Ein Bäcker knetet Brot auf einem mehlbedeckten Tisch (Symbolbild).
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Allergierisiko: Auch Bäcker leiden häufig an einer berufsbedingten Allergie (Symbolbild).

Allergie am Arbeitsplatz

Berufsbedingte Allergien: Bäcker, Maler und Friseure –diese Berufsgruppen sind besonders betroffen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Berufsbezogene Kontaktallergien treffen einige Risikogruppen besonders hart. Welche Berufe dazugehören und welchen Schutz das Arbeitsrecht bietet.

  • Für einige Berufsgruppen besteht ein erhöhtes Risiko eine Allergie zu entwickeln.
  • Asthma, allergische Rhinitis und Kontaktekzeme machen vielen Arbeitnehmern das Leben schwer.
  • Wenn die Berufsunfähigkeit droht, ist eine Umschulung sinnvoll.

München – Bäcker leiden häufig unter einer Mehlstaub-Allergie, Friseure reagieren auf Färbemittel und Maler auf Lacke oder Lösemittel - Allergien zählen zu den häufigsten Erkrankungen im Berufsleben. Doch berufsbedingte Allergien sind für Unternehmen und Mitarbeiter meist ein schwerwiegendes Problem. Denn wer einmal unter eine allergische Reaktion entwickelt, leidet meist sein ganzes Leben unter den Symptomen.

Damit eine Allergie erst gar nicht auftreten, sollten Unternehmen frühzeitig vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um die Ursachen sowie allergieauslösende Substanzen möglichst zu vermeiden. Doch kann aus betrieblichen Gründe keine Ursachenbekämpfung erfolgen, bleibt Betroffenen meist nur ein Berufswechsel.

Berufsbedingte Allergien im Überblick

Berufsbedingte Allergien sind in vielen Berufen als Risikofaktor bekannt. Sie können durch die Arbeit mit festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen, die mit Allergenen angereichert sind, auftreten. Laut Ärzte Zeitung stehen Hautschädigungen bei allen gemeldeten Berufskrankheiten an erster Stelle der Symptome. Davon betroffen sind unter anderem Friseure sowie Pflege- und Reinigungskräfte. Sie gehen täglich mit Chemikalien, Shampoos, Haarfarben, Reinigungsmitteln und nickelhaltigen Geräten um. Im Bereich der Bauwirtschaft und der verarbeitenden Industrie sind zudem zahlreiche Fälle von Kontaktallergien sowie Schädigungen der Atemwege bekannt.

Die Einschätzung, ob eine berufsbedingte Allergie auch eine Berufskrankheit ist oder nicht, hängt von der Schwere und Häufigkeit der Einschränkungen ab. Laut der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft liegt eine Berufskrankheit vor, wenn ein Arbeitnehmer schwer und wiederholt unter einer Hauterkrankung leidet. Hierzu zählen Krankheiten, die sich der Versicherte durch seine Arbeit erwirbt und die entweder in der Liste der Berufskrankheiten geführt sind oder deren berufliche Verursachung durch neueste medizinische Erkenntnisse nachgewiesen ist. 

Berufsbedingte Allergien: Symptome und Ursachen

Eine Allergie ist eine überschießende Immunreaktion des Körpers auf eine normalerweise völlig ungefährliche Substanz. Es treten Symptome auf, welche die Arbeitsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden stark beeinträchtigen können:

  • geschwollene Schleimhäute, Schnupfen und Niesreiz
  • Atemnot und allergisches Asthma
  • Juckreiz, Rötungen und Hautausschlag
  • Brennende und/oder tränende Augen
  • Kreislaufzusammenbruch oder anaphylaktischer Schock
  • Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Magen-Darm-Verstimmung

Bei der Entstehung einer Allergie spielen verschiedene Faktoren, wie die genetische Vorbelastung und die Umgebung, eine Rolle. So können Personen, die beruflich regelmäßig mit allergieauslösenden Stoffen zu tun haben, eine berufsbedingte Allergie entwickeln. Neben den genannten Berufsgruppen zählen hierzu auch Tätowierer und Mediziner, denn selbst Latexhandschuhe und Tätowierfarben können Allergie hervorrufen. 

Berufsbedingte Allergien: Vorbeugung und Arbeitsschutz

Um eine berufsbedingte Allergie zu vermeiden, müssen Betriebe entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen. So sollten allergieauslösende Stoffe möglichst aus der Arbeitsumgebung entfernt werden. Für Friseure, Reinigungskräfte, Gärtner und Textilarbeiter empfiehlt sich das Tragen von Schutzhandschuhen. Diese verhindern, dass die Haut mit den allergieauslösenden Stoffen in Berührung kommt. Imker hingegen tragen einen Ganzkörper-Schutzanzug, der vor Insektenstichen bewahrt. Wer wie Maler oder Drucker mit Lacken oder Lösemitteln arbeitet, sollte außerdem die Atemwege schützen. Dies kann durch Kabinen mit Absaugvorrichtung oder mittels Atemschutzmasken am Arbeitsplatz erfolgen.

Zur Vorbeugung berufsbedingter Allergien werden zudem immer wieder entsprechende Stoffe aus den Listen der zugelassenen Materialien gestrichen. So wurde in der Vergangenheit zum Beispiel die Verwendung von Nickel für Schmuck und andere Bedarfsgegenstände untersagt. Die Grenzwerte liegen hier bei einer Freisetzung von maximal 0,5 my Nickel pro cm² je Woche. Maßgeblich sind dabei die Teile des Gegenstands, die unmittelbar und länger mit der Haut in Berührung kommen. Neben Schmuck könnten das auch Scheren, Gehäuse von Elektrogeräten, Armaturen, Transportmittel, Reinigungsgeräte und Ähnliches sein.

Berufsbedingte Allergien: Welche Berufe gehören zur Risikogruppe?

Nicht bei allen Berufen ist das Risiko gleich hoch an einer Allergie zu erkranken. So treten laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) berufsbedingte Allergien vor allem in folgenden Bereichen auf:

  • Friseure
  • Reinigungspersonal
  • Bäcker, Köche und Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie
  • Bauarbeiter, Maler und Lackierer
  • Gärtner
  • Textilarbeiter
  • medizinisches Personal
  • Tätowierer
  • Mitarbeiter in der Kunststoffindustrie
  • Mitarbeiter in der Holz- und Metallindustrie

Berufsbedingte Allergien: Behandlungsmöglichkeiten

Eine berufsbedingte Allergie kann sich bei Nichtbehandlung zu einer ausgeprägten Berufskrankheit entwickeln, die im schlimmsten Fall mit der Berufsunfähigkeit enden kann. So ist es beispielsweise möglich, dass ein Friseur seiner Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann, weil sich aus einer leichten Allergie gegen die Farbstoffe im Haarfärbemittel mit der Zeit ein Kontaktekzem entwickelt hat. Für Bauarbeiter wie Maurer oder Polierer ist eine beruflich bedingte Allergie gegen Betonstaub ebenfalls ein triftiger Grund, entsprechende Arbeiten so gut es geht zu meiden. 

Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München schlägt daher ein mehrstufiges System vor, um berufsbedingte Allergien – und damit die drohende Berufsunfähigkeit – zu vermeiden:

  1. Sind die Ursachen für die Allergiereaktion bekannt?
  2. Gibt es ungefährliche Ersatzstoffe, die verwendet werden können?
  3. Lässt sich der Allergenkontakt durch technische Maßnahmen, zum Beispiels Absauganlagen, reduzieren?
  4. Lässt sich der Kontakt mit dem Allergen durch organisatorische Maßnahmen, zum Beispiel einen Standortwechsel, vermeiden?
  5. Steht Schutzkleidung für die betreffende Person zur Verfügung?

Berufsbedingte Allergien: Wie lassen sich allergische Erkrankungen verhindern?

Viele berufsbedingte Allergien lassen sich vermeiden oder abschwächen, wenn rechtzeitig entsprechende Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Die Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger sind daher daran interessiert, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen. Sie halten die Mitarbeiter dazu an, schon bei kleinsten allergischen Reaktionen den Arzt aufzusuchen. Außerdem werden Schulungen für einen optimalen Hautschutz angeboten, welche von Berufsgruppen wie Friseuren, aber auch anderen Gewerken gerne in Anspruch genommen werden. 

Wer sich die Präventionsmaßnahmen nicht zu Herzen und erste Symptome nicht ernst nimmt, der riskiert später eine Anerkennung der Berufsunfähigkeit. Denn die Berufsgenossenschaft kann Anträge auf Berufsunfähigkeit wegen berufsbedingter Allergien auch ablehnen, wenn die Entwicklung der entsprechenden Allergie bei einer rechtzeitigen Behandlung und angemessenen Schutzmaßnahmen hätte verhindert werden können. Dies ist für Betroffene meist doppelt schmerzhaft.

Berufsbedingte Allergien: Umschulung und andere Optionen

Laut Arbeitsrecht steht Mitarbeitern eine Umschulung zu, wenn berufsbedingte Allergien nicht durch andere Maßnahmen vermeidbar oder gar heilbar sind. Alternativ kann eine Versetzung an einen anderen Standort oder Posten sinnvoll sein, wenn damit die Ursache der Allergie aus der Welt geschafft wird.

Bei einer Umschulung sollte das Unternehmen darauf achten, die Mitarbeiter weiterhin möglichst nützlich in den Betrieb einzubinden. Erfahrungen in der praktischen Tätigkeit lassen sich eventuell für den Vertrieb oder den Kundenservice nutzen. Zudem könnten einzelne Weiterbildungsangebote die Grundlage für einen Aufgabenwechsel bilden. Unter bestimmten Umständen stehen für diese Maßnahmen Gelder und Schulungsangebote zur Verfügung.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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