, gar keine Frage“, sagt der Kardiologe und Pharmakologe Thomas Meinertz vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung im Gespräch mit der dpa. Bei Menschen, die bereits an einer Herzerkrankung leiden, erhöhe sich die Gefahr für Durchblutungsstörungen des Herzens, sagt der Experte, der nicht an der Studie beteiligt war.

Dass auch jüngere Menschen von einem plötzlichen Herzstillstand betroffen sein können, zeigte kürzlich das Drama um den dänischen Fußballprofi Christian Eriksen. In Deutschland gibt es jährlich nach Angaben der Deutschen Herzstiftung rund 50.000 Herzstillstände außerhalb von Kliniken. Schnelles Handeln und eine Reanimation ist dann wichtig und rettet Leben.*

Herzinfarkt durch Fußballschauen: Kollektiver Stress kann Herzinfarkte hervorrufen

„Große Sportereignisse können das Auftreten von Herzinfarkten sowie die damit verbundene Sterblichkeit erhöhen. Herzinfarkte sind für rund 20 Prozent aller Todesfälle in Europa und den USA verantwortlich. Daher ist es besonders wichtig, mögliche Trigger zu identifizieren. Unsere Daten können helfen, Krankenhauskapazitäten besser zu planen und so zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Kapazität bereitstellen zu können“, betonen die Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin Scientific Reports publiziert haben.

Kollektiver Stress gilt demnach als ein Trigger-Faktor, der das Herzinfarktrisiko beeinflusst, ähnlich wie das in der Wissenschaft bereits für Naturkatastrophen, Terrorismus und andere Extremsituationen erforscht wurde. Da Fußball hauptsächlich Spaß machen soll, hilft es vielleicht, es als das zu betrachten, was es ist: Ein Spiel. Und um eine Fußball-Weisheit zu zitiiern: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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