1. 24vita
  2. Prävention

Wenn das Baby pausenlos schreit: Bösen Fehler machen besonders Männer

Erstellt:

Von: Max Partelly

Kommentare

Mutter tröstet weinendes Baby
Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien, kann das für die Eltern zur großen Belastung werden. © McPHOTO/M. Begsteiger/imago

Wenn das Baby nicht mehr aufhört zu schreien, kann dies Eltern überfordern. Sogenannte Schreikinder sind aber ein bekanntes Phänomen. Doch es gibt Hilfen.

München – Es ist das Wunder des Lebens. Ein kleiner Mensch, der noch nicht fähig ist alleine zu überleben und vollkommen von seinen Eltern abhängig ist. Zumeist ist es wirklich ein Wunder und ein Grund, Freude in einem Maß zu spüren, die es so wohl sonst nicht gibt im Leben eines Menschen. Oft ist die Vorfreude groß und man macht sich schon Gedanken, wie man sein Kind am besten früh fördern kann. Doch manchmal kann das auch zur absoluten Überforderung werden, wenn das Baby nicht mehr aufhört zu schreien und durch nichts zu beruhigen scheint. Hierfür gibt es den Begriff Schreikind.

Eine klare Definition, wann ein Baby nun ein Schreikind ist und wann nicht, gibt es nicht. Es gibt Modelle zur Einordnung, die den Versuch wagen. Von bis zu 25 Prozent der Neugeborenen in Deutschland spricht das WDR-Wissensmagazin Quarks, wenn es um den Anteil von Schreikindern geht. Eine Methode zur Einordnung, ob ein Baby ein Schreikind ist, ist die Dreierregel von Morris Wessel. Demnach ist ein Baby ein Schreikind, wenn es mindestens:

Wie lange bleibt ein Baby ein Schreikind?

Nach der Dreierregel von Morris Wessel ist jedes sechste Kind in Deutschland ein sogenanntes Schreikind. Ein Baby, das so viel schreit, kann für seine Eltern oder den Elternteil, der sich um das Kind kümmert, zur schweren Belastung werden. Auch wenn keine postnatale bzw. postpartale Depression bei der Mutter vorliegt, ist das eine starke psychische Herausforderung. In dieser Situation fühlen sich Mütter wie Väter überfordert und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen.

Auch wenn der Stress in dieser Zeit unerträglich hoch sein mag, sei vorweggesagt, dass es in der Regel ein Problem ist, das zeitlich begrenzt ist. Quarks schreibt, dass das übermäßige Schreien und Weinen zur fünften und sechsten Woche zunimmt und erst danach wieder weniger wird. Der Lichtblick: bis zum dritten und vierten Monat nimmt es um die Hälfte ab. Für Deutschland gesprochen wird mitgeteilt, dass nur noch rund 6 Prozent der Schreikinder, auch nach dem dritten Monat derartig viel schreien. Nach dem sechsten Monat seien es nur noch rund 3 Prozent. Bleiben die Probleme aber länger als vier Jahre, spreche das für ein erhöhtes Risiko, an ADHS zu erkranken.

Noch mehr spannende Gesundheitsthemen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können.

Gefährliche Überreaktion der Eltern von Schreikindern: Ein Baby zu schütteln kann zum Tod führen

Die Überbelastung und der Stress, die ein Schreikind bei seinen Eltern auslösen kann, kann zu einer gefährlichen Überreaktion seitens der Erwachsenen führen. Wenn nichts mehr hilft – kein Füttern, kein Hochheben und kein Bespaßen – kann das rationale Denken aussetzen. Eine nicht geringe Zahl Betroffener greift dann zu gefährlichen und potenziell tödlichen Mitteln. Sie heben das Baby, das nicht aufhört zu schreien, hoch und schütteln es. Männer bzw. Väter sind besonders gefährdet, diesen Fehler zu machen, wie Studien belegen.

Durch das Schütteln kann der Kopf des Kindes so stark vor- und zurückgeschleudert werden, dass Nervenschäden entstehen können, die möglicherweise neben Behinderungen und Blindheit sogar zum Tod führen. Weniger drastische Folgen könnten unter Umständen nicht erkannt werden. So äußert sich eine Gehirnerschütterung bei einem Kleinkind* möglicherweise subtil.

Es wird vom Shaken-Baby-Syndrom (SBS) gesprochen. Eine Studie im US-Bundesstaat North Carolina erfasste 30 solcher SBS-Fälle unter 10.000 Kindern unter einem Jahr. Mit Kleinkindern sollte man generell nicht zu grob umgehen. Neben psychischen Schäden kann beispielsweise schon das Hochheben an einem Arm zu Verletzungen für das Kleinkind führen.

So geht man am besten mit einem Schreikind um

Grundsätzlich haben besonders Mütter eine gute Intuition, wie man mit seinem Kind umgehen muss, um es zu beruhigen, schreibt Quarks. Nichtsdestotrotz ist es ein Lernprozess, der die Erkenntnis bringt, was wirkt und was nicht. Hierfür ist eine feinfühlige Beobachtungsgabe gefragt, die erst mit der Zeit kommt.

Bei sogenannten „Baby-Lese-Stunden“ wird Eltern geholfen, das Verhalten ihres Neugeborenen besser deuten zu können. Weinen, wenn das Baby ins Bett gebracht wird, kann beispielsweise den Grund haben, dass es bisher immer im Arm der Mutter eingeschlafen ist. Da Babys eine gewisse Routine brauchen, kann dieses Abweichen vom Gewohnten das Kind zum Weinen bringen. Ein regelmäßiger Tagesablauf kann laut einer niederländischen Studie das Weinen bei Kleinkindern stark reduzieren.

Auch beim Anwenden von Beruhigungsmethoden ist Vorsicht geboten. Nicht immer ist es gut, alles mögliche auszuprobieren. Das kann das Baby überfordern, weil zu viele Eindrücke auf es wirken. Laut Quarks ist hier die bessere Option, zunächst nur eine oder wenige Arten zu testen, die das Baby beruhigen oder bei Laune halten.

Schreikinder: Eltern zu gestresst fürs Baby - es gibt Stellen, die helfen

Nur wer die Kraft hat, kann sich mit einem schreienden Baby sinnvoll auseinandersetzen. Deshalb ist es empfehlenswert, auch auf das eigene Wohlbefinden zu achten – gerade Mütter sind oft sehr gestresst und müde. Wer sich bereits selbst mit Frust, Wut und Schlafmangel rumschlägt, ist oft nicht mehr fähig, sich ausreichend um sein Kind zu kümmern. Eine kurze oder auch längere Pause zum Durchschnaufen ist hier auf jeden Fall ein guter erster Weg, sich selbst zu beruhigen, bevor man das Kind beruhigt.

Kommt man mit der Situation überhaupt nicht klar, gibt es auch noch die Möglichkeit, zu einer Schreiambulanz zu gehen. Diese bietet professionell Hilfe für Menschen an, die ein sogenanntes Schreikind haben. Nicht nur der Umgang mit einem Schreikind liegt in der Expertise dieser Schreiambulanzen, sondern auch die Stärkung der Bindung zwischen Eltern und Kind – die kann nämlich stark unter dem Schreien leiden.

Wenn der Umgang mit dem eigenen Kind auch klappt, wenn es mal mehr und mal weniger schreit, ist viel gewonnen. Dann gibt es immer noch genug spannendes, aber auch wichtiges zu lernen. Zum Beispiel, dass Babys im Sommer auch bei großer Hitze kein Wasser bekommen sollen – dafür gibt es einen guten Grund.*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare