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Nasenspraysucht: So gefährlich ist die Abhängigkeit von dem Medikament

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Von: Jasmina Deshmeh

Bei einer Erkältung ist abschwellendes Nasenspray vorübergehend ein Segen. Wer das Medikament aber zu lange anwendet, riskiert süchtig zu werden und seiner Gesundheit ernsthaft zu schaden.

Neumünster – Wer abschwellendes Nasenspray länger als eine Woche anwendet, riskiert eine Nasenspray-Sucht. Was harmlos klingt, ist nicht nur nervenaufreibend, sondern auch gefährlich. Denn die Abhängigkeit kann chronischen Schnupfen, Nasenbluten, eine Stinknase und sogar den Verlust des Geruchsinns zur Folge haben. Woran Sie eine Nasenspray-Sucht erkennen und wie Sie den Teufelskreis durchbrechen können.

Nasenspray-Sucht: Abschwellendes Nasenspray hilft bei Schnupfen

Wer an einer Erkältung mit verstopfter Nase und starkem Schnupfen leidet, für den ist ein abschwellendes Nasenspray eine große Erleichterung. Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sorgen dafür, dass sich die Blutgefäße der Nasenschleimhäute zusammenziehen, die Blutzufuhr verringert und das Gewebe abschwillt. Betroffene können dann wieder freier atmen und vor allem nachts besser schlafen. Bei einer längerfristigen Anwendung von Nasenspray oder -tropfen kann aber ein Gewöhnungseffekt einsetzen. Die Schleimhäute schwellen dann immer schneller wieder an und es muss immer öfter nachgesprüht werden. Irgendwann schwellen die Schleimhäute gar mehr von selbst ab, warnt der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte, es besteht die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit.

Die Nasenspraysucht, auch Privinismus genannt, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Schätzungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge sind in Deutschland 100.000 bis 120.000 Menschen von einer Nasenspray-Abhängigkeit betroffen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich größer sein, immerhin ist Nasenspray ohne Rezept und relativ günstig in Apotheken und im Internet erhältlich. Eine Nasenspray-Sucht führt aber nicht nur dazu, dass Betroffene nicht mehr ohne das Medikament aus dem Haus gehen. Sie kann auch eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Nasenspray-Sucht: Knorpelschäden, Stinknase, Verlust des Geruchsinns

Die Nasenspray-Sucht kann körperlich schwere Folgen haben: Durch die chemischen Inhaltsstoffe des Sprays trocknen die Nasenschleimhäute aus, sind gereizt, bilden Risse und bluten leichter. Zudem haben Erreger wie Viren und Bakterien durch die trockene Schleimhaut leichtes Spiel einzudringen, die Abwehrfunktion der Nase funktioniert nicht mehr. Es kommt immer öfter zu Erkältungen und zu Fließschnupfen, den das Nasenspray eigentlich bekämpfen soll.

Im fortgeschrittenen Stadium der Sucht kann sich außerdem ein Loch in der Nasenscheidewand bilden, da das Nasenspray auch den Knorpel angreift. Kommt es durch die geschädigten Schleimhäute zu einem starken Keimbefall, droht außerdem eine sogenannte „Stinknase“ (Ozäna). Dabei bilden die in den Rissen angesiedelten Bakterien eine fauligen Geruch, den Betroffene selbst oft nicht wahrnehmen, das Umfeld hingegen schon. Sehr unangenehm – denn eine Stinknase lässt sich nicht rückgängig machen. Außerdem können die Bakterien die Riechzellen angreifen und den Geruchssinn trüben.

Nasenspray-Sucht: So kommen Sie von den Fläschchen los

Folgende Anzeichen können auf eine Nasenspray-Sucht hindeuten:

Wenn Sie diese Anzeichen bei sich beobachten, sollten Sie unbedingt versuchen, vom Nasenspray loszukommen. Wenn Sie das Nasenspray noch nicht allzu lange benutzen, sollten Sie es einfach wegwerfen. Nun ist Durchhaltevermögen gefragt: Ihre Nase wird etwa drei Wochen lang verstopft sein und Sie bekommen schlecht Luft. Das ist zwar lästig, doch danach ist es geschafft. Ist diese Zeit für Sie sehr unangenehm, können Sie mit Kräutern oder Meerwasser inhalieren oder eine Nasenspülung machen.

Wem der „harte Entzug“ zu extrem ist, der kann die Anwendung auch langsam ausschleichen lassen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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