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Familientherapeutin warnt: Rasenmäher-Eltern erziehen „unselbstständige Tyrannen“

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Von: Judith Braun

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Rasenmäher-Eltern sind die Steigerung von Helikopter-Eltern: Sie greifen aktiv ins Geschehen ein und schaden so der Entwicklung ihrer Kinder.

Die einen räumen ihren Kindern jegliche Hindernisse aus dem Weg, die anderen kümmern sich kaum um ihre Belange: Elterntypen gibt es zu hauf. Besonders die sogenannten Helikopter-Eltern sind Erziehungsexperten ein Dorn im Auge. Durch ihre übertriebene Fürsorge können sie ihren Kindern mehr schaden als ihnen lieb ist. Dabei geht es sogar noch schlimmer.

Denn die Steigerung der Helikopter-Eltern nennt sich Rasenmäher-Eltern. Während die einen wie Hubschrauber immerzu um ihren Nachwuchs kreisen, mähen die anderen Eltern sozusagen vermeintliche Unannehmlichkeiten, an denen die Kinder wachsen könnten, aus dem Weg. Sie greifen damit stärker ein, als es die klassischen Helikopter-Eltern tun. Doch der Erziehungsstil hat erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder, warnt Familientherapeutin Anette Frankenberger.

Rasenmäher-Eltern erziehen „unselbständige Tyrannen“, schimpft Expertin

Frustrationstoleranz aneignen, um gut durch das Leben zu kommen. Rasenmäher-Eltern verhindern dies meist durch ihren Erziehungsstil.
Kinder müssen sich eine gewisse Frustrationstoleranz aneignen, um gut durch das Leben zu kommen. Rasenmäher-Eltern verhindern dies meist durch ihren Erziehungsstil. (Symbolbild) © Thomas Trutschel/IMAGO

Laut Frankenberger wedeln Rasenmäher-Eltern im übertragenen Sinn ihren Kindern „zuweilen hektisch“ den Weg frei, „damit ihr kleiner Schützling schnell und reibungslos ans Ziel kommt“. Charakteristisch für diese Art von Eltern ist, dass sie ihren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg räumen möchten und dadurdch möglichst jeden Frust ersparen wollen.

„Doch sie tun ihren Kindern keinen Gefallen“, so die Familientherapeutin. Meist haben sie die Überzeugung, dass klare Regeln und Grenzen für ihre Kleinen frustrierend sei und wollen damit erreichen, dass ihre Kinder glücklich und ausgeglichen sind. Doch das Gegenteil ist der Fall.

„In Wahrheit erziehen sie unselbstständige kleine Tyrannen. Zu Hause sind sie Tyrannen, woanders sind sie ängstlich, weil es ihnen an Selbstbewusstsein fehlt“, weiß Frankenberger. Indem sie ihrem Kind immer wieder in Situationen, in denen es unnötig ist, unter die Arme greifen, vermitteln Rasenmäher-Eltern ihm das Gefühl, dass es nichts alleine schafft. Oftmals erledigen Rasenmäher-Eltern sogar die Hausaufgaben ihres Nachwuchses.

Doch laut der Expertin kann dieses Verhalten fatale Folgen für das Selbstwertgefühl und die Selbstachtung haben. „Man erreicht damit junge Erwachsene, die immer durchgeschleppt wurden und nichts selber können. Irgendwann sind sie aber der rauen Wirklichkeit ausgesetzt.“

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Rasenmäher-Eltern sollen Kindern ruhig mehr zutrauen, rät Expertin

Oftmals fällt es Helikopter- oder Rasenmäher-Eltern schwer, ihre Kinder loszulassen. Ihr Erziehungsstil kann Konsequenzen bis ins Erwachsenenalter haben und den Auszug der Kinder beispielsweise erschweren. Allerdings benötigen Kinder eine gewisse Frustrationstoleranz, damit sie in der Welt nicht verloren sind, so Frankenberger. Damit sie sich diese aneignen können, sollen Eltern ihren Kindern ruhig mehr zutrauen und gleichzeitig ihnen auch mehr zumuten.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text ist bereits in der Vergangenheit erschienen. Er hat viele Leserinnen und Leser besonders interessiert. Deshalb bieten wir ihn erneut an.

„Ich nehme es dir nicht ab, du schaffst das! Aber ich begleite dich dabei“, so könnte die Haltung der Eltern gegenüber ihren Schützlingen beispielsweise lauten. Kinder brauchen schließlich Erfolgserlebnisse. Die seien von großem Wert, weiß die Therapeutin. Für Eltern ist es immer ein Balanceakt. Denn zu wenig Interesse vonseiten der Eltern, wie es zum Beispiel bei U-Boot-Eltern vorkommt, schadet den Kindern genauso.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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