Ein Mann mit freiem Oberkörper kratzt sich an der Schulter (Symbolbild).
+
Bei einer Pseudoallergie können Symptome wie juckende Nesselsucht auftreten, ohne dass das Immunsystem beteiligt ist (Symbolbild).

Intoleranzreaktionen

Pseudoallergie: Symptome und Auslöser der allergieähnlichen Erkrankung

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
    schließen

Bei einer Pseudoallergie treten die gleichen Symptome wie bei einer Allergie auf, ohne, dass das Immunsystem beteiligt ist. Auslöser sind meistens Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelzusatzstoffe. Lesen Sie jetzt alles zu Pseudoallergien.

  • Pseudoallergien sind Unverträglichkeitsreaktionen mit allergieähnlichen Symptomen ohne Immunreaktion
  • Auslöser einer Pseudoallergie sind meist natürliche, in Nahrungsmitteln vorkommende Substanzen
  • Die Symptome einer Pseudoallergie reichen von Hautausschlägen über Kopfschmerzen, Schwindel bis zu Asthma

Berlin – Bei einer Pseudoallergie treten allergieänhnliche Symptome wie Hautausschläge, Quaddeln und Schwellungen der Schleimhäute auf, ohne dass ihnen eine immunologische Reaktion zugrunde liegt. Es handelt sich meist um eine Intoleranzreaktion des Körpers auf natürliche Inhaltsstoffe oder Zusatzstoffe von Nahrungsmitteln. Während echte allergische Reaktionen die Folge einer Abwehrreaktion des Immunsystems sind, können bei einer Pseudoallergie keine IgE-Antikörper gegen bestimmte Allergene nachgewiesen und keine Auslöser durch Allergietests festgestellt werden. Die Beschwerden belasten Betroffene jedoch oft genauso, wie bei einer Allergie.

Pseudoallergie: Ursache der Unverträglichkeitsreaktion

Unter einer Pseudoallergie wird eine Unverträglichkeitsreaktion des Körpers verstanden, die in ihrer Symptomatik stark einer allergischen Reaktion ähnelt. Meist tritt sie nach dem Verzehr von natürlichen Inhaltsstoffen oder Zusatzstoffen in Nahrungsmitteln auf. Im Gegensatz zu einer echten allergischen Reaktion ist bei einer pseudoallergischen Reaktion jedoch keine immunologische Reaktion nachweisbar. Bei einer Allergie bildet das Immunsystem nach dem ersten Kontakt mit einem eigentlich harmlose Reiz IgE-Antikörper gegen diesen Stoff, der Körper ist sensibilisiert. Kommt es zum erneuten Kontakt, leitet das Immunsystem Abwehrmaßnahmen gegen den „Eindringling" ein. Dabei schütten Abwehrzellen, die Mastzellen, große Mengen des Botenstoffs Histamin aus, es kommt zu Entzündungsreaktionen und den typischen Allergie-Symptomen. Bei einer Pseudoallergie kommt es zu ähnlichen Reaktionen, allerdings ohne, dass zuvor eine Sensibilisierung stattgefunden hat. Entsprechend sind auch keine Antikörper bei einem Bluttest nachweisbar. Anders als bei einer Allergie setzen die Reaktionen meist auch nicht direkt nach dem Kontakt mit einem Auslöser, sondern erst nach einigen Stunden ein und sind in ihrem Ausmaß von der Dosis des Auslösers abhängig. Anders als bei Allergien werden bei Pseudoallergien geringe Mengen des Auslösers häufig vertragen.

Auch bei einer Pseudoallergie ist der Botenstoff Histamin für die Symptome verantwortlich. Allerdings ist noch nicht klar, welcher Mechanismus zur Freisetzung des Histamins führt. Vermutlich können einzelne Stoffe selbst die Ausschüttung von Histamin durch Mastzellen aktivieren. Ursache kann auch ein Enzym-Mangel oder eine verminderte Aktivität von Histamin-abbauenden Enzymen (Histaminintoleranz) sein.

Pseudoallergie: Was sind die Auslöser?

Die Suche nach dem Auslöser einer Pseudoallergie, dem Pseudoallergen, gestaltet sich meist schwierig, da Reaktionen oft zeitversetzt auftreten. Ein Symptomtagebuch kann Betroffenen helfen, mögliche Pseudoallergene zu identifizieren. Auch ein Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht kann sinnvoll sein.

Häufig tritt eine Pseudoallergie als Reaktion auf natürliche Stoffe in Nahrungsmitteln oder auf Nahrungsmittelzusatzstoffe auf. Die häufigsten Auslöser sind künstliche Zusatzstoffe wie Aroma-, Farb- und Konservierungsstoffe (z.B. Benzoesäure, Benzoate) sowie Geschmacksverstärker (z.B. Glutamat). Aber auch natürliche Konservierungsstoffe können eine Pseudoallergie auslösen. Unter den natürlichen Substanzen sind vor allem biogene Amine, Salizylsäure und Benzoesäureester als Auslöser von Pseudoallergien bekannt. Biogene Amina entstehen beim Abbau von Eiweißen und sind besonders in Schokolade, Tomaten und bestimmten Fisch- und Käsesorten zu finden. Ananas, Aprikosen, Beerenfrüchte, Gurken, Oliven, Orangen, Wein und Weintrauben aber auch bestimmte Medikamente (nichtsteroidalen Antiphlogistika) enthalten hingegen große Mengen der fäulnishemmenden Salizylsäure. Auch histaminhaltige Nahrungsmittel und Muskelrelaxanzien sowie Röntgenkontrastmittel können eine pseudoallergische Reaktion hervorrufen.

Pseudoallergie: Das sind die Symptome

Die Symptome einer Pseudoallergie ähneln denen einer Allergie und sind je nach Auslöser verschieden. Mögliche Reaktionen des Körpers auf biogene Amine sind:

  • Anfallsartige Hautrötungen, meist im Gesicht und Dekolleté, Ausschlag oder Jucken, Kopfschmerz, Blutdruckabfall (Histamin und histaminfreisetzende Stoffe)
  • Migräneartiger Kopfschmerz, Hautrötungen und Ausschlag (Tyramin)
  • Migräneartiger Kopfschmerz (Phenylethylamin)

Mögliche Symptome bei pseudoallergischen Reaktionen auf Zusatzstoffe sind:

  • Asthma, Hautausschlag, Nesselsucht (Urtikaria) bei Benzoesäure, Benzoate
  • Asthma, Gesichtsrötung („Flush“), Juckreiz, Nesselsucht (Urtikaria), Schwellungen im Gesicht (Angiödem) bei Sulfiten, Schwefeldioxid
  • Kopfschmerzen, Spannungsgefühl im Gesichtsbereich, Schweißausbrüche, Schmerzen im Brustbereich, Schwindel, Kribbeln im Finger-, Schulter- und Nackenbereich („China-Restaurant-Syndrom“) bei Glutamat

Pseudoallergie: Behandlung der Unverträglichkeitsreaktion

Die wirksamste Behandlung einer Pseudoallergie ist das Vorbeugen von Symptomen durch eine konsequente Vermeidung der Auslöser. So können bei einer durch pseudoallergische Reaktionen ausgelösten chronischen Urtikaria oder wiederkehrenden Schwellungen der Schleimhäute die Beschwerden nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) in Berlin, des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) durch eine pseudoallergenarme Diät gelindert werden. Die Diät sollte für drei Wochen strikt eingehalten werden - der Diät-Erfolg stellt sich dann meist nach zehn bis vierzehn Tagen ein und sollte durch eine gezielte Provokation überprüft werden. Anschließend können die Auslöser in kleinen Mengen schrittweise wieder in den Speiseplan intergriert werden. Um eine Mangelernährung auszuschließen, sollten langfristige Ernährungsumstellungen immer von einem Arzt oder Ernährungsberater begleitet werden.

Unterstützung bei der pseudoallergenarmen Diät bietet Betroffenen die in den EU-Mitgliedsstaaten geltende Kennzeichnungsvorschrift für Lebensmittel. Nach der Vorschrift müssen alle Zutaten, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten auslösen können, auf der Verpackung deklariert werden. Dies gilt auch, wenn sie nur in sehr geringer Menge im Nahrungsmittel enthalten sind. In Akutfällen kann der behandelnde Arzt auch Allergiemedikamente verschreiben. So können Antihistaminika die Beschwerden bei einer Pseudoallergie kurzzeitig lindern.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren