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E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Wie gefährlich sind elektrische Zigaretten wirklich?

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Von: Laura Knops

E-Zigaretten werden nicht nur als weniger schädliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten beworben, sie können erwachsenen Rauchern auch eine Hilfe sein, um mit dem Rauchen aufzuhören. Viele Jugendliche kommen dagegen erst durch die elektrischen Glimmstängel auf den Geschmack. Doch stimmt das auch?

San Diego – Jugendliche, die E-Zigaretten rauchen, greifen später häufiger auch zu normalen Zigaretten. Wovor Experten und Suchtforscher bereits seit Einführung der elektronischen Glimmstängel warnen, will nun eine aktuelle Studie US-amerikanischer Wissenschaftler belegen. Wie alkoholische Misch-Getränke zu Beginn des jugendlichen Alkoholkonsums könnten auch E-Zigaretten mit Geschmack als Einstiegsdroge fungieren. Doch ganz so einfach ist es nicht.

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Wie gefährlich sind elektronische Zigaretten?

Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher aus Kalifornien Daten einer jährlichen bevölkerungsweiten Umfrage in den USA zu Tabak und Gesundheit. Fast 16000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 12 bis 24 Jahren nahmen an der Untersuchung teil.

Dabei gingen die Wissenschaftler der Frage nach, inwiefern das Ausprobieren verschiedenster Tabakprodukte bei Jugendlichen dazu führt, dass sie langfristig zum Raucher werden. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Pediatrics“ veröffentlicht wurde, berücksichtigt Daten aus vier Jahren.

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Ergebnisse zeigen Zusammenhang zwischen E-Zigaretten und späterem Rauchverhalten

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studie zeigen, dass die Nutzung von E-Zigaretten das Risiko steigert, später täglich Tabakzigaretten zu rauchen. Jugendliche, die zunächst nur zu E-Zigaretten griffen, hatten demnach ein dreifach höheres Risiko später täglich zur Zigarette zu greifen. So erhöhte sich der Anteil der Raucher bei dieser Gruppe von drei auf zehn Prozent der Befragten.

Zudem ergab die Untersuchung, dass Jugendliche, die mindestens fünf unterschiedliche Tabakprodukte ausprobierten im Vergleich zu denjenigen, die nur zu einem Produkt griffen, um 15 Prozentpunkte höher lag, später regelmäßig zu rauchen.

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Ursache nicht eindeutig bestätigt

Dass der frühe Konsum von E-Zigaretten tatsächlich die Ursache für das spätere Rauchverhalten ist*, kann die Studie nicht allerdings nicht eindeutig belegen. Heino Stöver, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung Frankfurt (ISFF), kritisiert: „Die Studie ist nicht geeignet, valide Aussagen zur E-Zigarette zu treffen. Hauptschwachpunkt der Studie ist, dass sie die Motive für das Rauchen nicht berücksichtigt.“

„Nach dem heutigen Stand der Forschung besteht kein nennenswerter kausaler Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von E-Zigaretten und späterem Rauchen“, sagt Heino Stöver. Seiner Meinung nach, würden viele Jugendliche zwar mit E-Zigaretten experimentieren, aber nicht zwangsläufig regelmäßig rauchen.

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Nikotinsucht durch E-Zigaretten

Trotzdem scheint der Zusammenhang zwischen der Nutzung von E-Zigaretten und einer späteren Nikotinsucht mehr als nachvollziehbar. Reiner Hanewinkel, Leiter des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung der IFT-Nord GmbH in Kiel, bestätigt dies: „Die Untersuchungsergebnisse dieser amerikanischen Arbeitsgruppe sind sehr plausibel. Und zwar kann man sich drei Übertragungsmechanismen vorstellen, wo man vom ersten Zigarettenkonsum dann nachher auf reguläre Zigaretten umsteigen würde.“

Weiter erklärt Reiner Hanewinkel: „Das ist zunächst einmal die Sucht. Beide enthalten Nikotin. Und Nikotin macht wahnsinnig schnell abhängig. Der zweite Weg ist so was wie die Erfahrung. Die sehen gleich aus, man hat sie in der Hand, man führt sie zum Mund, man inhaliert und das sehr, sehr häufig. Und der dritte Punkt, warum das plausibel ist, ist doch, dass sie die gleichen Vertriebskanäle haben.“

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Soziale und psychologische Faktoren spielen auch eine Rolle

Kritisch sehen die Experten zudem, dass Störfaktoren, die generell mit dem Substanzkonsum zusammenhängen, nicht berücksichtigt wurden. Prof. Dr. Ute Mons, Leiterin der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Epidemiologie des Alterns an der Uniklinik Köln, erklärt: „Die statistische Kontrolle von sozialen Faktoren (Bildungsgrad, sozialer Status des Elternhauses) und idealerweise auch psychologischen Faktoren (zum Beispiel das Stimulationsbedürfnis, auch „Sensation Seeking“ genannt) ist in diesem Bereich eigentlich Standard“.

Welche sozialen oder psychologischen Faktoren, die sowohl den Konsum von E-Zigaretten als auch den Konsum von Zigaretten begünstigen, bleibt daher weiterhin unklar. „Da für mögliche Störfaktoren nicht statistisch kontrolliert wurde, ist eine kausale Interpretation, wie sie bei den Autoren zwischen den Zeilen durchklingt, nicht gerechtfertigt. Auch wenn der E-Zigarettenkonsum den Daten zufolge das Risiko eines Einstiegs ins tägliche Rauchen von drei Prozent auf zehn Prozent etwa verdreifachte, bleibt nämlich unklar, ob der E-Zigarettenkonsum hierfür ursächlich ist“, so Ute Mons.

E-Zigaretten als Einstieg zum Tabakrauchen: Daten nur teilweise auf Deutschland übertragbar

Die Daten der Studie lassen sich darüber hinaus nur teilweise auf die Lage in Deutschland übertragen. So sind E-Zigaretten in hierzulande deutlich strenger reguliert als in den USA. Zudem gibt es in der gesamten Europäischen Union beispielsweise eine Obergrenze für Nikotin in E-Zigaretten, die das Suchtpotential der Produkte begrenzt.

„Bislang gibt es auf Basis deutscher Konsumdaten auch keine Hinweise darauf, dass E-Zigaretten zu einer Zunahme des Zigarettenkonsums geführt haben könnten: Der Zigarettenkonsum unter Jugendlichen ist seit vielen Jahren rückläufig und zuletzt auf rund sechs Prozent im Jahr 2019 gesunken, während der E-Zigarettenkonsum relativ konstant bei unter vier Prozent liegt“, erklärt Heino Stöver. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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