Eine Ärztin misst den Blutdruck eines Patienten (Symbolbild).
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Bei Autoimmunerkrankungen sind regelmäßige Verlaufskontrollen wichtig (Symboldbild).

Wenn sich der Körper selbst bekämpft

Autoimmunerkrankung: Ursache, Symptome und Behandlung – das ist der Unterschied zu einer Allergie

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Eine Autoimmunerkrankung kann ähnliche Symptome hervorrufen, wie eine Allergie. Im Gegensatz zu Allergien richtet sich das Immunsystem hier jedoch gegen körpereigene Stoffe und reagiert mit gefährlichen Entzündungsreaktionen.

Kiel – Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor fremden Stoffen und Erregern wie Bakterien, Viren und Parasiten, indem es bei Kontakt eine Abwehrreaktion einleitet. Bei einer Autoimmunerkrankung erkennt das Immunsystem körpereigene Stoffe als fremd an und reagiert mit einer überschießenden Immunreaktion. Dabei kommt es zu Entzündungsreaktionen, die das Gewebe schwer schädigen können. Schätzungen zufolge sind etwa fünf bis acht Prozent aller Menschen von einer der fast 100 verschiedenen Autoimmunerkrankungen betroffen. Die Symptome bei Autoimmunerkrankungen können denen einer Allergie ähneln. Die Ursache für allergische Symptome liegt jedoch in einer krankmachenden Überreaktion auf eigentlich harmlose exogene Eiweiße (Allergene). 

Autoimmunerkrankung: Ursachen und Entstehung

Die Mechanismen, die bei Autoimmunerkrankungen zu einer gestörten Toleranz des Immunsystems gegenüber körpereigenen Stoffen führen, sind wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass mehrere Faktoren bei der Entstehung von Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen. So kommen auf der einen Seite genetische Faktoren, auf der anderen Seite verschiedenen auslösende Faktoren wie Infekte, Schwangerschaften, Stress oder auch bestimmte Medikamente als Ursache der Erkrankung in Frage. Ebenso gibt es, ähnlich wie bei Allergien, die Vermutung, dass übertriebene Hygiene in westlichen Industrienationen das Immunsystem durch „fehlendes Training“ anfälliger für Fehlschaltungen macht.

Bei einigen Autoimmunerkrankungen sind einzelne Organe betroffen, zum Beispiel die Schilddrüse bei Hashimoto-Thyreoiditis oder Nervenzellen bei Multipler Sklerose (organspezifische Autoimmunerkrankung). Bei anderen sind Gewebestrukturen im ganzen Körper betroffen, etwa die Haut bei Schuppenflechte oder das Bindegewebe in Gelenken und Sehnen bei der Rheumatoiden Arthritis. Diese Formen der Autoimmunerkrankung werden als systemische Autoimmunerkrankungen bezeichnet. Frauen erkranken häufiger an Autoimmunerkrankungen als Männer. Zudem sind ältere Menschen öfter betroffen als jüngere.

Autoimmunerkrankung: Zöliakie und weitere häufige Erkrankungen

Eine bekannte Autoimmunerkrankung ist die Zöliakie. Diese wird fälschlicherweise oft den Allergien zugeordnet. Bei einer Zöliakie löst das Klebereiweiß Gluten Entzündungen im Dünndarm aus. Dabei greift das Immunsystem körpereigene Eiweiße in der Dünndarmschleimhaut an und bildet IgA-Antikörper. Die Antikörper zerstören die Zotten (Falten) der Darmschleimhaut, deren Oberfläche sich dadurch verringert. In der Folge können Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden und eine Mangelernährung droht. Nicht zu verwechseln ist die Zöliakie mit der Glutenunverträglichkeit oder einer Weizenallergie. Während bei einer Glutenunverträglichkeit das Immunsystem nicht beteiligt ist, bildet es bei einer Weizenallergie IgE-Antikörper gegen Bestandteile des Weizens.

Neben der Zöliakie sind fast hundert verschiedene Autoimmunerkrankungen bekannt. Die häufigsten sind in der nachfolgenden Liste aufgeführt:

  • Multiple Sklerose
  • Diabetes mellitus Typ 1
  • Colitis ulcerosa
  • Pemphigus vulgaris
  • Myasthenia gravis
  • Morbus Basedow
  • Rheumatoide Arthritis
  • Lupus erythematodes (Reaktionen gegen zahlreiche Organe)
  • Polymyositis (Entzündung der Muskulatur)
  • Sklerodermie (Bindegewebsverhärtung von Haut, Gefäßen und inneren Organen)
  • Systemische Vaskulitiden (Entzündung der Gefäße)
  • Anti-Phospholipid-Syndrom (Störung in der Blutgerinnung)

Eine Übersicht über alle Autoimmunerkrankungen und ausührliche Informationen zu den jeweiligen Krankheitsbildern bietet die Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen (DGfAE) in Kiel.  

Autoimmunerkrankung: Symptome und Diagnose

Welche Symptome bei einer Autoimmunerkrankung auftreten, hängt maßgeblich von der jeweiligen Erkrankung und den betroffenen Organen ab. Da es zu unterschiedlichsten Beschwerden kommen kann, wird die Diagnose oft erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen und nach langem Leidensdruck gestellt. Für die Diagnose wird der Arzt den Patienten zunächst in der Anamnese ausführlich zur Krankengeschichte befragen. Mögliche weitere Diagnoseverfahren unterscheiden sich je nach Symptomen und reichen von Arthroskopien, Biopsien, Blutuntersuchungen, Darmspiegelungen, Gelenkpunktionen, Lungenfunktionstests über neurologische Untersuchungen bis hin zu Stuhluntersuchungen und Hämoccult-Tests. Bei systemischen Autoimmunerkrankungen kann der Nachweis sogenannter antinukleärer Antikörper (ANA) Hinweise auf eine Autoimmunerkrankung geben. Dabei handelt es sich um Autoantikörper (AAK) gegen Bestandteile der Zellkerne.

Autoimmunerkrankung: Behandlung

Da Autoimmunerkrankungen bisher nicht heilbar sind, können sie nur symptomatisch behandelt werden. Betroffene tragen die Erkrankung also ein Leben lang. Die Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Erkrankung und betroffenen Organen. Eine häufige Therapie ist die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten und Immunsuppressiva wie Cortison, die die körpereigene Abwehr unterdrücken. Durch die Unterdrückung des Abwehrmechanismus des Immunsystems kann es jedoch auch zu vielen Nebenwirkungen kommen. So ist der Körper beispielsweise nicht mehr ausreichend gegen Viren und Bakterien geschützt. Aus diesem Grund müssen Immunsuppressiva immer exakt auf die Symptome des Patienten abgestimmt werden.

In seltenen Fällen werden vorhandene Abwehrzellen durch eine Chemotherapie zerstört und das Immunsystem anschließend durch eine Stammzelltransplantation wieder „aufgebaut". Diese Form der Behandlung einer Autoimmunerkrankung birgt jedoch enorme Risiken und wird nur selten durchgeführt. Ein wichtiger Schritt der Behandlung ist es zudem, Auslöser der Erkrankung (etwa starken Stress) so gut es geht zu meiden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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