Ein kleines Mädchen mit Kleid und Zöpfen trägt ein Plüsch-Alpaka durch ein Kinderzimmer (Symbolbild)
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Vor allem Babys und Kleinkinder halten sich viel im häuslichen Umfeld auf, weshalb Kinderzimmer frei von Schadstoffen sein sollten (Symbolbild).

Böden, Tapeten, Möbel, Textilien

Allergenfreies Kinderzimmer: So schützen Sie Ihr Kind vor bedenklichen Schadstoffen in der Wohnung

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Kleinkinder und Babys verbringen viel Zeit zuhause. Eltern sollten deshalb beim Kauf von Möbeln, Textilien und Farben fürs Kinderzimmer auf schadstoffarme Produkte achten. Verschiedene Siegel helfen bei der Auswahl.

München – Kinder reagieren auf Umwelteinflüsse besonders empfindlich, da sie häufiger atmen, einen schnelleren Stoffwechsel haben und ihr Körper noch nicht so gut „entgiften“ kann, wie der von Erwachsenen. Zudem verbringen sie sehr viel Zeit im häuslichen Umfeld und sind möglichen Schadstoffen und Allergieauslösern besonders intensiv ausgesetzt. Eltern sollten deshalb auf ein schadstoff- und allergenfreies Kinderzimmer achten. Hilfe beim Einkauf bieten verschiedene Siegel und Produkt-Tests von Verbraucherzentralen und Öko-Test.

Allergene im Kinderzimmer: Renovieren und Verlegen neuer Fußböden können Atemwegsbeschwerden auslösen

Kündigt sich Nachwuchs an, bleibt Renovieren meist nicht aus. Entweder wird eine größere Wohnung bezogen oder zumindest das Kinderzimmer neu eingerichtet. Eine Studie des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung zeigt aber: renovieren Eltern während der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr des Kindes, steigt das Risiko für Atemwegsbeschwerden. Ursache dafür sind erhöhte Konzentrationen von flüchtigen organischen Verbindungen wie Styrol oder Ethylbenzol, die neu verlegte Fußböden ausdünsten und die über die Raumluft eingeatmet werden. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern bereits an Allergien oder Asthma leiden und bei denen eine entsprechende erbliche Veranlagung besteht. Die Wissenschaftler raten deshalb vom Verlegen neuer Laminat- und Teppichböden sowie anderer Fußbodenbelege während oder kurz nach der Schwangerschaft ab. (Allergene in Farbe, Lack und Möbeln: Das sollten Allergiker beim Renovieren beachten)

Allergene im Kinderzimmer: Diese Siegel kennzeichnen schadstofffreie Bodenbeläge

Um die Emissionen von Schadstoffen im Kinderzimmer gering zu halten, rät die Verbraucherzentrale bei der Wahl des Bodenbelags auf folgende Siegel zu achten:

  • Blauer Engel (Siegel des Umweltbundesamtes)
  • Eco Institut (bei Teppichen, Laminat, Linoleum, Dielen und Parkett)
  • GuT (bei Teppichböden)
  • Kork-Logo (speziell für Korkböden)

Eltern sollten beim Kauf außerdem auf mögliche unangenehme Gerüche des Bodenbelags achten. Die Verbraucherschützer empfehlen dazu, ein kleines Stück des Bodenbelags für einen Tag in ein verschlossenes Glas zu legen und anschließend daran zu riechen. Kommt ihnen ein unangenehmer Geruch entgegen, kann das auf mögliche Ausdünstungen hinweisen.

PVC-Böden sollten Eltern möglichst ganz meiden, da sie oft Weichmacher und andere Schadstoffe enthalten. Parkett und Laminat sollten Verbraucher nur mit Klicksystem oder einem zertifizierten schadstofffreien Kleber (z.B. mit dem Siegel Blauer Engel) verlegen. (Bastellkleber im Öko-Test: Einige enthalten Konservierungsmittel, die Allergien auslösen können)

Auch warnt die Verbraucherzentrale vor möglichen Mottenschutzmitteln (meist mit dem Wirkstoff  Permethrin) in Wollteppichen. Sie sollen die Teppiche vor gefräßigen Käfer- und Mottenlarven schützen. Die Produkte werden mit der Bezeichnung „Eulan“, oder „eulanisiert“ gekennzeichnet. Das Insektizid kann über die Haut oder – bei Kleinkindern – über den Mund aufgenommen werden und in sehr seltenen Fällen Kontaktallergien auslösen.

Allergene im Kinderzimmer: Vorsicht vor Schadstoffen in Tapete und Schimmelpilzbefall an den Wänden

Wände bilden eine große Fläche im Kinderzimmer und sollten deshalb in jedem Fall frei von Allergenen sein. Viele Wandfarben sind jedoch sogenannte Dispersionsfarben, warnt der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München: Damit sie nicht schimmeln, werden ihnen sogenannte Biozide (Konservierungsmittel) beigemischt. Einige von ihnen spalten Formaldehyd ab und sind damit mögliche Kontaktallergie-Auslöser. Andere Biozide wie Isothiazolinonderivate können ebenfalls über die Raumluft in den Körper gelangen und sogenannten aerogenen Kontaktekzeme verursachen. Vinyltapeten, enthalten hingegen den Kunststoff PVC, in dem ungesunde Weichmacher stecken.

Fürs Kinderzimmer eignen sich Putz oder Farbe auf mineralischer Basis oder Produkte mit folgenden Siegeln: „Blauer Engel“, „Eco Institut Tested Product-“ oder „natureplus-Siegel“. Viele Farben tragen außerdem den Hinweis „Für Allergiker geeignet“. Auch bei Tapeten ist Ware mit dem Siegel „Blauer Engel“ eine gute Wahl.

Regelmäßiges Stoßlüften mit weitgeöffneten Fenstern oder Querlüften mit geöffneten Türen verhindert außerdem Feuchteschäden an den Wänden und Schimmelpilzbefall, der Atemwegserkrankungen und Schimmelpilzallergien auslösen kann.

Allergene im Kinderzimmer: Allergieauslöser in Möbeln

Auch neue Möbel wie Schränke, Betten und Sessel können gesundheitsgefährdende Stoffe ins Kinderzimmer bringen. In Spanplatten befinden sich beispielsweise häufig Kunstharze als Bindemittel, die Formaldehyd enthalten. Dabei handelt es sich um ein stechend riechendes Gas, das in höherer Konzentration nach Angaben des Umweltbundesamtes krebserregend ist. Zudem kann der Stoff die Haut und Schleimhäute sowie die Augen reizen und Asthmaerkrankungen auslösen bzw. verstärken. Weitere mögliche Schadstoffe in Möbeln sind laut Allergieinformationsdienst Bestanteile von Klebern wie Epoxidharze, die als genverändernd und allergieauslösend eingestuft sind.

Allergene im Kinderzimmer: So erkennen Eltern schadstofffreie Möbel

Für das Kinderzimmer eignen sind Massivholzmöbel, die in der Regel zwar deutlich teurer, dafür meist aber auch frei von Allergie-Auslösern sind. Wer Geld sparen möchte, kann auch auf Second-Hand-Möbel zurückgreifen. Diese sind nicht nur günstiger und schonen die Umwelt, mögliche Schadstoffe sind bei ihnen auch schon ausgedünstet.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt Eltern beim Möbelkauf auf das Siegel „Blauer Engel“ zu achten oder im Zweifelsfalls beim Hersteller Belege für die Unbedenklichkeit der Produkte einfordern. Weitere hilfreiche Siegel sind: „Goldene M“, „DGM Emissionslabel Klasse A“, „Eco Institut Tested Product“ und „ÖkoControl“. Regelmäßiges Lüften hilft außerdem, die Raumluft von möglichen Formaldehydbelastungen zu befreien. (Gesundes Raumklima kann Allergien vorbeugen: So lüften Sie im Winter richtig)

Allergene im Kinderzimmer: Bettwäsche und Matratzen

Auch in Matratzen können viele Schadstoffe stecken, die ausgasen und vom Kind beim Schlafen eingeatmet werden. Eltern sollten beim Einrichten des Kinderzimmers auf das Siegel „Blauer Engel“ achtgeben und nach Empfehlung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Matratzen möglichst zwei Wochen ausdünsten, bevor Kinder darauf schlafen.

Bettdecken und Kissen können ebenfalls verschiedene Allergene enthalten. Die häufigsten sind Hausstaubmilben. Reagiert ein Kind auf die Ausscheidungen der winzigen Tierchen allergisch, können spezielle Überzüge („Encasings“) den Allergenkontakt reduzieren. Bestimmte Füllmittel wie Federn, Daunen oder Naturhaar können Allergikern ebenfalls Probleme bereiten.

Bei Tierhaarallergien sollten Eltern darauf achten, dass Haustiere nicht ins Kinderzimmer gelangen. Bei einer Pollenallergie (Heuschnupfen) sollten Kinder während Pollensaison das Kinderzimmer nicht mit Straßenkleidung betreten. Darüber hinaus kann duschen am Abend helfen, die Pollen aus den Haaren zu spülen und das Bett allergenfrei zu halten. Auch Regelmäßiges Wechseln und Waschen der Bettwäsche bei mindestens 60 Grad sowie ausgiebiges Lüften, reduziert die Allergen-Belastung im Bett. (Zu welcher Tageszeit sollten Allergiker duschen - besser morgens oder am Abend?)

Allergene im Kinderzimmer: Heimtextilien

Heimtextilien aller Art (zum Beispiel Decken, Bettwäsche oder Vorhänge) sind oft mit chemischen Substanzen behandelt, etwa um sie knitterfrei oder weniger anfällig für Flecken und Bakterien zu machen. Um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, sollten Verbraucher bei der Ausstattung des Kinderzimmers auf allergenfreie Textilien achten. Orientierung bieten hier Siegel wie das „Global Organic Textile Standard (GOTS)„, „Naturtextil IVN zertifiziert BEST“ oder „Oeko-Tex® Standard 100“ achten.

Allergene im Kinderzimmer: Nickel, Weichmacher und Duftstoffe in Kinderspielzeug

Auch Spielsachen wie Kuscheltiere, Kunststoff-Puppen und Spielzeug aus Metall (z.B. Modellautos) können potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe wie Nickel, Duftstoffe und Weichmacher enthalten. Das zeigen wiederholt Tests der Verbraucherzentralen. Besonders kleine Kinder erleben ihre Umgebung mit allen Sinnen und nehmen Spielsachen gerne mal in den Mund. Deshalb ist es wichtig, beim Kauf Spielsachen auf mögliche Allergene und Schadstoffe zu prüfen.

Dabei helfen folgende Tipps:

  • Spielsachen sollten den Hinweis „PVC-frei“ tragen
  • Auf Billig-Produkte verzichten, sie können gefährliche Weichmacher enthalten
  • Produktwarnungen und Test von Verbraucherzentralen und Öko-Test berücksichtigen
  • PVC-haltige Spielwaren nur mit dem Hinweis „Phthalat-frei“ kaufen
  • Die Kunststoffe PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) oder ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer) sind frei von Weichmachern
  • Keine gebrauchten oder älteren Spielsachen aus Weichplastik wie Puppen oder weiche Plastikfiguren kaufen, da sie mittlerweile verbotene Phthalat-Weichmacher enthalten können

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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