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Pädagogin über Wutausbruch bei Kindern: Nachwuchs, der seine Eltern anschreit, fühlt sich geborgen

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Von: Anna Katharina Küsters

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Wachsen Kinder heran, kommt es häufiger zu Konflikten mit den Eltern. Ein Kind, das seine Eltern anbrüllt, sei etwas Positives, so eine Expertin.

In jeder Familie gibt es Streit und Diskussionen und das ist auch gut so. Nur wer Bedürfnisse offen kommuniziert, sich streiten, aber auch versöhnen kann, kann eine gesunde Bindung zu seinen Mitmenschen aufbauen. Kinder müssen diese Art der Auseinandersetzung erst lernen. Wutausbrüche, Geschrei und Sturheit sind dabei völlig normal. Dass Kinder diese Wut dann auch an ihren Eltern auslassen, ist natürlich nicht angenehm. Laut einer Pädagogin ist das aber ein Zeichen von Vertrauen.

Pädagogin: Eltern sollten es als Kompliment sehen, wenn ihr Kind sie anschreit

Zu sehen ist ein kleines, wütendes Mädchen, das schreit.
Wutausbrüche bei Kindern sind keine Seltenheit. © Robyn Breen Shinn/Imago

Manchmal sind die Wutausbrüche von Kindern so heftig, dass selbst Erwachsene daneben stehen und ratlos sind. Warum das ganze Geschrei? Wieso der lautstarke Protest? Gründe gibt es für Wutausbrüche bei Kindern viele. Einige sind zum Beispiel:

Nicht immer lassen sich die Wutanfälle schnell besänftigen. Ab und an kommt es auch dazu, dass das Kind lauthals schreit und auch die Eltern Zielscheibe der Aggression werden. So schwer es dann auch fällt, aber Eltern sollten in diesen Augenblicken versuchen, ruhig zu bleiben und das Kind in seiner emotionalen Lage zu begleiten. Das bedeutet nicht, sich grenzenlos anschreien zu lassen, aber das Kind sollte sich ernst und wahrgenommen fühlen in seiner Wut.

Pädagogin: Wutausbruch ist Zeichen von Sicherheit

Die Pädagogin Nora Imlau erklärt, dass die Wutausbrüche gegenüber den Eltern sogar ein Zeichen von absolutem Vertrauen sind. Ihrer Meinung nach zeigen Kinder ihre Emotionen nur so offen in einem Umfeld, in dem sie sich geborgen und absolut sicher fühlen. „Dass unsere Kinder sich dabei manchmal regelrecht an uns abarbeiten, indem sie schimpfen und schreien und toben und wüten – all das sind keine Versuche, unsere Macht an sich zu reißen, sondern im Gegenteil: Zeichen großer Verletzlichkeit und Bindungssicherheit“, sagt Imlau. Ein Kind, dass um die Liebe seiner Eltern fürchte, würde niemals seinen Emotionen so freien Lauf lassen.

Kinder wollten über ihre Wutausbrüche keinesfalls die Herrscher-Rolle in der Familie einnehmen. Ein Kind, das seine Eltern anschreit, will nicht das Sagen über seine Eltern haben. „Dass sie in manchen Entwicklungsphasen gefühlt alles bestimmen wollen, lautstark auf ihren Forderungen beharren und wenig kompromissbereit sind, hat nichts damit zu tun, dass sie unseren Job machen wollen – sie entdecken auf diese Weise einfach nur ihr eigenes Ich, ihren eigenen Willen, ihren Platz in der Welt“, meint Nora Imlau. Die Theorie, dass ein Kind nur auf den richtigen Moment warte, um die Führungsrolle zu übernehmen, sei entwicklungspsychologisch in keiner Weise belegt.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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