Ein Vater hält seine kleine Tochter im Arm, die ein trauriges Gesicht macht (Symbolbild).
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Häufig treten Hautveränderungen bei Neurodermitis beim Kind das erste Mal in Phasen besonders starker emotionaler Spannungen auf (Symboldbild).

Belastung für Kind und Eltern

Neurodermitis beim Kind: Welche Rolle spielt die Psyche bei der Hautkrankheit?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Neurodermitis und Psyche stehen in einem komplexen Wechselspiel zueinander. So kann Stress Krankheitsschübe auslösen und Hautveränderungen stellen wiederum einen psychischem Belastungsfaktor dar. Was Eltern tun können, um Kindern den Alltag zu erleichtern.

München Neurodermitis (auch: atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern. Leitsymptom der ist der starke Juckreiz, oft begleitet von trockener Haut, geröteten und entzündeten Stellen, Knötchen, Pusteln und bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf Verdickungen und Vergröberung der Haut. Die Ursachen der Neurodermitis sind noch nicht vollständig geklärt. Neben einer erblichen Veranlagung spielen auch verschiedene auslösende Faktoren eine Rolle. So gehen Wissenschaftler heute davon aus, dass Psyche und Neurodermitis in einer engen Wechselwirkung zueinander stehen. Denn Stress kann die Symptome verschlimmern, zugleich stellt die Erkrankung immer wieder eine große Belastung für das Kind und die ganze Familie dar.

Neurodermitis beim Kind: Welche Rolle spielt die Psyche bei Hautkrankheiten?

Haut und Psyche sind eng miteinander verbunden. So wird die Haut häufig als „Spiegel der Seele“ bezeichnet und tatsächlich kann sie als größtes Organ des Menschen Gefühle zum Ausdruck bringen – indem sie errötet, eine Gänsehaut entwickelt, schwitzt oder sich mit Juckreiz wehrt. Zudem wirkt sie wie ein Visitenkarte, nicht umsonst spricht man oft von dem Ausdruck, sich „in der eigenen Haut wohlfühlen“.

Nach der Leitlinie „Psychosomatische Dermatologie“ verschiedener großer Fachgesellschaften, haben psychische Faktoren auch einen erheblichen Einfluss auf das Auftreten und die Symptom-Stärke von Hautkrankheiten wie Neurodermitis, Kontaktdermatitis und Urtikaria, weshalb sie auch als „psychosomatische Dermatosen“ bezeichnet werden. Das heißt, sie sind körperlich gegeben, aber psychisch beeinflussbar. Umgekehrt empfinden Betroffene diese Erkrankungen als besonders belastend. Wie groß der Zusammenhang zwischen Psyche und den Beschwerden ist, ist laut den Experten jedoch von Patient zu Patient verschieden.

Neurodermitis beim Kind: Kann Stress die Hauterkrankung auslösen?

Bei einer Neurodermitis ist sich die Wissenschaft mittlerweile einig: Für den Ausbruch der Erkrankung spielt ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle. So haben Betroffene meist eine genetische Veranlagung und leiden als Atopiker an mehreren allergischen Erkrankungen gleichzeitig. Zudem ist die Hautbarriere bei Neurodermitikern gestört und dadurch durchlässiger für Reize und Schadstoffe. Ob und wann die Krankheit ausbricht, wie lange und wie schwer die Beschwerden auftreten, entscheiden allerdings auch äußere Faktoren (sogenannte Trigger). Sie verursachen die Krankheit zwar nicht im eigentlichen Sinne, lösen aber Schübe aus.

Mögliche Triggerfaktoren der Neurodermitis sind:

  • Chemische Reize
  • Mechanische Reize
  • Hautinfektionen
  • Psychische Faktoren

Neurodermitis beim Kind: Psychische Belastung durch die Hautkrankheit

Eine Neurodermitis ist für Kinder belastend. So können Beschwerden wie der Juckreiz unerträglich werden, vor allem in der Nacht. Kinder leiden dann häufig unter Schlafmangel, sind übermüdet und gereizt. Eine liebevolle Umarmung oder zärtliche Berührungen sind bei Neurodermitis teilweise unangenehm oder können sogar Schmerzen auslösen. Das kann dazu führen, dass Kinder Nähe ablehnen, was viele Eltern zunächst verunsichert und die Eltern-Kind-Beziehung vor Herausforderungen stellt. Auch einem gesunden Nähe-Distanz-Verhältnis zu anderen Bezugspersonen kann die Neurodermitis im Wege stehen. (Nesselsucht und Neurodermitis: Tipps für einen ruhigen und erholsamen Schlaf) 

Darüber hinaus spüren Kinder, wenn ihre optischen Hautveränderungen andere Menschen irritieren oder sogar abschrecken. Es handelt sich zwar um keine ansteckende Krankheit, doch nicht allen Mitmenschen ist das bewusst. Werden Kinder wiederholt mit Ablehnung konfrontiert, ist das psychischer Stress für sie, der sich wiederum negativ auf die Neurodermitis auswirken kann. Im schlimmsten Fall leidet das Selbstwertgefühl so sehr, dass sich das Kind zurückzieht. Einsamkeit und Isolation sind jedoch kein guter Weg, mit der Erkrankung umzugehen, warnt der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München.

Neurodermitis beim Kind: Welche Rolle spielt die Eltern-Kind-Beziehung?

Wenn es dem Kind schlecht geht, leiden die Eltern mit. Das ist nachvollziehbar, trotzdem sollten sie darauf achten, das Kind nicht überfürsorglich zu behandeln. Wenn sich Eltern „aufopfern“ und dabei an ihre Belastungsgrenze stoßen, reagieren sie vielleicht aggressiv, um sich kurz darauf aus schlechtem Gewissen dem Kind wieder zuzuwenden. Ein solches Verhalten ist menschlich, löst beim Kind aber Spannungen und psychischen Stress aus, der wiederum Einfluss auf die Neurodermitis haben kann. Ein geregelter Tagesablauf und ein konsequentes Erziehungsverhalten geben dem Kind Stabilität und können Konflikte reduzieren.(Neurodermitis-Studie: Vor allem Frauen und Kleinkinder in Ostdeutschland betroffen)

Durch die Neurodermitis bedingte Konflikte können aber nicht nur zwischen Eltern und Kind entstehen. Besonders Säuglinge und Kleinkinder mit Neurodermitis haben nachts große Probleme durchzuschlafen. Eltern sollten klar absprechen, wer sich nachts um das Kind kümmert und sich dabei möglichst abwechseln. Nicht selten wirken sich die Anspannung und Müdigkeit auch auf die Partnerschaft der Eltern aus. Beziehungsstress der Eltern bedeutet aber wiederum seelische Belastung für das Kind. Freiräume, Zeit für sich und regelmäßiger Ausgleich sind wichtig, um Kraft zu tanken. (Neurodermitis bei Kindern: Pflege für trockene und sensible Haut)

Neurodermitis beim Kind: Gefühle des Kindes ernst nehmen

Emotionale Reaktionen wie Freude, Wut, Traurigkeit, Müdigkeit und auch Trotz gehören zum Kindsein dazu, auch wenn sie den Hautzustand verschlechtern und unangenehmen Juckreiz verstärken können. Eltern sollte darauf achten, die Gefühle des Kindes ernst zu nehmen und die Erziehung nicht von der Neurodermitis abhängig zu machen. Dazu gehört auch, dem Kind trotz Beschwerden Grenzen zu setzen, warnt der Kinder- und Jugendverband der Kinderärzte.

Eltern sollten mit dem Kind von klein auf offen über die Krankheit sprechen und alle nötigen Therapie-Maßnahmen erklären. Leider kommt es vor allem unter Kleinkindern immer wieder vor, dass Kinder wegen ihres Aussehens gehänselt werden. Wichtig ist deshalb, dem Kind mitzuteilen, dass seine Neurodermitis nicht ansteckend ist und es sich nicht für die Hautveränderungen schämen muss. Dem Kind das Gefühl zu vermitteln, es so anzunehmen wie es ist, stärkt sein Selbstwertgefühl. Haben Eltern allerdings den Eindruck, die psychische Belastung besteht dauerhaft oder wird zu groß, sollten sie für ihr Kind psychotherapeutische Unterstützung suchen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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