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Tierphobien: Woher sie kommen und wie man sie in den Griff kriegt

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Von: Christine Pander

eine Gelbgefleckte Palmlanzenotter Bothriechis aurife aus  Guatemala in leuchtendem grün (Symbolbild)
Schön oder Schrecklich? Jedenfalls nicht ungefährlich: die gelbgefleckte Palmlanzenotter aus Guatemala (Symbolbild) © imageBROKER/Clément Carbillet/Imago

Manche Menschen haben panische Angst vor Schlangen, andere kreischen beim Anblick einer Maus. Doch woran liegt es, ob wir die Tierchen lieben oder hassen?

Kiel/Wien – Für Peter wird eine Busfahrt zum Höllentrip, wenn ein Hundebesitzer samt Hund zusteigt. Auch wenn das Tier an der Leine ist und mit einigen Metern Abstand am Boden sitzt: Peters Herz beginnt zu rasen, seine Handflächen werden feucht. Der tierische Mitfahrer versetzt ihn in Angst und Schrecken. Woher das kommt, kann der 42-jährige nicht einmal mehr sagen. Meistens steigt Peter dann an der nächsten Haltestelle aus, um sich „in Sicherheit“ zu bringen.

Tierphobie: Generell kann man gegen alle Tiere eine Phobie entwickeln

Was Peter da macht, nennen Psychologen „Vermeidungsverhalten“: Die Angst bleibt nicht nur bestehen, sie wird mit der Zeit auch immer größer. „Von einer Phobie spricht man, wenn die Angst unverhältnismäßig geworden ist, sie das eigene Leben einschränkt und dies mit erheblichem Leid verbunden ist“, erklärt Heiner Molzen, Verhaltenstherapeut in Kiel.

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Prinzipiell kann man vor allen Tieren eine Phobie entwickeln. „Am häufigsten sind Tierphobien meiner Erfahrung nach aber bei Spinnen, Schlangen und Hunden“, sagt der Experte.

Tierphobie: Schlechte Erlebnisse und „abgeschautes Verhalten“

Grundsätzlich sind Phobien erlernte Ängste. Viele Menschen, die sich vor Hunden fürchten, wurden von einem Hund angefallen oder gebissen. Den Angriff einer Spinne oder Schlange aber werden in unseren Breitengraden die wenigsten Menschen erlebt haben. Doch auch hier führen Lernprozesse zu den starken Angstgefühlen. „Wenn Kinder sehen, wie Erwachsene auf manche Tiere reagieren, können sie dadurch lernen, dass diese Tiere gefährlich sein müssen“, erklärt Molzen. Sie schauen sich das Verhalten dann schlicht und einfach von den Erwachsenen ab.

In einem Experiment wurde vor einigen Jahren untersucht, wie Babys auf Fotos von Spinnen und Schlangen reagieren. Die Forscher nahmen an, dass die sechs bis acht Monate alten Säuglinge noch kaum Lernerfahrungen mit den Tieren gemacht haben konnten. „Wir haben herausgefunden, dass Babys tatsächlich schon Stressreaktionen gezeigt haben“, berichtet Prof. Stefanie Höhl. Sie leitet den Arbeitsbereich Entwicklungspsychologie an der Uni Wien und war an der Studie beteiligt. Bei einer anderen Befragung kam heraus: Etwa die Hälfte der Menschen hat eine Abneigung gegen diese Tiere.

Tierphobie: Die Angst sitzt im Mandelkern

„Das bedeutet nicht, dass eine Spinnen- oder Schlangenphobie angeboren ist“, sagt Höhl. Jedoch scheine es biologische Faktoren zu geben, die dafür sorgen, dass wir bei diesen Tieren schneller Phobien entwickeln oder zumindest eine Abneigung. Welche Faktoren das genau sind, müssen erst noch weitere Studien zeigen.

Bei einer Phobie ist es nicht entscheidend, wie gefährlich etwas tatsächlich ist, sondern für wie gefährlich es der Mandelkern hält: In diesem primitiven Teil des Gehirns werden Objekte und Situationen reflexhaft mit Angst verknüpft, ohne dass die tatsächliche Gefahr vorher noch einmal rational überprüft wird.

Tierphobie: Stufenweise mit der Angst auseinandersetzen

„Angst funktioniert, ohne dass wir nachdenken müssen“, sagt Verhaltenstherapeut Molzen. „Im Notfall kann es uns das Leben retten, wenn wir nicht erst das Risiko abwägen, sondern direkt wegrennen.“ Zum Problem wird dieser Überlebensmechanismus jedoch, wenn gar keine reale Gefahr vorliegt.

Um die Angst dann in den Griff zu bekommen, muss der Mandelkern ignoriert werden: Es gilt, neue, positive Verknüpfungen im Gehirn herzustellen. Entweder konfrontieren sich die Betroffenen stufenweise mit dem Angstauslöser oder direkt mit der für sie schlimmstmöglichen Situation. „Das kann jeder Patient selbst entscheiden“, so Molzen. Denkbar ist etwa, zunächst mit einem Bild zu beginnen und sich dann langsam bis zu einem lebendigen Exemplar vorzutasten.

Tierphobie: Konfrontationstherapie mit guten Erfolgen

Gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin konfrontieren sich die Patienten und Patientinnen mit dem Angstauslöser. Erleben sie, dass ihre Angst nach 10 bis 15 Minuten nachlässt und schließlich komplett verschwindet, macht das Gehirn eine neue, positive Erfahrung. Die alte Negativerfahrung wird „überschrieben“.

Wichtig dabei ist, dass Betroffene kein Sicherheitsverhalten zeigen, sondern sich ihrer Angst wirklich stellen und diese zulassen. Richtig angewendet kann diese Therapieform sehr schnell und gut wirken. Molzen sagt: „Wenn unser Gehirn Angst lernt, kann es auch lernen, keine Angst zu haben.“ Das gilt übrigens nicht nur für Tier-Phobien, sondern für Phobien allgemein. Was beispielsweise gegen Angst vor Spritzen besonders gut hilft, lesen Sie hier.*(Mit Material von dpa).* Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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