Ein Vater spielt mit seinem Kind (Symbolbild).
+
Weichmacher stecken in Kleidung, Kosmetikartikel und Spielzeug - dadurch sind besonders Kleinkinder den bedenklichen Stoffen ausgesetzt (Symbolbild).

Allergien, Übergewicht und Unfruchtbarkeit

Gefährliche Weichmacher in Plastik: Darum sind Kleinkinder besonders gefährdet

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
    schließen

Tagtäglich kommt der menschliche Organismus über die Umwelt oder Nahrungsmittel mit Weichmachern in Berührung. Langfristig können die sogenannten Phthalate zu Allergien, Neurodermitis und Unfruchtbarkeit führen. Das ist vor allem für Schwangere und Kleinkinder gefährlich.

Dessau-Roßlau – Egal ob als Verpackung von Lebensmitteln, in Kleidungsstücken wie Turnschuhen und Gummistiefeln oder in Kosmetikprodukten wie Nagellack und Sonnencreme – Der Alleskönner Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Besonders die darin enthaltenen Weichmacher, auch Phthalate genannt, können jedoch bei übermäßigem Kontakt zu gesundheitlichen Schäden führen. Das ist vor allem für Kleinkinder gefährlich.

Gefährliche Weichmacher in Plastik: Unverzichtbar in vielen Produkten

Kaum ein Alltagsprodukt kommt heutzutage ohne Plastik aus. Phthalate werden als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt – nur durch sie bleiben beispielsweise Verpackungen elastisch und biegsam. Laut dem Umweltbundesamt produziert die chemische Industrie in Westeuropa jährlich rund eine Million Tonnen Phthalate. Darunter Produkte wie:

  • Kleidungsstücke
  • Kosmetikprodukte
  • Lebensmittelverpackungen
  • Bausubstanzen wie Bodenbeläge

Gefährliche Weichmacher in Plastik: Darum sind Phthalate gesundheitsschädlich

Aufgrund ihrer breiten Verwendung sind Phthalate in der Umwelt allgegenwärtig. Denn Weichmacher sind nicht fest im Kunststoff gebunden. Mit der Zeit dünsten Produkte mit Phthalate den Stoff aus. Nach und nach können die Weichmacher sich so in der Raumluft und im Hausstaub anreichern. Doch nicht nur das: Weichmacher sind zudem fettlöslich. Kommen sie mit fettigen oder öligen Nahrungsmitteln in Kontakt, egal ob bei der Herstellung oder über die Verpackung, können Weichmacher in die Lebensmittel übergehen. Das ist aus gesundheitlicher Sicht besonders kritisch. (Festes Shampoo und Duschgel: Plastikfreie Alternative für empfindliche Haut)

Gefährliche Weichmacher in Plastik: Kinder besonders belastet

Vor allem Kinder sind den Weichmachern in großen Mengen ausgesetzt. Das liegt vor allem an ihrem geringen Körpergewicht. So ist der kindliche Körper etwa zwei bis fünf Mal stärker belastet als der Organismus eines Erwachsenen. Schon geringe Mengen der Weichmacher können den Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Denn Phthalate haben eine hormonelle Wirkung auf den Organismus – langfristig kann sich das die sexuelle Reifung von Heranwachsenden beeinflussen. Doch auch Erkrankungen wie Krebs, Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden immer häufiger in Zusammenhang mit Phthalaten gebracht.

Weichmacher wirken zudem auf Ebene des Immunsystems. Das haben Forscher des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in einer Langzeitstudie herausgefunden. Dazu untersuchten die Wissenschaftler die Phthalat-Belastung während der Schwangerschaft und später bei den Kindern. Die Ergebnisse zeigen: Babys, die einer höheren Belastung ausgesetzt waren, erkranken häufiger an allergischen Erkrankungen und Neurodermitis. (Allergie in der Schwangerschaft: Ist eine Hyposensibilisierung bei schwangeren Frauen sinnvoll?)

Gefährliche Weichmacher in Plastik: Viele Stoffe bereits verboten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb vor den Substanzen und auch die EU hat einige der Stoffe bereits als riskant eingestuft und verboten. Produkte für Kleinkinder und Kinderspielzeug dürfen deshalb seit 2005 keine Weichmacher enthalten. Für die verschiedenen Phthalate gibt es zudem unterschiedliche Grenzwerte, die die Gesundheit von Verbrauchern schützen sollen. Doch vor allem Weichmacher, über deren Wirkung man weniger weiß, sind auch weiterhin noch im Einsatz oder kommen in älteren und importierten Plastik-Produkten vor. (Bastelkleber im Öko-Test: Einige Kleber enthalten Konservierungsmittel, die Allergien auslösen können)

Wer die Belastung mit Weichmachern reduzieren möchte, sollte sich laut Empfehlungen des Umweltbundesamts abwechslungsreich ernähren, Speisen frisch zubereiten, wenig Fertigprodukte zu sich nehmen und Produktmarken öfter wechseln. Eltern sollten zudem darauf achten, dass Kleinkinder nur Sachen in den Mund stecken, die auch tatsächlich dafür hergestellt wurden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare