Eine Mutter beugt sich zu ihrem Neugeborenen (Symbolbild).
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Schon Neugeborene sind mit Schadstoffen belastet - mit bisher unbekannten Folgen (Symbolbild).

Kindergesundheit

Schadstoffe im Blut von Schwangeren: Schon Neugeborene sind vermutlich belastet

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Chemische Rückstände aus Weichmachern, Kosmetik und Arzneimitteln: US-Forscher haben im Blut von Müttern und ihren Neugeborenen sowie deren Nabelschnur 109 verschiedene Umweltchemikalien nachgewiesen. 

San Francisco – US-amerikanische Wissenschaftler haben im Blut schwangerer Frauen 109 verschiedene Schadstoffe nachgewiesen – darunter 55 Chemikalien, die noch nie zuvor im menschlichen Körper gefunden wurden sowie 42 Substanzen, deren Herkunft und Verwendung bisher unbekannt sind. Über die Plazenta scheinen die Schadstoffe auch in das Blut der ungeborenen Kinder zu gelangen. Welche Auswirkungen dies für die Gesundheit von Neugeborenen hat, bleibt zudem unklar.

Umweltgifte im Blut: Schon Neugeborene sind möglicherweise belastet

Die Plazenta versorgt in der Schwangerschaft das ungeborene Kind mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen. Vor schädliche Substanzen, Bakterien und Viren dagegen wird das Ungeborene geschützt. Doch nicht alle Schadstoffe können herausgefiltert werden. So können Alkohol, Nikotin und verschiedene Wirkstoffe in den kindlichen Körper gelangen.

Auch einige Umweltchemikalien scheinen von der Mutter auf das Kind überzugehen. Forscher der University of California konnten nun in einer aktuellen Studie nachweisen, welche Schadstoffe sich im Blut von Müttern und ihren Kindern befinden. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin „Environmental Science & Technology“.

Umweltgifte im Blut: 109 verschiedene Chemikalien nachgewiesen

Im Rahmen der Studie untersuchten die Forscher um Erstautorin Aolin Wang das Blut von 30 Müttern und ihren Kindern, sowie deren Nabelschnurblut. Mithilfe einer speziellen hochauflösenden Massenspektrometrie analysierten die Wissenschaftler die Proben auf chemische Substanzen. Diese Daten verglichen sie anschließend mit einer Referenzdatenbank von 3500 Industrie-Chemikalien.

Das Ergebnis: Insgesamt 109 verschiedene Substanzen konnten die Forscher im Blut der Mütter und Kinder nachweisen. Die meisten Chemikalien kommen dabei in vielen verschiedenen Produkten vor. So stammen 40 davon aus Weichmachern, 28 aus Kosmetika, 29 aus Medikamenten und 25 aus Haushaltsreinigern. Zudem stellten die Wissenschaftler 23 verschiedene Pestizide, drei Flammschutzmittel sowie sieben polyfluorierte Akylverbindungen (PFAS-Verbindungen) im Blut der Neugeborenen fest.

Umweltgifte im Blut: Schon bei der Geburt belastet

„Es ist alarmierend, dass wir immer wieder Chemikalien finden, die von schwangeren Frauen auf ihre Kinder übertragen werden. Das bedeutet möglicherweise, dass diese Chemikalien über Generationen hinweg bim menschlichen Körper bleiben“, sagt Tracey Woodruff, Professorin für Geburtshilfe, Gynäkologie und Reproduktionswissenschaften an der University of California.

So auch die sogenannten perfluorierten Alkyle. Diese organische Verbindungen gehören zu den besonders langlebigen Umweltschadstoffen. Sie können sich über lange Zeit im Gewebe anreichern und wirken möglicherweise hormonähnlich und krebserregend.

Umweltgifte: 42 verschiedene Substanzen zum ersten Mal im Blut gefunden

„Diese Chemikalien gelangen wahrscheinlich schon seit geraumer Zeit in das Blut des Menschen, aber erst mit neuer Technologie können wir immer mehr davon identifizieren“, erklärt Tracey Woodruff. Denn von den 109 gefundenen Substanzen konnten die Forscher 55 Chemikalien zum ersten Mal im menschlichen Blut nachweisen. Darunter zehn Weichmacher, ein Pestizid und zwei PFAS-Verbindungen. Rätselhaft ist für die Wissenschaftler zudem, woher der Großteil der neu identifizierten Substanzen stammt. So gibt es für 42 Chemikalien bisher keine Angaben dazu, wo sie produziert und wofür sie eingesetzt werden. Welche Wirkung die Stoffe auf die Gesundheit haben, bleibt damit ebenfalls unklar.

„Es ist beunruhigend, dass wir für so viele dieser Chemikalien die Quellen und Anwendungen nicht ermitteln können“, erklärt Tracey Woodruff in einer Pressemitteilung der Universität. Um die potenziellen Gesundheitsrisiken einschätzen zu können, fordern die Wissenschaftler daher eine bessere Dokumentation von Chemieprodukten durch die chemische Industrie. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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