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Erziehung: Eltern sollten Kinder niemals zwingen, sich zu entschuldigen – laut Experten 

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Von: Judith Braun

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Wenn Kinder zu einer Entschuldigung aufgefordert werden, entwickeln sie meist keine Reue. Sie sollten vielmehr verstehen, wie sich andere Menschen fühlen.

Macht ein Kind einen Fehler oder verhält es sich falsch, wird ihm oftmals schon früh von den Eltern beigebracht, sich zu entschuldigen. Schließlich gehört dies in den Augen vieler Eltern zur Sozialisation des Nachwuchses dazu. Forscher der University of Michigan haben nun allerdings herausgefunden, dass eine unfreiwillige Entschuldigung, die von den Kindern nicht aus eigenem Antrieb erfolgt, zu negativen Folgen führen kann. Demnach lernen die Kleinen dadurch nicht, das Gefühl von echter Reue zu entwickeln.

Erziehung: Eltern sollten Kinder niemals zwingen, sich zu entschuldigen – laut Experten

Zwei Kinder streiten und ein Vater greift ein
Ein aufrichtiges „Es tut mir leid“ von Kindern ist effektiver als eine von Erwachsenen erzwungene Entschuldigung. Die kann laut einer Studie sogar nach hinten losgehen. © Monkeybusiness Images/IMAGO

Für die im Fachmagazin Merrill-Palmer Quarterly erschienene Studie untersuchte das Team um Studienleiter und Professor Craig Smith vom Center for Human Growth and Development verschiedene Arten von Entschuldigungsszenarien bei Kindern im Alter von vier bis neun Jahren. Dabei handelte es sich um folgende drei Situationen:

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass Kinder freiwillige Entschuldigungen gleich bewerten. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie von Erwachsenen dazu aufgefordert wurden oder nicht. Im Gegensatz dazu wirkten die von Erwachsenen erzwungenen Entschuldigungen auf die Kinder weniger effektiv.

Das stellte sich vor allem bei den sieben- bis neunjährigen Teilnehmern heraus. Alle Kinder bemerkten, dass sich die „Täter“ nach der erzwungenen Entschuldigung schlechter fühlten als zuvor. Dabei hatten die Sieben- bis Neunjährigen den Eindruck, dass der Grund für das schlechte Gefühl eher im Eigeninteresse lag. Anstatt Reue zu verspüren, hatten sie womöglich Sorge vor einer Bestrafung.

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Empathie lernen Kinder nicht durch erzwungene Entschuldigungen

Ein erzwungenes „Es tut mir leid“ wirkt sich laut der Studie auch negativ auf das Gefühl gegenüber dem Empfänger der Entschuldigung aus. Alle Teilnehmer der Studie hatten den Eindruck, dass sich das Opfer nach einer bereitwilligen Entschuldigung zwar besser fühlte. Allerdings sahen die Kinder den Empfänger einer erzwungenen Entschuldigung als weniger sympathisch an als den Empfänger einer freiwilligen Entschuldigung.

Wenn Eltern ihr Kind dazu zwingen, sich zu entschuldigen, wird das nach hinten losgehen, erklärt Smith. „Zum einen sehen andere Kinder ihr Kind dann nicht als sympathisch an. Durch die Aufforderung zur Entschuldigung geht das eigentliche Ziel – nämlich echte Reue zeigen – verloren.“ Sinnvoller ist es stattdessen, eine aufrichtige Entschuldigung abzuwarten. Damit sich Kinder aus freiwilligen Stücken und ernsthaft entschuldigen, ist es wichtig, dass sie über die Gefühle der Opfer Bescheid wissen.

Entschuldigung: Eltern sollen Kindern erklären, wie sich andere Person fühlt

„Stellen Sie sicher, dass das Kind versteht, warum sich die andere Person schlecht fühlt, und stellen Sie sicher, dass das Kind wirklich bereit ist, sich zu entschuldigen“, rät der Professor für Psychologie. „Dann lassen Sie es sich entschuldigen.“ Neben einer Entschuldigung gibt es jedoch auch noch andere Möglichkeiten, um einen Fehler wiedergutzumachen. Laut Smith gibt es Belege in der Forschung dafür, dass sogar Vorschulkinder es schätzen, wenn jemand sich durch Taten entschuldigt. „Das ist manchmal wirkungsvoller als Worte.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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