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Wochenbettdepression: Womöglich Heilungsmethode gefunden

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Von: Anna Katharina Küsters

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Ein Ärzteteam hat die biologische Ursache für Wochenbettdepressionen untersucht und womöglich eine Heilungsmethode gefunden.

Das Baby ist auf der Welt, der Geburtsschmerz dank Hormone vergessen und eigentlich sollte das Familienleben jetzt so richtig losgehen. Doch die Liebe zum eigenen Kind will bei manchen Frauen nicht sofort aufkommen. Anstelle von Glücksgefühlen und uneingeschränkter Zuneigung fühlen sich viele Mütter von Ängsten belastet, glauben, sie könnten ihre Rolle nicht gut erfüllen und sehen sich nicht in der Lage, sich um ihr Kind zu kümmern. In der Medizin heißt dieser Zustand Postpartale Depression (PPD). Ein Ärzteteam aus Virginia ist nun ein Durchbruch bei der Suche nach der Ursache für PPD gelungen.

Wochenbettdepression: Mögliche Ursachen gefunden

Frau mit Baby sitzt vor einer Ärztin.
50 bis 80 Prozent aller Mütter leiden unter dem sogenannten Babyblues. (Symbolbild) © Monkeybusiness/Imago

Es muss nicht immer direkt zu einer PPD kommen. Doch auch einen sogenannten Babyblues, der nach wenigen Stunden oder Tagen vergehen kann, müssen viele Frauen nach der Geburt durchleben. Laut Deutscher Depressionshilfe sind es sogar 50 bis 80 Prozent. Bei Frauen, die unter PPD leiden, vergehen diese Symptome jedoch nicht. Etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter sind davon betroffen.

Mediziner sind der Ursache für PPD nun aber einen Schritt näher gekommen und haben somit auch mehr Möglichkeiten, das Phänomen zu behandeln. Dem Team um Jennifer L. Payne von der University of Virginia School of Medicine ist ein Durchbruch gelungen, der das Leben von vielen frisch gewordenen Müttern in Zukunft positiv beeinflussen könnte.

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Wochenbettdepression: Zellen werden nicht richtig gereinigt

Um das Ergebnis der Forschenden zu verstehen, hilft ein Blick auf die Prozesse im Körper während einer Schwangerschaft. Ist eine Frau schwanger, ist in ihrem Körper die Kommunikation zwischen den einzelnen Zellen besonders stark ausgeprägt. Möglich ist das durch sogenannte extrazelluläre RNA. Diese RNA, die außerhalb der Zellen liegt, hilft beispielsweise bei der Einnistung des befruchteten Embryos in die Gebärmutterschleimhaut.

Das Team um Jennifer L. Payne hatte vermutet, dass diese erhöhte Kommunikation auch mit PPD zusammenhängen könnte. Um das herauszufinden, entnahmen sie 14 schwangeren Frauen Blutplasma. Einige von ihnen mussten danach PPD durchleiden – ihre Blutproben zeigten deutliche Unterschiede zu denen der gesunden Frauen. Zudem zeigte sich, dass in den Zellen der von PPD betroffenen Frauen bestimmte Aufräumprozesse nicht oder nur sehr wenig stattgefunden hatten. Sie sind jedoch wichtig, denn bei diesen Aufräumaktionen entledigt sich die Zelle kranker oder falscher Proteine.

Der Aufräum-Prozess nennt sich auch Autophagie. Das Ärzteteam geht davon aus, dass diese ausbleibende Reinigung der Zellen eine PPD begünstigt.

Wochenbettdepression: PPD schon vor dem Ausbruch verhindern

Die Hoffnung der Ärzte ist nun, dass sich mit diesem Wissen bereits vor dem Ausbruch einer PPD etwas dagegen unternehmen lässt. Die Störung der Autophagie lässt sich nämlich bereits vor der Geburt im Blut der Mutter feststellen. Ist eine Risikopatientin so festgemacht, lässt sich die Autophagie mit Medikamenten unterstützen und so die Wahrscheinlichkeit senken, dass die Patientin später an PPD erkrankt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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