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Erziehung: Gewalt von Eltern und Schülern gegen Lehrer nimmt zu

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Von: Judith Braun

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Wenn ein Kind Probleme in der Schule hat, wenden Eltern immer häufiger Gewalt gegen Lehrer an. Sie äußert sich in verbalen und körperlichen Angriffen.

München – Eltern wollen in den meisten Fällen für ihre Kinder nur das Beste. Manchmal greifen sie mit dieser Einstellung jedoch zu Mitteln, mit denen sie ihren Kindern nachweislich schaden. Sogenannte U-Boot-Eltern zeigen ein solches Verhalten beispielsweise, wenn es um die schulischen Belange ihrer Kinder geht. Während sie weder bei Elternsprechtagen erscheinen, noch das Gespräch oder den Kontakt zu Lehrkräften suchen, tauchen U-Boot-Eltern erst dann auf, wenn ihr Kind ernste Probleme in der Schule hat. Dann können sie auch mal schwere Geschütze auffahren und mit einem Anwalt drohen oder Widerspruch gegen eine Nichtversetzung einlegen. Immer häufiger kommt es jedoch auch vor, dass Eltern gegenüber den Lehrkräften gewalttätig werden.

Erziehung: Gewalt von Eltern an Lehrer nimmt zu

Lehrer sehen sich immer häufiger psychischer und körperlicher Gewalt vonseiten der Schüler und Eltern ausgesetzt.
Lehrer sehen sich immer häufiger psychischer und körperlicher Gewalt vonseiten der Schüler und Eltern ausgesetzt. (Symbolbild) © imagebroker/IMAGO

So können Eltern zum Beispiel verbal sehr ausfällig werden, wenn sie mit der Schulnote nicht zufrieden sind, erklärt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann gegenüber dem Präventionsportal „Polizei, dein Partner“ von der Gewerkschaft der Polizei. „Ich kenne einen Fall, bei dem eine Lehrerin von einem Vater mit dem Ellbogen gegen eine Wand gedrückt wurde, weil ihm die Note seiner Tochter nicht passte.“ Laut einer repräsentativen Umfrage von Schulleitern im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) hat sowohl die verbale als auch die körperliche Gewalt gegen Lehrerinnen und Lehrer zwischen 2018 und 2020 deutlich zugenommen.

Demnach berichteten 45 Prozent der befragten Schulleiter im Jahr 2018, dass es in den letzten fünf Jahren an ihrer Schule Fälle gab, in denen Lehrer beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Im Jahr 2020 gaben rund 60 Prozent der Schulleiter an, dass es in den letzten fünf Jahren zu psychischer Gewalt gegen Lehrer kam. Auch die körperliche Gewalt gegen Lehrer nahm offensichtlich zu. Während 2018 rund 16 Prozent der Schulleiter angaben, dass es zu körperlichen Angriffen auf Lehrer kam, waren es im Jahr 2020 schon 23 Prozent der Schulleitungen, die von derartigen Fällen berichteten.

Laut der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zeigte sich verbale Gewalt gegen Lehrer in Thüringen, indem sie mit KZ-Mitarbeitern verglichen wurden, als sie während der Corona-Pandemie die Maßnahmen in der Schule durchsetzten. Eine Schulleitung berichtete davon, dass sie sich anhören musste, sie würde ihre Schule mit Nazi-Methoden leiten. Eine weitere Schulleitung wurde wiederum von fremden Menschen bedroht und beleidigt, als ein Vater auf dem Messengerdienst Telegram eine Hetzkampagne gegen sie startete. Bei derartigem Cybermobbing werden Lügen und Behauptungen über das Opfer verbreitet, wobei die Betroffenen oft erst sehr spät davon erfahren. Außerdem gibt es Berichte über Beleidigungen, Bedrohungen und Schläge. Andere Lehrer wiederum erzählen, sie seien bespuckt oder in den Bauch getreten worden. Dabei nimmt die Gewalt gegen Lehrer nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes gerade an Brennpunktschulen zu.

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Gewalt gegen Lehrer wegen Wertewandel, Unsicherheit, Zukunftsängsten

Oftmals stammen Eltern und Kinder von Brennpunktschulen aus prekären Verhältnissen, wo es häufiger zu Gewalt kommt. Diesen Eltern fehlt meist auch der Respekt vor Autoritäten. Werte wie Disziplin und Hierarchien, Höflichkeit und Selbstbeherrschung verlieren laut Dieter Frey, Leiter des Center for Leadership and People Management an der Universität München, außerdem an Bedeutung. Dazu kommen vor allem in der Mittelschicht Zukunftsängste, Unsicherheit und Sorge vor dem sozialen Abstieg ihrer Kinder, da der Aufstieg in eine höhere Schicht heutzutage schwerer ist als noch vor 20 Jahren. Dies könnte ein wichtiger Grund dafür sein, dass sogenannte Rasenmäher-Eltern nicht nur die Hausaufgaben für ihre Kinder erledigen, sondern auch gegen Lehrer vorgehen, die der Schulkarriere ihrer Kinder vermeintlich im Wege stehen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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