Ein Kleinkind ist Brot von einem bunten Kinderteller (Symbolbild).
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Melaminteller für Kinder sind zwar robust und sehen nett aus, sie enthalten aber oft Schadstoffe (Symbolbild).

Produkte aus Melamin und Bambus

Kritische Inhaltsstoffe in Kindergeschirr: Produkte aus Melamin und Bambus oft schadstoffbelastet

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Geschirr aus Melamin und Bambus-Formaldehyd-Harz wird häufig als umweltfreundliche Alternative zu Plastikgeschirr beworben. Doch viele Produkte für Kinder setzen bedenkliche Schadstoffe frei, wie ein Test der Zeitschrift „Konsument“ zeigt.

Berlin Kindergeschirr aus Melamin-Formaldehyd-Harz und Bambus sieht nicht nur nett aus, viele Hersteller werben auch damit, dass die Produkte besonders umweltfreundlich und biologisch abbaubar seien. Zudem machen die bunten Teller und Tassen auf den ersten Blick einen ausgesprochen leichten und bruchsicheren Eindruck, weshalb sie besonders bei Eltern von Kleinkindern beliebt sind. Ein Test der österreichischen Zeitschrift Konsument lässt das Kindergeschirr jedoch in zweifelhaftem Licht erscheinen. Denn viele Melaminteller und -geschirrsets, die teils auch Bambusfaser enthalten, geben bei mehr mehrfachem Gebrauch bedenkliche Schadstoffe ab.

Allergene im Kindergeschirr: Diese Marken wurden getestet

Das österreichische Testmagazin und Partnerzeitschrift von Stiftung WarentestKonsument“ testete Kindergeschirr folgender Marken:

  • babylove Schüssel
  • Co Eco Baby Geschirrset Bambus
  • Feuerwehrmann Sam Frühstücksset
  • Fillikid Bambusgeschirrset
  • Haba Kinderteller
  • Hema Teller
  • Lässig Dish Bowl
  • Sebra Geschirr-Set
  • Sterntaler Bambus

Allergene im Kindergeschirr: Melamin und Form­aldehyd im Dauertest freigesetzt

Die Tester interessierte vor allem die Haltbarkeit, die Stabilität und die Schadstoffbelastung des Kindergeschirrs. Dazu simulierten sie einen dauerhaften Gebrauch, indem sie das Geschirr über einen Zeitraum von zehn Tagen mit einer essigsäurehaltigen und 60 Grad heißen Flüssigkeit in Kontakt brachten. Das Ergebnis: Alle getesteten Teller setzten große Mengen Melamin und Form­aldehyd frei. Zudem war keiner der Teller kratzfest und nur die wenigsten bruchsicher.

Allergene im Kindergeschirr: Melamin und Formaldehyd können Allergien auslösen

Die Ergebnisse sind besorgniserregend, da Melamin in Verdacht steht, Erkrankungen der Blase und Nieren zu verursachen, während Form­aldehyd durch Einatmen Beschwerden wie Tränenfluss, Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen - und langfristig Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen kann. Zudem kann der Stoff Haut, Atemwege und Augen reizen und Allergien auslösen.

Bei bestehender Formaldehyd-Allergie kommt es beim Kontakt mit dem Allergen zu Kurzatmigkeit und einer Verengung der Atemwege. Bei Hautkontakt kann es zu Brennen, Rötungen sowie Blasenbildung der Haut und bei wiederholtem Kontakt zu allergischen Kontaktekzemen kommen.

Schon seit längerem warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) davor, Geschirr aus Melaminharz beim Braten, Kochen oder in der Mikrowelle zu erhitzen, da sich gesundheitsbedenkliche Mengen der Melaminharz-Bestandteile lösen und ins Essen gelangen können. Der Übergang in Nahrungsmitteln ist besonders bei säurehaltigen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse und heißen Getränke wie Kaffee und Tee wahrscheinlich. Darüber hinaus gelangt freigesetztes Formaldehyd in die Luft und damit in die Atemwege und Augen.

Allergen im Kindergeschirr: Wie können Verbraucher Produkte aus Melamin-Formaldehyd-Harz erkennen?

Es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob Küchenuntensilien Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH) enthalten, denn eine Kennzeichnungspflicht für Geschirr aus MFH gibt es laut Bundesamt für Risikobewertung nicht. Manchmal finden sich Hinweise auf den MFH-Gehalt oder eine begrenzte Nutzungsdauer bzw. Temperaturgrenze auf der Verpackung. Das BfR bemängelt jedoch, dass dies nicht ausreiche, da sowohl die Nutzungsdauer als auch die Temperaturgrenze nicht dem üblichen Gebrauch der Produkte entspricht.

Zur Vermeidung gesundheitsschädlicher Substanzen empfiehlt das Umweltbundesamt Verbrauchern die Verwendung von Produkten mit dem Blauen Engel. Das Umweltsiegel der Bundesregierung kennzeichnet Produkte, die umweltfreundlich, langlebig und gesundheitlich unbedenklich sind.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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