Ein Mädchen spielt mit einer Holz-Eisenbahn, hinter ihm stehen Plastik-Spielwaren (Symbolbild).
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Bunte Plastik-Spielsachen können gesundheitsgefährdende Weichmacher enthalten (Symbolbild).

Spielsachen für allergische Kinder

Allergene in Kinderspielzeug: Darauf sollten Eltern beim Kauf achten

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Spielsachen sollten Kindern Spaß machen und nicht ihrer Gesundheit schaden. Trotzdem finden sich immer wieder Allergieauslöser wie Nickel, Duftstoffe und Weichmacher. So können Sie bedenkliche Stoffe erkennen.

Berlin – Spielsachen wie Teddybären, Puppen und Modellautos sollen Kindern Freude bereiten und ihre Fantasie anregen. Umso schlimmer ist es, dass in ihnen bei strichprobenartigen Untersuchungen von Verbraucherschützern immer wieder potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe wie Nickel, Duftstoffe und Weichmacher gefunden werden. Da besonders kleine Kinder ihre Umgebung mit allen Sinnen erleben und Spielsachen gerne auch mal in den Mund nehmen, ist es wichtig, dass sie frei von gefährlichen Substanzen und Allergie-Auslösern sind. Verbraucher sollten deshalb beim Kauf der Produkte auf Hinweise zu bedenklichen Inhaltsstoffen und Allergenen achten.

Allergene in Kinderspielzeug: Nickel in Metalllegierungen

Das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) warnt in diesem Zusammenhang immer wieder vor Nickel in Kinderspielzeug, das Kontaktallergien auslösen kann. Dabei kommt es meist Stunden bis Tage nach dem Kontakt zu allergischen Hautreaktionen mit Symptomen wie Rötungen, Nässen und Juckreiz. Oft bilden sich kleine Knötchen (Papeln) und Bläschen. Diese Kontaktekzeme treten meist nur an den Hautstellen auf, die mit nickelhaltigen Gegenständen in Kontakt gekommen sind. Berühren Kinder diese Gegenstände mit den Händen und greifen sich anschließend ins Gesicht oder an andere Körperstellen, können aber auch dort Ekzeme auftreten.

In Europa sind sind laut BfR etwa zehn Prozent der Kinder gegenüber Nickel sensibilisiert. Nur durch konsequentes Meiden des Allergens kann verhindert werden, dass es dabei zu einer lebenslangen Nickelallergie kommt, die Kinder später stark beeinträchtigen kann - zum Beispiel bei der Berufswahl. Treten nach dem Spielen Hautreaktionen auf, sollte ein Arzt mithilfe eines Epikutantests klären, ob es sich um eine Nickelallergie handelt. (Berufsbedingte Allergien: Was Betroffene zu Berufskrankheiten wissen müssen)

Allergene in Kinderspielzeug: Woran erkenne ich, ob Nickel enthalten ist?

Zu nickelhaltigem Kinderspielzeug zählen beispielsweise Modell- und Metallbaukästen. Besonders problematisch ist nach Einschätzung des BfR dabei unlackiertes Metall, wobei nicht der Nickelgehalt des Materials entscheidend ist, sondern vielmehr, wie viel Nickel es bei Berührung abgibt. Zwar regelt die EU-weite Spielzeug-Richtlinie, welche Sicherheitsanforderungen Kinderspielzeug in Bezug auf mechanische, chemische oder physikalische Eigenschaften erfüllen muss, eine Untersuchung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem Jahr 2016 zeigte aber, dass jedes fünfte Kinderspielzeug aus Metall eine zu hohe Nickellässigkeit aufweist.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt Verbrauchern deshalb beim Kauf von Spielzeug aus Metall auf das GS-Zeichen („geprüfte Sicherheit“) zu achten. Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Prüfzeichen, welches nachweist, dass Spielzeug die gesetzlichen Anforderungen auch in Bezug auf Nickel erfüllt.

Allergene in Kinderspielzeug: Duftstoffe meiden

Ein weiteres Problem sind Duftstoffe in Kinderspielwaren. Manche von ihnen können – ähnlich wie Nickel – Kontaktallergien oder andere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen und zu Entzündungen (Ekzemen) führen. Zwar sind nach der EU-Spielzeugrichtlinie 55 bekannte allergieauslösende Duftstoffe in Kinderspielzeug verboten, elf weitere müssen aufgrund ihres allergenen Potenzials verpflichtend gekennzeichnet werden - bis zu einem Spurengehalt von 100 Milligramm pro Kilogramm Material dürfen sie aber nachweisbar sein. Zu viel, findet das BfR und fordert, den Wert auf 10 Milligramm je Kilogramm herabzusetzen.

Verbraucherschützer empfehlen Kinderspielzeug beim Kauf mit allen Sinnen zu prüfen: Fällt ein unangenehmer oder auffälliger Geruch auf, sollten Verbraucher besser die Finger davon lassen. Auch in Bezug auf Duftstoffe ist zudem das GS-Zeichen ein Indiz dafür, dass Spielwaren den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Allergene in Kinderspielzeug: Weichmacher in Kunststoffprodukten

Bunte Kunststoffe sind beliebte Materialien für Kinderspielzeug. Während einige von ihnen unbedenklich sind, können andere ungesunde Weichmacher enthalten. So werden beispielsweise Wasserspielzeug, Bälle und Puppen meist aus dem Kunststoff PVC hergestellt, der in seiner Ursprungsform eher hart und spröde ist. Nur durch den Zusatz von Weichmachern wie z.B. Phthalaten wird er weich und elastisch. Da diese Weichmacher nicht fest gebunden sind, werden sie nach und nach an die Umwelt abgegeben, warnt die Verbraucherzentrale. Sie können dann beispielsweise am Hausstaub haften bleiben und gelangen durch Einatmen in den Körper, wo einige von ihnen das Hormonsystem, die Leber und die Nieren schädigen können.

Für drei Weichmacher in Kinderspielzeug und weitere drei in Babyspielzeug gibt es gesetzliche Regularien. Für andere Phthalat-Weichmacher und Ersatzstoffe fehlen diese aber, da es bisher keine Langzeitstudien zu gesundheitlichen Folgen gibt. Zudem ist im Handel immer wieder Spielzeug im Umlauf, das die gesetzlichen Grenzwerte überschreitet.

Allergene in Kinderspielzeug: Woran erkenne ich, ob Weichmacher enthalten sind?

Da Weichmacher geruchlos sind, können sie nicht durch „riechen“ identifiziert werden. Verbraucherschützer raten beim Kauf deshalb:

  • Achten Sie auf den Hinweis „PVC-frei“
  • Vorsicht bei Billig-Produkten, sie enthalten öfter bedenkliche Weichmacher oder überschreiten zulässige Grenzwerte
  • Prüfen Sie regelmäßig Produktwarnungen von Verbraucherzentralen, Öko-Test etc.
  • Bei PVC-haltigen Spielwaren unbedingt auf den Hinweis „Phthalat-frei“ achten
  • Die Kunststoffe PE (Polyethylen), PP (Polypropylen) oder ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer) kommen ohne zusätzliche Weichmacher aus
  • Second-hand-Ware ist prinzipiell gut für die Umwelt. Verzichten Sie aber auch gebrauchte ältere Spielsachen aus Weichplastik wie Puppen oder weiche Plastikfiguren, da sie oft noch Phthalat-Weichmacher enthalten, die seit zehn Jahren verboten sind

Allergene im Kinderspielzeug: Plüschtiere sollten waschbar sein

Leiden Kinder an einer Hausstauballergie, ist es besonders wichtig, beim Kauf von Kuscheltieren darauf zu achten, dass diese waschbar sind. Aber nicht nur zur Linderung von Allergie-Symptomen, auch zur Vorbeugung von Hausstauballergien ist regelmäßiges Waschen der Plüschtiere wichtig. Denn die geliebten Kuscheltiere werden laut dem Verband der Kinder- und Jugendärzte besonders gerne von Hausstaubmilben besiedelt. Sind Kinder auf die Allergene in den Milbenausscheidungen sensibilisiert, kann es bei wiederholtem Kontakt zu allergischen Reaktionen kommen.

Kuscheltiere, die nicht bei 60 Grad waschbar sind, sollten in regelmäßigen Abständen für mindestens 48 Stunden bei -15 Grad ins Gefrierfach gelegt werden, um Milben und deren Eier abzutöten. (Erkältung oder Hausstauballergie? So erkennen Sie den Unterschied)

Allergene im Kinderspielzeug: Auf Sicherheits-Hinweise achten

Jedes Spielzeug, das in der EU zu erwerben ist, muss das CE-Zeichen („Communauté Européenne“ (Europäische Gemeinschaft)) tragen. Damit zeigt der Hersteller, dass das Produkt den geltenden Anforderungen entspricht. Eine zusätzliche Sicherheit bietet das GS-Zeichen. Um die Gesundheit und Sicherheit von Kindern zu schützen, empfiehlt das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zudem immer, die Warn- und Gebrauchshinweise auf Spielwaren genau zu beachten. Diese können sein:

  • „Nicht für Kinder unter 36 Monaten geeignet.“
  • „Nur für den Hausgebrauch.“
  • „Benutzung unter unmittelbarer Aufsicht von Erwachsenen.“
  • „Nicht geeignet für Kinder unter … Jahren (*). Benutzung unter Aufsicht von Erwachsenen.“
  • „Mit Schutzausrüstung zu benutzen. Nicht im Straßenverkehr zu verwenden.“
  • „Nur im flachen Wasser unter Aufsicht von Erwachsenen verwenden.“
  • „Enthält Spielzeug. Beaufsichtigung durch Erwachsene empfohlen.“
  • „Dieses Spielzeug bietet keinen Schutz.“
  • „Um mögliche Verletzungen durch Verheddern zu verhindern, ist dieses Spielzeug zu entfernen, wenn das Kind beginnt, auf allen vieren zu krabbeln.“
  • „Enthält Duftstoffe, die Allergien auslösen können“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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