Eine Frau mit Mundschutz geht an einem Schild mit der Aufschrift „Zu Ihrem eigenen Schutz!“ vorbei (Symbolbild).
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Eine Maske kann COPD-Patienten helfen, das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu reduzieren (Symbolbild).

COPD und Corona

COPD und Corona: Wie groß ist das Risiko für COPD-Patienten und wie können sie sich schützen?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) haben bei einer Infektion mit dem Coronavirus ein größeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Mit den richtigen Verhaltensregeln und Hygienemaßnahmen können sie sich schützen.

  • COPD und Corona: Deshalb ist eine Infektion mit dem Virus für Patienten so gefährlich
  • Die richtigen Verhaltens-Maßnahmen reduzieren das Risiko einer Ansteckung
  • Alles zur richtigen Maske für COPD-Patienten

Berlin – Das Coronavirus (SARS-CoV-2) bestimmt nach wie vor das soziale Leben in Deutschland. Viele Menschen, die an einer Lungenkrankheit wie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, sind deshalb verunsichert. Um das Risiko einer Ansteckung mit schwerem Krankheitsverlauf zu reduzieren, sollten COPD-Patienten die vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin empfohlenen Schutzmaßnahmen sorgfältig einhalten.

COPD und Corona: Warum ist das Risiko für COPD-Patienten so groß?

Die Gefahr für die Gesundheit chronisch erkrankter Menschen durch das Coronavirus schätzt das RKI immer noch als sehr hoch ein. Laut einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) zeigt die aktuelle Datenlage, dass Menschen mit einer chronischen Lungenkrankheit ein größeres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben als Gesunde.

Bei schweren Krankheitsverläufen dringen die Viren bis in die unteren Atemwege vor. Aufgrund der chronisch entzündeten Schleimhaut der Bronchien und Bronchiolen kann das Immunsystem von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) die Erreger schlechter bekämpfen. Die Gefahr einer schweren Lungenentzündung (Pneumonie) ist groß. Neben Lungenentzündungen kann es bei schweren COVID-19-Verläufen durch übermäßige Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen (Zytokinsturm) zu gefährlichen Thrombosen und Embolien kommen. Diese können die Lungengefäße schädigen und im schlimmsten Fall zu multiplem Organversagen führen. Zudem weisen COPD-Patienten enzymbedingt eine höhere Zahl an Rezeptoren an der Zellmembran auf, über die Coronaviren bei einer Infektion in die Körperzellen eindringen. Damit ist ihr Infektionsrisiko fünfmal höher, als das gesunder Menschen. Hinzu kommt, dass der Anteil älterer Menschen unter COPD-Patienten hoch ist. Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe steigt mit zunehmendem Alter. Aus diesem Grund sollten Patienten mit COPD und Angehörige die Situation weiterhin ernst nehmen und eine Ansteckung mit allen Mitteln vermeiden.

COPD und Corona: So können sich COPD-Patienten schützen

Der wichtigste Schutz für COPD-Patienten ist das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus möglichst gering zu halten. Laut RKI wird dies vor allem durch das Einhalten allgemeiner Verhaltensregeln und Hygienemaßnahmen erreicht:

  • Abstand halten, sowohl in Innenräumen als auch im Freien
  • Regelmäßig die Hände für 20 Sekunden gründlich waschen
  • Sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen
  • Menschenansammlungen meiden
  • Erkrankte Menschen meiden
  • Wenn möglich, nicht an die Arbeit gehen, sondern dem Job von zuhause aus nachgehen

COPD und Corona: Deshalb ist die medikamentöse Therapie so wichtig

Um das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu senken, ist es wichtig, dass die COPD weiterhin gut behandelt wird und die Lunge so gesund wie möglich bleibt. Auf keinen Fall sollten COPD-Patienten die Therapie eigenmächtig ändern. Die Behandlung ist vom individuellen Krankheitsverlauf abhängig und kann, je nach Verordnung des Arztes, mit atemwegserweiternden Medikamenten (Bronchodilatatoren) oder (in schwereren COPD-Stadien) entzündungshemmenden Kortikosteroide (Cortison) erfolgen.

Neben der medikamentösen Behandlung können regelmäßiges Lüften, Lungensport, Atemgymnastik, das Vermeiden von Reiz- und Schadstoffen sowie eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung die Therapie ergänzen. Zudem sollten COPD-Patienten Tabakkonsum und Passivrauchen unbedingt vermeiden, da Rauchen die Lunge reizt und Entzündungen der Atemwege verstärkt.

COPD und Corona: Impfung gegen Grippe und Pneumokokken

Darüber hinaus empfiehlt die Deutsche Lungenstiftung in Langenhagen Patienten mit Atemwegserkrankungen eine Impfung gegen Influenza (Grippeschutzimpfung) und Pneumokokken. Die Impfung hat zwar keinen Einfluss auf eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus, eine Grippe oder eine durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung können aber zu akuten Verschlechterungen (Exazerbationen) der COPD führen können. In Deutschland ist der Impfstoff derzeit nur eingeschränkt verfügar – Menschen mit Lungenkrankheiten haben aber eine höhere Priorität geimpft zu werden. 

COPD und Corona: Die richtige Atemschutzmaske für COPD-Patienten

Nach Einschätzung des Bundesverbands der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP) in Berlin sollten auch Menschen mit Atemwegserkrankungen in öffentlichen Räumen eine Maske tragen. Für COPD-Patienten kann die Atemschutzmaske aber zum Problem werden. Durch die Maske fällt das Atmen schwerer und die Angst vor Atemnot kann das subjektive Gefühl keine Luft zu bekommen zusätzlich verstärken. Deshalb ist die Wahl der richtigen Maske für COPD-Patienten entscheidend.

Filtrierende Atemschutzmasken (FFP2 und FFP3) haben zwar eine virale Schutzwirkung für den Träger, indem sie kleinste Partikel aus der Luft filtern. Da gegen einen Widerstand geatmet wird, können sie bei COPD-Patienten aber erhebliche Luftnot auslösen und sind weniger geeignet. Anders ist es bei Mund-Nasen-Bedeckungen (chirurgische Masken oder selbsthergestellte Masken). Sie bieten einen geringeren Schutz als filtrierende Masken, haben aber den Vorteil, dass Patienten nicht gegen einen Widerstand atmen und weniger Kraft aufwenden müssen. Durch das Tragen der Maske kann es zwar zu weniger Abatmung von Kohlendioxid kommen, da ein Teil der Luft zwischen Mund/Nase und den Bronchiolen hin- und hergeatmet wird, was den Partialdruck des Kohlendioxids (pCO2) steigen lässt. In der Regel kann der Träger die Maske aber rechtzeitig abnehmen, bevor es zu einem bedrohlichen Anstieg kommt.

Sollte das Tragen der Maske trotzdem Probleme bereiten, können sich COPD-Patienten an ihren Arzt wenden und sich gegebenenfalls mit einem Attest von der Maskenpflicht befreien lassen. Nach Einschätzung des BdP ist dies jedoch nur in seltenen Fällen nötig.

COPD und Corona: Was tun, wenn Corona-Symptome auftreten?

Symptome, die laut RKI auf eine Corona-Infektion hindeuten können, sind:

  • Husten (tritt bei etwa 50 % der Infizierten auf)
  • Fieber (41 %)
  • Schnupfen (21 %)
  • Lungenentzündung (Pneumonie) (2,8 %)

Weitere Symptome, die auftreten können, sind: Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie und Benommenheit.

COPD-Patienten, die den Verdacht haben, sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu haben, sollten nach Empfehlung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) folgende Verhaltensregeln beachten: 

  • Zuhause bleiben und Kontakte meiden
  • Verhaltens- und Hygieneregeln einhalten
  • Telefonisch an den Hausarzt oder, wenn dieser nicht erreichbar ist, unter der Nummer 116117 an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden
  • Den ärztlichen Anweisungen folgen
  • Im Notfall die 112 wählen

Der behandelnde Arzt wird entscheiden, ob ein Test mittels Abstrich aus dem Nasen-, Mund-, Rachenbereich oder abgehustetem Sekret sinnvoll ist. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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