Thema: Mann dehnt sich im Herbst auf einer Wiese in Bonn (Symbolbild)
+
Regelmäßige Bewegung kann bei Abnehmen helfen, vorausgesetzt, sie wird mit der richtigen Ernährung kombiniert (Symbolbild)

Studie der TU München zeigt

Abnehmen durch Sport: Essen wir durch körperliche Aktivität mehr?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
    schließen

Sport kann beim Abnehmen helfen - vorausgesetzt, er dient nicht als Entschuldigung dafür, mehr zu essen. Wie Bewegung und Essverhalten zusammenhängen, haben Forscher aus München nun in einer Studie untersucht.

München – Nach Angaben der Deutschen Adipositas Gesellschaft leiden in Deutschland rund zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen an Übergewicht. Mehr als sieben Millionen Menschen wollen außerdem abnehmen. Ein bekanntes Mittel dazu ist Sport. Doch führt Bewegung nicht automatisch auch zu mehr Hunger? Die Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit der Technischen Universität München (TUM) ist dieser Frage auf den Grund gegangen.

Abnehmen durch Sport: Essen wir nach sportlicher Betätigung mehr?

Experten sprechen von Übergewicht ab einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25. Der BMI ist eine Formel zur Berechnung des Idealgewichts und lässt sich ganz einfach wie folgt selbst berechnen: BMI = Gewicht / (Körpergröße x Körpergröße). Als Normalgewicht gilt ein Wert zwischen 18,5 und 24,9.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ist es ratsam, auf sein Gewicht zu achten, denn Übergewicht steigert das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.* Wer Gewicht verlieren will, muss mehr Energie verbrauchen, als er zu sich nimmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich auch die Bewegung, denn beim Sport werden mehr Kalorien verbraucht, als im Ruhezustand. Das Problem: Sport regt auch den Appetit an. Prof. Dr. Karsten Köhler, Leiter der Professur für Bewegung, Ernährung und Gesundheit, erklärt: „Im Sportkontext haben wir das Phänomen, dass Menschen nach körperlicher Bewegung zu viel essen“. Und: „Man will sich und den Körper dafür belohnen, dass man aktiv war. Wir wollten deshalb anhand eines hypothetischen Experiments herausfinden, warum Menschen nach dem Sport mehr essen im Vergleich zu, wenn sie keinen Sport treiben.“

Abnehmen durch Sport: Subjektive Einschätzung zu Hunger und Sättigung

Die Experten wählten dazu eine randomisierte Überkreuzstudie, die den Einfluss von sportlicher Betätigung auf hypothetische Entscheidungen bezüglich der Menge und des Zeitpunkts des Essens untersuchte. Dazu wurden 41 gesunde Teilnehmerinnen und Teilnehmer - darunter 23 Frauen und 18 Männer - im Alter zwischen 19 und 29 Jahren mit einem durchschnittlichen BMI von 23,7 ausgewählt. Beim ersten Durchgang sollten sie nach dem Zufallsprinzip entweder ein 45-minütiges Training oder eine gleich lange Ruhephase absolvieren, beim zweiten Besuch dann die jeweils andere Bedingung.

Die Forscher baten die Trainingsgruppe jeweils vor dem Sport einen Fragebogen zu:

  • ihrem subjektiven Hunger- und Sättigungsgefühl
  • zur bevorzugten Essensmenge
  • zur Wahl bestimmter Lebensmittel

auszufüllen. Die gewünschte Essensmenge wurde mithilfe bestimmter Portionsgrößen ermittelt und zwar sowohl für den sofortigen als auch für einen späteren Verzehr nach vier Stunden.

Nach der Befragung trainierten die Probanden für 45 Minuten auf einem Fahrradergometer. Direkt danach sollten sie den Frageboten erneut und eine halbe Stunde später noch ein drittes Mal beantworten. Auch die Nicht-Trainingsgruppe sollten den Fragebogen dreimal ausfüllen, einmal vor und zweimal nach der 45-minütige Ruhepause.

Abnehmen durch Sport: Menschen bevorzugen nach dem Sport größere Portionen

Tatsächlich zeigen die Ergebnisse: Die Teilnehmer wählten nach dem Sport größere Nahrungsmengen - und zwar sowohl direkt nach dem Training, als auch 30 Minuten später. Auch der Drang, das Essen sofort zu verzehren, war größer. Unverändert blieb die bevorzugte Essensmenge dagegen bei der Ruhe-Gruppe.

„Auf Basis der Studie konnten wir erstmals zeigen, dass sich bestimmte Eigenschaften, wie die Menge und die Dringlichkeit, mit der eine Person essen möchte, über den Verlauf einer körperlichen Belastung verändern“, erklärt Prof. Köhler die Ergebnisse. „Diese Befunde helfen uns bei der Entwicklung neuer Interventionen, um eine Gewichtsreduktion durch Sport zu optimieren.“

„In Anbetracht der Tatsache, dass die Gewichtsabnahme für viele ein Hauptmotiv für das Sporttreiben ist und ein Nichterreichen der gewünschten Gewichtsabnahme den Ausstieg aus dem Sport wahrscheinlich macht, könnten unsere Erkenntnisse die langfristige Einhaltung von Trainingsprogrammen verbessern und zu günstigen gesundheitlichen Ergebnissen über die Gewichtsabnahme beitragen“, so Prof. Köhler. „Letztendlich muss man natürlich die richtige Balance finden. Aber der Sport sollte auf keinen Fall als Entschuldigung herhalten, mehr zu essen!“ (Mit Material der TU München)

*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare