Eine Frau hält die Füße ihres Kindes in der Hand (Symbolbild).
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Schwangere Frauen sollten möglichst wenige Medikamente einnehmen (Symbolbild).

Immunsystem und Schwangerschaft

Allergien in der Schwangerschaft: Was Schwangere beachten müssen – Alles über Symptome, Behandlung und Risiken

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Frauen, die bereits unter einer Allergie leiden, müssen auch in der Schwangerschaft und Stillzeit mit Beschwerden rechnen. Was Schwangere bei der Behandlung beachten sollten, welche Medikamente tabu sind und wie Sie Allergien bei Ihrem Kind vorbeugen können.

  • Viele Schwangere leiden unter allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma oder Nahrungsmittelallergien.
  • Doch die Behandlung der allergischen Symptome ist vor allem in der Schwangerschaft nicht einfach.
  • Was werdende Mütter in dieser Zeit beachten sollten und wie Sie Ihr Kind vor einer Allergie schützen.

München – Fast jede fünfte Schwangere leidet unter einer Allergie. Bei den meisten Frauen handelt es sich dabei um weit verbreitete allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und Nahrungsmittelallergien. Lassen sich die Beschwerden normalerweise gut behandeln, kommen viele Medikamente während der Schwangerschaft nicht infrage. So sollte vor allem während des ersten Trimesters auf eine medikamentöse Behandlung verzichtet werden. Doch ein Verzicht ist nicht immer einfach, denn bei schweren Erkrankungen wie Asthma können die allergischen Symptome sogar zum Risiko für das Ungeborene werden.

Welche Medikamente sind erlaubt und welche sollten Schwangere möglichst meiden? Wie wirkt sich eine Allergie auf das ungeborene Kind aus? Und ist es möglich, bereits während der Schwangerschaft das Allergierisiko des Babys zu senken? Erfahren Sie hier, was Sie über Symptome, Risiken und Behandlungsoptionen wissen sollten.

Allergien in der Schwangerschaft: Sind werdende Mütter besonders gefährdet?

In den letzten Jahren ist die Zahl der Menschen, die unter einer Allergie leiden deutlich gestiegen. Nicht nur Kinder sind immer häufiger betroffen, auch viele Erwachsene entwickeln im Laufe ihres Lebens eine allergische Erkrankung. Damit nimmt auch die Zahl der Frauen zu, die in er Schwangerschaft mit allergischen Beschwerden zu kämpfen haben oder in dieser Zeit erstmalig allergische Symptome entwickeln. Welche genauen biologischen Veränderungen in der Schwangerschaft für die Entstehung einer Allergie verantwortlich sind, ist bisher unklar. Forscher vermuten, dass der veränderte Immunstatus des Körpers bei der Entwicklung einer Allergie eine Rolle spielt. In manchen Fällen können die körperlichen Veränderungen jedoch auch dazu führen, dass die allergischen Beschwerden milder werden oder gar verschwinden.

Allergien in der Schwangerschaft: Heuschnupfen

Zwei von zehn schwangeren Frauen leiden unter Heuschnupfen – und das meist schon vor der Schwangerschaft. Laut der Deutschen Apotheken Zeitung können allergische Beschwerden bei Schwangeren jedoch deutlich zunehmen. Die Verschlechterung der Symptome kann unter anderem damit zusammenhängen, dass sich der Östrogenspiegel in der Schwangerschaft erhöht. So lässt der hormonell bedingte Schnupfen auch bei Frauen ohne Heuschnupfen die Nase schneller verstopfen (Schwangerschaftsbedingte Rhinitis).

Welche Wirkstoffe sind auch für Schwangere bedenkenlos? Viele Schwangere fragen sich in dieser Zeit, was sie bei der Einnahme von Medikamenten beachten müssen. Bei der Auswahl an Medikamenten sind Beipackzettel und Online-Foren meist keine große Hilfe. Um auf Nummer sicherzugehen, sollten schwangere Frauen sich daher bei der Selbstmedikation zurückhalten und die Behandlung unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Allergien in der Schwangerschaft: Allergisches Asthma

Asthma bronchiale gehört zu den häufigsten chronischen Allergien in der Schwangerschaft. Bei milden bis mittelschweren Formen können die hormonellen Veränderungen während der Schwangerschaft dazu führen, dass sich die Beschwerden mit der Zeit verbessern oder sogar ganz verschwinden. Es ist jedoch auch möglich, dass sich die Symptome bei schwerem Asthma weiter verschlechtern. Schätzungen zu Folge hat rund eine von fünf Schwangeren einen akuten asthmatischen Anfall. Treten die Beschwerden plötzlich und unkontrolliert ein, kann das schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben. So ist akute Atemnot nicht nur für die Mutter lebensgefährlich, sondern kann bei einem ungeborenen Kind zu Sauerstoffunterversorgung und Wachstumsstörungen führen. Dieses Risiko lässt sich jedoch mit den richtigen Medikamenten deutlich verringern. Vor allem bei schweren Formen des Asthmas müssen Ärzte und Patientinnen daher gemeinsam die Vor- und Nachteile einer medikamentösen Behandlung abwägen.

Allergien in der Schwangerschaft: Neurodermitis

Hormonelle Umstellungen während der Schwangerschaft können dafür sorgen, dass sich die Beschaffenheit von Haut, Haare und Nägel in dieser Zeit verändert. So kann es zu einer verstärkten Pigmentierung der Haut, Pickeln und sichtbar vergrößerten Blutgefäßen kommen. Auch verschiedene Hauterkrankungen wie beispielsweise die sogenannte Schwangerschaftsdermatose können zum ersten Mal auftreten oder sich verschlechtern.

Ist bereits eine Neurodermitis bekannt, kann die Schwangerschaft sowohl zu einer Verbesserung als auch einer Verschlimmerung der Symptome führen. Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist eine Hauterkrankung, bei der Betroffene unter stark juckendem Hautausschlag (atopisches Ekzem) leiden. Die Krankheit macht sich meist schon früh bemerkbar, häufig leiden schon Kinder unter den Beschwerden. Bei den meisten Frauen verbessern sich die Symptome während der Schwangerschaft. Nur bei schweren Formen kann es auch bei werdenden Müttern zu starken Krankheitsschüben kommen.

Allergien in der Schwangerschaft: Nesselsucht

Die sogenannte Nesselsucht, in der Fachsprache auch Urtikaria genannt, gehört zu den allergischen Hauterkrankungen, die auch während der Schwangerschaft plötzlich auftreten können. Typische Beschwerden sind Quaddeln, Hautausschlag und Schwellungen der Haut (Angioödeme), die häufig im Gesicht oder an den Händen auftreten. Ausgelöst wird die Allergie durch äußere Faktoren wie Licht, Druck, Kälte oder Wärme. Obwohl sich die chronische Form der Allergie meist während der Schwangerschaft verbessert, kann es in einigen Fällen auch zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes kommen.

Schwangerschaft: Diagnose und Allergietests

Die Allergie-Diagnose ist bei schwangeren Frauen nicht immer einfach. Tritt eine Allergie während der Schwangerschaft zum ersten Mal auf, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Bei einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese) kann der Hausarzt oder Allergologe die Beschwerden einordnen und mögliche Auslöser eingrenzen. Für eine genaue Diagnose stehen verschiedene Allergietests zur Verfügung. Jedoch sollte auf Haut- und Pricktests während der Schwangerschaft verzichtet werden. Bei einem Hauttest wird das Allergen in Form einer Lösung auf die Innenseite des Unterarms aufgetragen. Da bei dem direkten Kontakt mit dem Allergieauslöser in seltenen Fällen starke allergische Beschwerden auftreten können, kommt dieses Verfahren bei Schwangeren nicht infrage. Besser geeignet ist ein Bluttest.

Allergien in der Schwangerschaft: Behandlung - Diese Medikamente sind erlaubt

Auch die Behandlung allergischer Symptome ist bei werdenden Müttern etwas schwieriger. Denn einige Medikamente dürfen in der Schwangerschaft nicht mehr eingenommen werden, da sie dem ungeborenen Kind schaden könnten. Viele Frauen sind daher verunsichert, welche Allergiemedikamente sie in der Schwangerschaft noch verwenden dürfen und welche nicht. Generell gilt: Um die allergischen Beschwerden gering zu halten, hilft es meist schon den allergieauslösenden Substanzen aus dem Weg zu gehen. Ist das nicht möglich, wie beispielsweise bei einer Pollenallergie, raten Ärzte schwangeren Patientinnen, Allergiemedikamente nur sparsam einzusetzen. Denn nicht alle Wirkstoffe, die der Mutter gut tun, sind auch für das ungeborene Kind unbedenklich. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel müssen einige Präparate unbedingt vermieden werden.

Trotz der Umstände stehen werdenden Müttern verschiedene Medikamente zur Verfügung. Beispielsweise gelten mineralsalzhaltige Nasensprays und Nasenduschen in der Regel als unbedenklich. Welche Wirkstoffe infrage kommen, hängt dabei von der Schwere der Allergie ab und sollten nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Informationen zu Medikamenten in der Schwangerschaft gibt es in der Online-Datenbank der Berliner Charité Embryotox und beim Allergieinformationsdienst des Münchner Helmholtz-Zentrums.

Allergie und Schwangerschaft: Hyposensibilisierung

Eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie oder Desensibilisierung genannt, bekämpft die Ursachen der Allergie. Wer bereits mitten in der Behandlung steckt und die Therapie gut verträgt, kann sie normalerweise auch während der Schwangerschaft, jedoch ohne Dosissteigerung, fortführen. Allerdings sollten Sie den behandelnden Arzt frühzeitig von Ihrer Schwangerschaft informieren. Auch eine Unterbrechung der Behandlung ist möglich. Allerdings raten Allergologen davon ab, während der Schwangerschaft mit einer Hyposensibilisierung zu beginnen. Grund dafür ist, dass es in seltenen Fällen zu starken allergischen Reaktionen kommen kann. Verschieben Sie die Therapie lieber auf die Zeit nach der Schwangerschaft.

Allergie und Schwangerschaft: Wie lässt sich das Allergierisiko minimieren?

Warum manche Kinder eine Allergie entwickeln und andere nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Kinder, deren Eltern bereits unter allergischen Erkrankungen leiden, haben ein höheres Risiko ebenfalls eine Allergie zu entwickeln. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit jedoch, wenn beide Elternteile Allergiker sind. Laut der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) beeinflussen neben Umweltfaktoren wie Tabakrauch, Luftschadstoffen und Schimmel, auch psychische Faktoren und die Ernährung das individuelle Allergierisiko. So kann sich psychischer Stress wie Druck auf der Arbeit oder Streitereien in der Familie negativ auf den Körper auswirken.

Neben der genetischen Vorbelastung und Umwelteinflüssen beeinflusst die Ernährung in den ersten Monaten nach der Geburt maßgeblich die Entstehung allergischer Erkrankungen. So haben Säuglinge, die mindestens vier Monate gestillt wurden, ein deutlich niedrigeres Risiko später einer Allergie zu entwickeln. Während Ärzte noch vor einiger Zeit schwangeren Frauen dazu rieten, auf bestimmte Nahrungsmittel in der Schwangerschaft zur Prävention von Nahrungsmittelallergien zu verzichten, gehen Ernährungswissenschaftler mittlerweile davon aus, dass eine strikte Diät, bei der spezielle Produkte weggelassen werden, in der Schwangerschaft nicht sinnvoll ist. Laut der Leitlinie der Deutschen Allergologen (PDF) sollen Frauen in dieser Zeit auf eine ausgewogene Ernährung achten und keinesfalls Nahrungsmittel ohne medizinische Notwendigkeit vom Speiseplan streichen.  

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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