Ein Junge mit Strohhut blickt traurig und hat das Kinn auf die Hand gestützt (Symbolfoto)
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Im Kindesalter wird festgelegt, ob positive oder negative Gedanken überwiegen (Symbolfoto).

Erziehung und Psyche

Negative Denkmuster durch Erziehung: Warum das Umdenken so schwer fällt

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Sich von negativen Denkmustern zu befreien, ist gar nicht so leicht. Wer hin und wieder vom Schlechten ausgeht, kann ja schließlich nur positiv überrascht werden, oder? Doch was ist, wenn man ständig nur das Negative sieht?

Eschweiler (dpa/tmn) – Bei manchen Menschen ist das Glas immer nur halbleer statt halbvoll. Sie neigen dazu, in allem hauptsächlich das Schlechte zu sehen. Lob überhören sie geflissentlich, mit Kritik, wenn auch nur leise angedeutet, könnte ihnen das nicht passieren. Ihre Sommer sind im Erleben immer zu heiß, die Winter zu kalt. Aber richtig gut ist es eigentlich nie etwas. Doch woher kommt das?

Negative Denkmuster: Erziehung spielt eine maßgeblich Rolle für den Blick auf das Leben

Psychologen kennen die Antwort: Diese Denkmuster sind oft bereits im Kindesalter erlernt worden und darum schwer zu ändern, erklärt Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Doch es gibt Wege, um aus dieser Negativspirale auszubrechen. Einfach sind sie jedoch nicht.

Die Erziehung spielt aus Sicht des Experten, der als Ärztlicher Direktor der auf Psychosomatik spezialisierten Röher Parkklinik in Eschweiler arbeitet, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung solchen Negativdenkens. Die meisten Eltern dürften die folgende Situation kennen: Sie sind beschäftigt, das Kind kommt herein und möchte etwas. Manchmal reagiert man dann schroff und sagt: „Gehe jetzt bitte, du störst gerade!“

Negative Denkmuster: Denken wird schon bei Kleinsten geprägt

Solche Situationen speichern die Kleinen unbewusst ab. Wenn es permanent passiert, kann das dazu führen, dass sich im Kinderkopf die Überzeugung festsetzt: Ich störe und bin es nicht wert, dass der Papa oder die Mama sich um meine Fragen kümmern. „Wenn sich das Kind in der Kindheit dieses Denken angewöhnt, und sich das dann weiter verfestigt, wird es zum Problem“, sagt der Experte.

Darum sei es wichtig, seinem Kind immer zuzuhören und in der Erziehung zugewandt zu sein, sagt Hagemann. So vermitteln die Eltern positive Denkmuster und helfen ihrem Nachwuchs dabei, ein positives Selbstbild zu erlernen. Vor allem Eltern mit Depressionen fällt das jedoch meistens sehr schwer. Deren Kinder haben laut Hagemann ein erhöhtes Risiko, selbst an einer Depression zu erkranken.

So kommen Sie aus dem Gedanken-Karrussel:

Experten vermuten, dass depressive Neigungen vererbbar sind. Erlebt ein Kind beispielsweise wiederholt, dass depressive Verhaltensmuster eine Möglichkeit sein könnten, mit Problemen umzugehen, dann werde man es vielleicht selbst auch unbewusst praktizieren, so Hagemann. „Dazu kommt, dass depressive Eltern durch die krankheitsbedingten Einschränkungen oft nicht in der Lage sind, ihren Kindern auf der emotionalen Ebene das an Fähigkeiten, etwa Resilienz und Selbstwert, mitzugeben, was sie gebraucht hätten.“*

Es wäre allerdings zu kurz gedacht anzunehmen, dass ein bestimmter Faktor der alleinige Auslöser einer Depression sein könnte. Genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und eine Kombination an anderen Lebensereignissen kann auch dazu führen, dass ein Mensch an einer Depression erkrankt. Die aktuelle Weltlage mit der Corona-Pandemie sei zum Beispiel sehr verängstigend und ein klarer Umweltfaktor, so Hagemann.

Negative Denkmuster: Ein Glückstagebuch ändert den Fokus

Wie lassen sich negative Denkmuster im Alltag durchbrechen? Hagemann schlägt ein Glückstagebuch vor, um den positiven Gefühlen auf die Sprünge zu helfen. „Dafür setzt man sich jeden Abend für ein paar Minuten hin und reflektiert, was einen am Tag glücklich gemacht hat.“ Das könnten Details sein wie ein leckerer Cappuccino, das Lächeln des Nachbarn oder einen Vogel, den man beobachtet hat.

Fazit: Wer sehr auf Negatives fokussiert ist, nimmt das Positive im Alltag kaum wahr. Wer sich dessen bewusst ist, kann diese Wahrnehmung trainieren, sodass man das Positive im Alltag wieder mehr sieht. Das kann man auch machen, in dem man dem Partner seine positiven Erlebnisse erzählt. Interaktion verstärkt diese Wahrnehmung“, sagt Hagemann. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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