Lange gesund bleiben – was ist eigentlich das biologische Alter?
Das Alter, das in unserem Pass steht, sagt nicht unbedingt etwas über unseren Gesundheitszustand aus. Wie alt der Körper wirklich ist, beschreibt das biologische Alter.
Wer nach dem Alter fragt, meint in der Regel das chronologische Alter, also die Anzahl an Jahren, die ein Mensch schon gelebt hat. Das chronologische Alter ist aber in erster Linie eine Zeitangabe und sagt nur bedingt etwas darüber aus, wie gesund eine Person ist und in welchem Zustand ihr Körper ist. Zuverlässiger als das kalendarische Alter ist das sogenannte biologische Alter, doch was ist damit genau gemeint und können wir es vielleicht sogar beeinflussen?
Was ist das biologische Alter?
Manche Menschen haben auch im höheren Lebensalter noch eine gute Kondition, laufen vielleicht sogar einen Marathon, während andere schon in jungen Jahren bei kleinsten Anstrengungen ins Schwitzen kommen. Wie gesund und leistungsfähig jemand ist, ist also nicht unbedingt eine Frage der Lebensjahre. Zudem altert jeder Mensch ein bisschen anders, je nach genetischer Veranlagung. Ein bisschen was ist also dran an dem Spruch „Man ist so alt, wie man sich fühlt“.

Wie gesund eine Person ist und wie hoch ihr damit verbundenes Risiko für altersbedingte Krankheiten wie Alzheimer, Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, lässt sich mit dem biologischen Alter bestimmen – ein Begriff, der in der Altersforschung häufig verwendet wird und den Alterungsprozess im Gegensatz zum einfachen Zeitablauf misst, wie es die Wissenschaftler Michal Jazwinski und Sangkyu Kim in einer Forschungsarbeit beschreiben.
Zur Bestimmung des biologischen Alters werden laut Max-Planck-Institut sogenannte Biomarker des Alterns berücksichtigt, also bestimmte Merkmale, die den „Funktionszustand des Organismus“ erfassen. Dazu zählen unter anderem:
- Blutdruck
- Sehvermögen
- Hörvermögen
- Beweglichkeit der Gelenke
- Cholesterin im Blut
- Entzündungsmarker im Blut
- Methylgruppen an der DNA, die die Aktivität von Genen steuern (die sogenannte “epigenetische Uhr“)
Biologisches Alter lässt sich beeinflussen
Unsere Gene bestimmen ein Stück weit den Alterungsprozess und damit auch unser biologisches Alter sowie unsere Lebenserwartung. Darüber hinaus gibt es aber eine Reihe von Umweltfaktoren, die das biologische Alter beeinflussen. So können uns zum Beispiel schwere Krankheiten, Operationen oder auch Schwangerschaften kurzzeitig schneller altern lassen, wie eine Untersuchung der Harvard Medical School an Mäusen zeigt. Konkret stellten die Forscher aus Harvard nach solchen belastenden Ereignissen Veränderungen im Herz, der Leber und im Gehirn fest. Allerdings ließ sich die schneller tickende epigenetische Uhr im Experiment wieder zurückdrehen, die biologische Alterung verlangsamte sich einige Zeit nach der Belastung wieder.
Neben Genen und Umweltfaktoren hat auch die Lebensweise Einfluss auf das biologische Alter. Dazu zählt vor allem, wie sich ein Mensch ernährt, ob er Übergewicht hat, körperlich aktiv ist und ob er raucht oder regelmäßig Alkohol trinkt. Auch Schlaf(mangel) sowie Stress wirken sich auf das biologische Alter aus, vor allem wenn beides über eine längere Zeit anhält. Und nicht zuletzt: ob eine Person regelmäßig Freunde trifft, sich wohlfühlt und zufrieden ist. Denn soziale Interaktion hält kognitiv fit und kann in gewissem Maße neurologischen Erkrankungen vorbeugen, wie die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) informiert.
Ausgewogene Ernährung und Sport gegen das Altern
Wer bis ins hohe Alter gesund bleiben möchte, sollte auf seinen Lebensstil achten und reichlich Gemüse und Obst in seine Ernährung integrieren. Drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst am Tag sollten es laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) sein. Tierische Lebensmittel wie Fleisch, Eier und Milch sollten pflanzliche Nahrungsmittel eher ergänzen. Alkohol lässt uns schneller altern und sollte nur in Maßen als Genussmittel auf den Tisch kommen. Gleiches gilt für Fertiggerichte wie Pizza, die das Risiko für Krebs erhöhen.
Außerdem hält Sport unseren Körper jung. Denn regelmäßige Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System, wirkt sich positiv auf die Knochengesundheit aus und hält die Blutgefäße elastisch. So haben schon 15 Minuten sportliche Aktivität in der Woche einen lebensverlängerten Effekt, wie australische Forscher herausgefunden haben. Besonders intakte Gefäße sind nach Ansicht vieler Experten ein Schlüssel für Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Alter, da sie alle Organe miteinander verbinden und diese mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Verlieren sie allmählich ihre Funktion (zum Beispiel durch zu hohen Blutdruck oder Übergewicht), altern auch Organe, Nerven und Knochen schneller.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion leider nicht beantwortet werden.

