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Antikörpertest: Was sagt er aus, wie wird er durchgeführt und wann ist er sinnvoll?

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Von: Christine Pander

Eine junge Frau lässt vom Arzt Corona-Antikörper bestimmen und bekommt dafür Blut abgenommen (Symbolbild)

Beim Antikörper-Test wird das Blutserum untersucht (Symbolbild) © Imago

Ob nach einer Impfung oder überstandener Covid-19-Erkrankung: Viele Menschen möchten wissen, ob sie dann vollständig gegen das Corona-Virus geschützt sind. Liefern Tests die erwünschte Antwort? Experten ordnen ein.

Dortmund/Freiburg – Wer eine Coronavirus-Infektion überstanden hat, hat einen gewissen Immunschutz gegenüber dem Erreger. Doch wie stark ist dieser? Und wie lange hält er an? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Wissenschaft. Auch viele Genesene wollen wissen, wie es um ihren Schutz gegen das Virus steht. Gleiches gilt für Geimpfte, die wissen wollen, ob ihr Körper einen Schutz gegen das Sars-CoV-2-Virus aufgebaut hat.

Experten unterscheiden zwei Testvarianten, die jeweils unterschiedlich kosten:

Der Immunologe Professor Carsten Watzl ordnet die Aussagekraft der Tests wie folgt ein: Zwar sei der Neutralisationstest präziser, Studien zeigten aber einen Zusammenhang zwischen der Menge von Antikörpern und der Menge neutralisierender Antikörper. „Wenn ich viele Antikörper im Blut habe, ist es höchst unwahrscheinlich, dass all diese Antikörper nicht an der richtigen Stelle des Virus ansetzen“, sagt der Experte von der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Auch einfache Antikörpertests liefern demnach eine gewisse Schutzaussage. Aber die Aussagekraft ist eben begrenzt. „Es kann einem noch niemand sagen, ab welchem Wert man wirklich immun ist“, sagt Watzl. „Das kann man bei anderen Viren, soweit sind wir beim Coronavirus aber noch nicht.“ Es bleibt also selbst bei hohen Antikörper-Werten eine Restunsicherheit.

Antikörpertest: Zu welchem Zeitpunkt macht er Sinn?

Der Körper bildet IgG-Antikörper erst einige Tage nach der Infektion. Wenn der Test, wie es die Regel ist, auf diese Art von Antikörpern untersucht wird, lautet daher die allgemeine Empfehlung, ihn erst mindestens zwei Wochen nach der Infektion vorzunehmen.

Würde der Test zum Beispiel auf IgM-Antikörper testen, ist es indes gut möglich, dass er einige Wochen nach der Infektion bereits negativ ausfällt. Tests auf IgA- und IgM-Antikörper haben sich Experten zufolge bei Corona nicht bewährt.

Antikörpertest: Was heißt es, wenn er negativ ausfällt?

Wenn der Antikörpertest negativ ausfällt, heißt das nicht, dass man nicht gegen das Virus geschützt ist.* „Wir sehen Menschen, die eine leichte Infektion hatten, wo die Konzentration an Antikörpern relativ schnell abfällt“, sagt der Virologe Professor Marcus Panning vom Uniklinikum Freiburg. Das bedeutet auch: Deren Antikörpertest wird schnell negativ ausfallen. Dennoch könnte ein Schutz bestehen.

Das liegt daran, dass es neben verschiedenen Arten von Antikörpern einen zweiten Bereich der körpereigenen Abwehr gibt: Die T-Zellen. Diese stürzen sich nicht auf die Viren, um sie davon abzuhalten, an Körperzellen anzudocken. Sondern sie zerstören vom Virus befallene Körperzellen und spielen so eine wichtige Rolle bei der Immunantwort.

Antikörpertest: Das besagt der T-Zelltest

„Es kann sein“, sagt der Experte von der Gesellschaft für Virologie, „dass man nach der Infektion eine relativ robuste T-Zellen-Immunität hat, die dafür sorgt, dass man trotz weniger oder gar keiner Antikörper weniger stark oder gar nicht erkrankt.“ Wer möchte, kann sein Blut im Prinzip auf T-Zellen untersuchen lassen: Verschiedene Labormedizinerinnen und Labormediziner bieten solche T-Zelltests an.

Diese 3 Arten an Antikörpern sind bekannt:

Wer innerhalb der zurückliegenden sechs Monate eine Corona-Infektion durchgemacht hat, hat jeweils die gleichen Rechte wie vollständig geimpfte Personen. Ein positiver Antikörpertest ist aber kein Nachweis. „Bisher kann man nur mit einem positiven PCR-Test den Infektionszeitpunkt nachweisen“, sagt Immunologe Watzl. Dieser Test muss mindestens 28 Tage und darf höchstens sechs Monate alt sein.

Antikörpertest: Wer könnte davon profitieren?

Einen Zweck erkennt Watzl vor allem bei Menschen, die eine Immunschwäche haben oder Medikamente einnehmen, welche die Funktion des Immunsystems mindern, sogenannte Immunsuppressiva. „Bei ihnen kann man nach der zweiten Impfung mal schauen, wie hoch der Antikörperspiegel ist.“ Für alle anderen, sowohl Geimpfte als auch Genesene, hält Watzl die Aussagekraft für „begrenzt“.

Laborarzt Lorentz rät außerdem: Wer eine Einschätzung zum Immunschutz gegen das Coronavirus haben möchte, sollte lieber einen Neutralisationstest vornehmen lassen. „Beim einfachen Antikörpertest fällt mir keine sinnvolle Indikation ein, wo man es machen sollte, außer man möchte nur wissen, ob man schon eine Infektion durchgemacht hat“(mit Material der dpa). * Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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