1. 24vita
  2. Prävention

Online-Test zeigt: Diese Menschen sind besonders anfällig für Corona-Mythen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jasmina Deshmeh

Ein Verschwörungstheoretiker hat ein Plakat mit Sprüchen auf seinem Rucksack befestigt (Symbolbild)
Verschwörungstheorien zu Corona gibt es viele, wie hier bei einer Kundgebung in Berlin (Symbolbild) © Sabine Gudath/Imago

Jeder Fünfte glaubt an Corona-Mythen. Wer besonders anfällig ist, hängt unter anderem von bestimmten Charaktereigenschaften ab und lässt sich mithilfe eines wissenschaftlichen Tests vorhersagen.

Hamburg – Händetrockner können Coronaviren abtöten? Und Stubenfliegen übertragen den Erreger? Immerhin 20 Prozent der US-Bevölkerung glaubt an solche Corona-Mythen. Und auch in Deutschland scheint ein Drittel der Bevölkerung anfällig für Verschwörungstheorien zu sein, wie eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem letzten Jahr zeigt. Wer besonders empfänglich für Falschinformationen ist, lässt sich mithilfe eines Online-Tests vorhersagen.

Wissenschaftlicher Test zeigt: Menschen mit bestimmten Charaktereigenschaften glauben eher an Fehlinformationen

Wie kommt es, dass einige Menschen eher an Verschwörungen wie jene, dass Bill Gates mithilfe des Corona-Impfstoffs die Weltherrschaft an sich reißen wolle,* glauben als andere? Eine wichtige Rolle spielen die politische Identität, der Bildungsgrad, die Intelligenz, die Persönlichkeit und weitere demografische Faktoren. Das ist bereits seit längerem bekannt. Ein Forscherteam der Universität Hamburg, der Macquarie University in Australien und der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden ist dieser Frage erneut auf den Grund gegangen und dabei auf einen weiteren Erklärungsansatz gestoßen: den der epistemischen Laster. Dabei handelt es sich um Charaktereigenschaften, die den Erwerb, die Erhaltung und die Weitergabe von Wissen behindern können. Dazu zählen:

Wissenschaftlicher Test zeigt: Zusammenhang empirisch belegbar

Neu ist zwar auch dieser Ansatz nicht, in der Philosophie spielt er schon länger eine große Rolle. Den Forschern ist es nun aber erstmals gelungen, die These empirisch zu belegen. „Eine Motivation zu unserer Studie war es, die Rolle epistemischer Laster bei der Bewertung von Informationen generell zu untersuchen. Dazu bietet die Corona-Pandemie eine einzigartige Gelegenheit“, erklärt Marco Meyer, Doktor der Philosophie und Wirtschaftswissenschaften und Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe zum Thema Ethik.

Dazu baten die Forscher 998 US-Amerikanerinnen und Amerikaner ihre Neigung zu epistemischen Lastern selbst einzuschätzen. Zudem führten sie eine Beobachtungsstudie durch, in der sie den Grad der epistemischen Lasterhaftigkeit mithilfe einer neu entwickelten Skala bestimmten. Zuletzt befragten die Forscher die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezielt nach ihrem Glauben an Mythen und Fehlinformationen über Corona.

Wissenschaftlicher Test zeigt: Epistemische Laster scheinen wichtigster Faktor

„Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht auf Corona-Fehlinformationen hereinfallen, zwei Eigenschaften gemeinsam haben: Sie sind erstens neugierig und zweitens in der Lage, ihre Ansichten zu ändern, wenn sie auf vertrauenswürdige Quellen stoßen, die ihren bisherigen Annahmen widersprechen“, erklärt Meyer.

So lässt sich anhand der epistemischen Laster doppelt so sicher vorhersagen, ob ein Mensch an Corona-Mythen glaubt, als mithilfe der politischen Identität, dem Bildungsgrad, der Persönlichkeit oder demografischer Aspekte wie Alter, Geschlecht oder ethnischer Zugehörigkeit.

„Aus den Erkenntnissen könnte man individuellere Ansprachen und Methoden entwickelt, wie Menschen ihre epistemische Starrheit oder Gleichgültigkeit überwinden können, zum Beispiel durch pädagogische Interventionen“, so Mayer. So könne man dem Glauben an Fehlinformation und Verschwörungsmythen langfristig entgegenwirken.

Noch mehr spannende Gesundheits-Themen finden Sie in unserem kostenlosen Newsletter, den Sie gleich hier abonnieren können. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant

Kommentare