Ein Vater schaukelt gemeinsam mit seinem Kind im Sonnenschein (Symbolbild).
+
Die Ursachen einer Allergie lassen sich nur schwer behandeln, umso wichtiger ist es, die Entstehung einer allergischen Erkrankung vorzubeugen (Symbolbild).

Kinder und Jugendliche

Allergien vorbeugen bei Kindern: Tipps für Schwangere und Eltern

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
    schließen

Viele Kinder reagieren auf Nahrungsmittel, Pollen oder Hausstaub allergisch. Was Sie tun können, um eine Allergie bei Ihrem Kind vorzubeugen.

  • Immer mehr Kinder und Jugendliche sind von einer Allergie betroffen.
  • Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis sind dabei weit verbreitet.
  • Verschiedene Faktoren beeinflussen die Entstehung einer Allergie – erfahren Sie hier, wie sich diese vorbeugen lassen.

Mönchengladbach – Juckreiz, ständiges Niesen und Hautausschlag – Wer unter einer Allergie leidet, kennt die leidigen Symptome. Nicht nur viele Erwachsene, sondern auch Kinder sind häufig betroffen. So gehören Allergien und Unverträglichkeiten bei Kindern und Jugendlichen zu den am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen. Bereits Säuglinge und Kleinkinder erkranken an Heuschnupfen, Asthma und Neurodermitis. Aber auch verschiedene Nahrungsmittel wie Hühnereier, Milchprodukte und Nüsse können zu einer allergischen Reaktion führen. Ob ein Kind im Laufe seines Lebens eine Allergie entwickelt, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. 

Allergien bei Kinder: So können Sie Allergien vorbeugen

Warum genau manche Kinder an einer Allergie leiden und andere nicht, können Experten bis heute nicht genau erklären. Fest steht: Verschiedene Faktoren beeinflussen die Anfälligkeit des Körpers für Allergene wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaare. Begünstigt werden allergische Erkrankungen durch die genetische Veranlagung, Wohnort und Ernährung. Aber auch Umweltschadstoffe, belastete Wohnräume und Tabakrauch können das Immunsystem langfristig schädigen.

Ausgelöst wird eine Allergie durch eine Überreaktion des Immunsystems. Dabei sieht der Körper eigentlich harmlose Stoffe in Lebensmitteln oder der Umwelt als gefährlich an. Das Abwehrsystem setzt als Reaktion auf die Eindringlinge den Botenstoff Histamin frei, welches wiederum die typischen allergischen Symptome auslöst. Bei Kindern ist das Immunsystem noch nicht komplett ausgebildet und auch die Haut ist noch durchlässiger als bei Erwachsenen. Sie sind daher besonders gefährdet eine allergische Erkrankung zu entwickeln. 

Allergien vorbeugen bei Kindern: Auch die Gene spielen eine Rolle

Obwohl allergische Erkrankungen nicht direkt vererbbar sind, spielen die Gene eine entscheidende Rolle. Denn wer selbst unter einer Allergie leidet, gibt diese Veranlagung an seine Kinder weiter. Ist nur ein Elternteil betroffen, besteht eine Wahrscheinlichkeit von 20 bis 40 Prozent, dass der Nachwuchs ebenfalls eine ähnliche Überempfindlichkeit entwickelt. Nur Kinder, bei denen beide Eltern allergische Symptome aufweisen, leiden noch häufiger an einer Allergie – bei ihnen besteht eine 50 bis 80 prozentige Chance, dass sie im Laufe ihrer Kindheit an einer Allergie erkranken.

Viele Eltern sorgen sich, dass Impfungen möglicherweise zur Entstehung einer Allergie beitragen könnten. Laut der Leitlinie für Allergieprävention hat Impfen jedoch keinen Einfluss auf das Allergierisiko. Die Experten empfehlen Kinder daher nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) impfen zu lassen. 

Allergie-Prävention: Hohe Hygiene-Standards könnten einen Einfluss haben 

Neben der genetischen Veranlagung, gehen Experten davon aus, dass auch die hohen Hygiene-Standards in unserer Gesellschaft einen Einfluss auf den kindlichen Körper haben. Obwohl eine frühzeitige Stimulation des Immunsystems als Schutz vor allergischen Erkrankungen gilt, werden Keime, Bakterien und Viren penibel beim Putzen, Waschen und Desinfizieren vernichtet. Doch damit geht auch die Chance auf eine ausreichende natürliche Sensibilisierung des Körpers gegen mögliche Allergene verloren. Die Folge ist, dass das kindliche Immunsystem weniger trainiert wird.

Allergien vorbeugen bei Kindern: Vielfalt und Stillen gelten als bester Schutz

Experten sind sich einig: Stillen ist der beste Weg eine allergische Erkrankung vorzubeugen. Kinder, die als Säuglinge gestillt wurden, leiden in der Regel seltener an einer Allergie, Asthma oder Neurodermitis. Auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB), dessen Vorstandsvorsitzende Elke Heuvens ist, empfiehlt: Kinder sollten mindestens vier Monate ausschließlich gestillt werden. Erst danach ist eine Fütterung von Babynahrung sinnvoll. Grund dafür ist, dass in der Muttermilch nicht nur wertvolle Nährstoffe enthalten sind, sondern diese auch wichtige Antikörper zur Abwehr von Infektionen liefert. Ist Stillen nicht möglich, sollen Kinder mit Allergierisiko eine spezielle Säuglingsnahrung erhalten. Das ist vor allem ratsam, wenn bei einem Elternteil bereits eine Allergie bekannt ist.

Bis vor ein paar Jahren rieten Ärzte noch, bei der Ernährung von Kindern auf häufige Allergene in der Nahrung wie Nüsse, Milch und Eier möglichst lange zu verzichten. Neue Studien zeigen jedoch, dass das Vermeiden keine Allergien verhindert, sondern eher das Gegenteil bewirkt. Heute gilt: Integrieren Sie nach und nach viele verschiedene Lebensmittel in die tägliche Ernährung. 

Allergie-Prävention: Umweltbelastungen durch Schadstoffe und Tabakrauch

Auch eine hohe Schadstoffbelastung in der Umwelt, beispielsweise durch Autoabgase, scheint die Entwicklung von Allergien zu begünstigen. Dabei spielt für den Verlauf der Allergie das Ausmaß des Kontakts mit den entsprechenden Umweltbelastungen eine Rolle. Ist ein Kind den Reizstoffen ständig und in großen Mengen ausgesetzt, kann das die Entwicklung einer Allergie beschleunigen. Bisher sind sich Wissenschaftler jedoch nicht einig, ob Schadstoffe ebenfalls als Ursache in Frage kommen.

Achtung! Nicht nur Rauchen während der Schwangerschaft, sondern auch danach im Beisein des Kindes ist schädlich. So erhöht Tabakrauch das Allergie- und Asthmarisiko eines Kindes um ein vielfaches. 

Allergien vorbeugen beginnt bereits vor der Geburt

In der Schwangerschaft galt früher: Allergieauslösende Lebensmittel wie Nüsse, Milchprodukte und Fisch sollten Schwangere möglichst vermeiden. Mittlerweile raten Experten werdenden Müttern jedoch zu einer ausgewogenen und nährstoffreichen Ernährung. Laut der Leitlinie zur Allergieprävention müssen werdende Mütter nicht auf Nüsse, Milch und Co. verzichten. Lieber sollten Schwangere auch in dieser Zeit auf eine abwechslungsreiche Ernährung achten. Wie auch im ersten Lebensjahr des Kindes, raten Experten von einer speziellen Diät, bei der typische Allergieauslöser vermieden werden, ab. Anders sieht die Datenlage jedoch beim Verzehr von fettreichem Meeresfisch. Dieser scheint sogar einen positiven Effekt auf das Allergierisiko zu haben und somit Allergien bei regelmäßigem Verzehr vorzubeugen.

In Deutschland kommen immer mehr Babys durch einen Kaiserschnitt auf die Welt. Doch wissenschaftliche Studien zeigen: Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, neigen später eher häufiger zu allergischen Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen und Hausstauballergie. Warum das so ist, ist noch unklar. Experten vermuten jedoch, dass die Kinder bei einer natürlichen Geburt mit den Mikroorganismen der Mutter in Kontakt kommen und dies zu einer vielfältigen Bakterienbesiedlung im Darm und auf der Haut führt. Das dient später als Schutzschild gegen Allergien.

Allergien vorbeugen: Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Tierhaare

Generell gilt: Schimmelpilze erhöhen das Allergierisiko. Hohe Luftfeuchtigkeit und zu wenig Frischluft begünstigen dabei die Entstehung der unschönen Mitbewohner. Vermeiden Sie ein zu warmes Klima in der Wohnung und lüften Sie stattdessen regelmäßig durch. Das sorgt nicht nur dafür, dass sich Schimmelpilz nicht breit machen kann, sondern auch dafür, dass der Körper mit genügend Sauerstoff versorgt wird. Auch Lebensmittel mit Schimmelpilzspuren sollten keinesfalls gegessen werden. Werfen Sie verdorbene Nahrungsmittel rechtzeitig weg und halten Sie Ihren Kühlschrank sauber.

Nicht immer ist die Anschaffung eines Haustieres sinnvoll. Ist bisher keine Allergie im familiären Umkreis bekannt, gibt es keinen Grund auf ein Haustier zu verzichten. Familien, in denen bereits ein Allergierisiko bekannt ist, sollte insbesondere auf eine eigene Katzen verzichte werden. Hunde scheinen jedoch keinen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien zu haben.

Allergie-Prävention: Übergewicht erhöht das Risiko für Asthma

Wissenschaftliche Studien beweisen es: Übergewicht begünstigt die Entwicklung verschiedener Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und eben auch Allergien. Doch nicht nur Erwachsene sind davon betroffen, auch bei Kindern mit Übergewicht steigt das Risiko schon früh an Diabetes oder einer Allergie zu erkranken. So scheint es Zusammenhänge zwischen einem erhöhten Body-Mass-Index und der Entstehung von Asthma zu geben. 

Stadt oder Land? Darum spielt der Wohnort eine Rolle

Auch das Leben auf einem Bauernhof, der Besuch des Kindergartens in den ersten zwei Lebensjahren und eine höhere Anzahl an älteren Geschwistern scheinen sich positiv auf das Allergierisiko auszuwirken. Dahinter steckt, dass Kinder, die bereits früh mit verschiedenen Allergenen in Kontakt kommen, besser vor Allergien geschützt sind als andere Kinder. Forscher gehen davon aus, dass der fr��he Kontakt mit einer Vielzahl an Keimen, Viren und Bakterien das Immunsystem trainiert.

Leider Ihr Kind schon an einer Allergie, sollten Sie den Auslöser möglichst meiden. Um Ihrem Kind eine Verschlimmerung der Symptome zu ersparen sollten Sie die Allergene aus dem direkten Umfeld Ihres Kindes fernhalten. Das hilft auch einen sogenannten „Etagenwechsel“ vorzubeugen und eine Verschlimmerung der Symptomatik zu verhindern. Dabei entwickeln Kinder mit Heuschnupfen im Laufe der Erkrankung weitere Symptome eines allergischen Asthmas. Praktische Maßnahmen und Verhaltensregeln helfen Allergene aus der Umgebung oder in Nahrungsmitteln zu vermeiden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren