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Empathie lernen: Psychologin gibt Eltern vier Alltagstipps für Mitgefühl

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Sich in andere Menschen hineinversetzen und Gefühle nachvollziehen können, diese Fähigkeit ist angeboren. Kinder müssen Empathie erst lernen. Doch wie?

Den meisten von uns ist es wahrscheinlich wichtig, dass wir uns verstanden und respektiert fühlen. Dazu zählt auch, dass unsere Mitmenschen unsere Bedürfnisse und Gefühle erkennen und ernst nehmen. Ähnlich wird es auch den Personen um uns herum gehen, auch sie wünschen sich Mitgefühl. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, nennt sich Empathie. Ein Wort, das heutzutage im sozialen Kontext nahezu als Trend zu erkennen ist, insbesondere in der Berufswelt. Soziale Kompetenzen mit Empathievermögen sind bei Arbeitgebern bzw. Arbeitnehmern immer mehr gefragt.

Tatsache ist: Empathie ist grundsätzlich angeboren, doch gerade bei Kindern muss sie sich entwickeln und gefördert werden. Menschen in Dänemark setzen in der Erziehung sehr auf die Förderung von Empathie, mit ihrer speziellen GLÜCK-Formel. Je besser die Eltern dabei als gutes Vorbild dienen, desto eher lernt das eigene Kind, auf seine Umwelt einzugehen, Rücksicht zu nehmen und Mitgefühl zu entwickeln. Einfache Alltagstipps zur Förderung von Empathie können da helfen!

Empathie lernen: Eltern sind laut Wissenschaftler wichtiges Vorbild für ihre Kinder

Kind umarmt ihre Mutter im Stehen.
Um Mitgefühl und Empathie zu lernen, brauchen Kinder Erwachsene, die ihnen das soziale Verhalten vorleben. (Symbolbild) © Irina Heß/Imago

„Eltern, die ihren Kindern Aufmerksamkeit schenken, die mit ihnen sprechen, die ihnen zuhören, die ihnen vorlesen, die machen vieles richtig – und können so die Entwicklung des Kindes positiv beeinflussen. Das ist gerade in den ersten Lebensjahren wichtig: Die Persönlichkeit, der Sinn für Moral und Gerechtigkeit oder die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, werden in dieser Phase geprägt“, so der Wissenschaftsautor Dr. Ranga Yogeshwar.

In der Wissensendung Quarks bezieht sich der Journalist Yogeshwar dabei auf eine Untersuchung mit Kindern von Wissenschaftlern aus Heidelberg und Leipzig, die aufzeigt, wie schon kleinste Kinder diese Fähigkeit der Empathie entwickeln. Entwicklungspsychologin der Universität Heidelberg Prof. Sabina Pauen und Entwicklungspsychologe Prof. Daniel Haun der Universität Leipzig konnten dabei belegen, dass Kinder schon sehr früh lernen, sich in andere hineinzuversetzen, bereits als Babys mit ca. zehn Monaten.

„Kinder lernen nicht nur, wenn wir versuchen, ihnen etwas beizubringen. Kinder lernen es aus ihrer sozialen Umgebung im Grunde ständig – weil Kinder vor der Aufgabe stehen, sich in das soziale Gefüge einzufinden, sich in die Kultur, in der sie aufwachsen, einzufinden, die Verhaltensweisen und sozialen Regeln zu lernen. Das gibt uns Erwachsenen und Eltern auch eine gewisse Vorbildfunktion und damit auch eine Verantwortung“, fasst Prof. Haun die Erkenntnisse aus der Untersuchung zusammen.

Empathie lernen: Psychologin erklärt, was Eltern beachten müssen

Sich in andere Menschen hineinversetzen – mit jedem Jahr lernen dies Kinder etwas besser, auch und gerade durch Beobachtung von Erwachsenen. Das beinhaltet auch die Fähigkeit, sich bei anderen zu entschuldigen – Eltern sollten ihr Kind nicht zu früh dazu „zwingen“, auch das kann gelernt werden. Stattdessen ist es besser, wenn sie ihrem Nachwuchs Mitgefühl vorleben, indem sie dem eigenen Kind gegenüber empathisch und weniger narzisstisch handeln.

Laut der Psychotherapeutin Ulrike Schneider-Schmid können Eltern dem eigenen Kind dabei helfen, Empathie zu lernen. Im Gespräch mit dem Portal Familie geht sie auf vier wesentliche Tipps ein:

1. Positive Vorbildfunktion der Eltern

Wichtig dabei sollte grundsätzlich sein, einen warmherzigen, liebevollen und respektvollen Umgang miteinander zu pflegen. Kinder orientieren sich an dem Verhalten der Erwachsenen und ahmen es nach. Wenn in der Familie gestritten wird, ruhig vor dem Kind auch vertragen – so lernt es schon früh, wie Konflikte gelöst werden können. Empathie vorleben und vormachen ist besser als es groß zu erklären. Das Kind erkennt dann am besten, was empathisches Verhalten ist und was es selbst tun kann, wenn jemand in seiner Umgebung traurig oder verletzt ist.

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2. Induktiver Erziehungsstil

Eine induktive Erziehung steht für Maßnahmen, mit denen Eltern ihre Kinder auf Fehlverhalten und die damit verbunden Auswirkungen auf andere Menschen hinweisen. Wenn Eltern ihrem Kind immer wieder verdeutlichen, dass das eigene Verhalten Folgen hat, wird es ihm helfen, sich auch in andere hineinzuversetzen. Diese Form der Erziehung zeigt nach aktueller Erkenntnis weit mehr Wirkung als Strafen und Schimpfen. Und sie trägt auch stärker dazu bei, dass Werte wie Rücksichtnahme, Mitgefühl oder auch Höflichkeit – Danke und Bitte sagen – von Kindern verinnerlicht werden.

3. Anerkennung und Lob

Eltern können die Empathiefähigkeit ihres Kindes fördern, indem sie das Verhalten der Kleinen registrieren und kommentieren – sobald der Nachwuchs Mitgefühl in Situationen zeigt – beispielsweise durch eine Mimik, Geste oder ein kleines Lob.

4. Mitgefühl anhand von Büchern und Geschichten lernen

Empathie lernt ein Kind wunderbar durch Figuren in Büchern und Geschichten. Kinder können beim (Vor-)Lesen viele Erfahrungen nachleben, die sie selbst noch nicht machen konnten, diese verinnerlichen und dann selbst in der Praxis anwenden.

Die Psychotherapeutin Ulrike Schneider-Schmid betont daher, wie wichtig gemeinsames Vorlesen ist. „Empathie ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener emotionaler, sprachlicher und gedanklicher Komponenten, die einiges an Reifung erfordert. Seid nachsichtig mit eurem Kleinkind, wenn es euch das nächste Mal fröhlich kreischend und mit klebrigen Fingern an den Haaren reißt. Oh ja, es schmerzt, aber es kann dies einfach noch nicht wissen. Sein Gehirn steht gerade erst am Anfang eines langen, langen Lernprozesses“, so Schneider-Schmid gegenüber Familie.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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