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Psychische Erkrankungen: So verschieden reagieren Männer und Frauen

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Von: Jasmin Pospiech

Übertriebener Sport oder sozialer Rückzug: Die Anzeichen für psychische Probleme können bei jedem Menschen ganz unterschiedlich ausfallen. Ein Experte gibt Tipps.

Berlin – Beim Umgang mit seelischen Belastungen und psychischen Erkrankungen gibt es oft Unterschiede zwischen Männern und Frauen. „Männer versuchen mehr, das nach außen loszuwerden“, sagt der Psychiater Prof. Arno Deister. Frauen hingegen seien eher in der Lage, das Problem zum Thema zu machen und darüber zu reden – oftmals ziehen sich aber auch zurück.

Psychische Erkrankungen: So verschieden reagieren Männer und Frauen auf seelische Probleme

Männer würden häufig versuchen, Dinge zu verbergen und Gefühle teilweise auf destruktive Weise auszudrücken – etwa mit Alkoholkonsum*. Auch die Gefahr von aggressiven Handlungen sei bei ihnen größer als bei Frauen, sagt Deister, der Vorsitzender des Aktionsbündnisses Seelische Gesundheit ist. (Berührungen: Warum wir eingehen, wenn uns niemand streichelt)

Übertriebener Sport zählt ebenfalls zu den möglichen Anzeichen seelischer Belastung bei Männern: Sie gehen dann teils über ihre Grenzen hinaus in Bereiche, die nicht mehr gesund für sie sind. (Depression: So bleiben Sie trotz Corona-Herbst positiv und gut gelaunt)

Psychische Erkrankungen: Viele scheuen sich vor professioneller Hilfe

„Bei Frauen entwickeln sich doch etwas häufiger auch Angstsymptome, die dann oft stärker zum Rückzug führen“, sagt Deister. Sie würden eher versuchen, das mit sich selbst auszumachen. Leider stelle sich bei ihnen oft das Gefühl ein, das nicht richtigzumachen und versagt zu haben. „Schuldgefühle entwickeln sich dann häufig“, sagt Deister.

Eine Frau steht hinter einem Vorhang und schaut durchs Fenster. (Symbolbild)
Frauen ziehen sich bei psychischen Problemen häufiger zurück. (Symbolbild) © Hans Lucas/Imago

Unabhängig vom Geschlecht: Wenn es darum geht, sich professionelle Hilfe vom Psychiater oder der Psychologin zu holen, ist immer wieder Angst da, beobachtet der Experte. Aber diese sei nicht berechtigt. („Sei doch nicht so depressiv!“ Warum sich jeder diesen Satz in Zukunft sparen sollte)

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Psychische Erkrankungen: Darüber reden hilft den meisten schon

Aus Deisters Sicht haben mögliche Vorbehalte zum einen damit zu tun, dass sich viele Menschen schwer damit tun, über eigene Gefühle und Probleme zu reden. Ebenfalls eine große Rolle spiele, dass Betroffene das, was ihnen bei einer seelischen Belastungssituation widerfährt, oft nicht begreifen können. Das mache sie unsicher, auch in Hinblick darauf, was passiert, wenn sie sich Hilfe holen. (Tests und Therapien: Diese Leistungen bekommen Sie jetzt von Ihrer Krankenkasse)

Deister hält es aber für wichtig, sich im Zweifel professionelle Unterstützung zu suchen. „Ich glaube, was wichtig ist, ist zu wissen: Es geht um gar nicht so viel komplizierte Dinge. Es geht um ernst nehmen, um Reden, um Zuhören, um gemeinsame Lösungen finden.“ Das sei ein mächtiges Instrument, was Betroffene nutzen sollten, schließt der Experte. (Mit Material von dpa)

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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