Zwei Personen färben einer Frau in einem Friseur-Salon die Haare blond (Symbolbild).
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Durch Allergene in verschiedenen Arbeitsmaterialien ist der Friseurberuf mit einem erhöhten Allergie-Risiko verbunden (Symbolbild).

Krank durch den Job

Berufsbedingte Allergien: Was Betroffene zu Berufskrankheiten wissen müssen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, ist oft nicht einfach. Meist wird nur ein Teil der gemeldeten Fälle bestätigt. Betroffene sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen.

Berlin/Gelsenkirchen/München – Im besten Fall lässt sich durch den Beruf nicht nur Geld verdienen, sondern auch Spaß haben. Doch das Arbeitsleben kann auch die Gesundheit beeinträchtigen, zum Beispiel wenn der Job eine Berufskrankheit auslöst. Wer den Verdacht hat, durch den Beruf gesundheitliche Folgen zu spüren, sollte das der zuständigen Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse melden. Der Weg bis zu Anerkennung einer Berufskrankheit ist dann - wenn überhaupt - meist ein langer, aber wichtig.

Berufsbedingte Allergien: Was ist eine Berufskrankheit?

Die Bundesregierung stuft Erkrankungen als Berufskrankheiten ein, wenn sie auf der Liste der Berufskrankheiten aufgeführt sind und durch eine berufliche Tätigkeit verursacht wurden. Insgesamt finden sich auf der Liste 80 Krankheiten, die nach medizinisch-wissenschaftlichem Verständnis „durch besondere Einwirkungen“ ausgelöst werden. Beispiele sind etwa durch chemische Einwirkungen verursachte Leiden. „Oder beispielsweise Krankheiten, die durch Asbest hervorgerufen werden“, sagt Jens-Oliver Siebold, Fachanwalt für Sozialrecht.

Weitere möglicher Auslöser sind physikalische Einwirkungen wie Druck und Vibrationen, Lärm, das Tragen von schweren Lasten, durch Infektionserreger oder Parasiten verursachte Krankheiten sowie Tropenkrankheiten, Erkrankungen der Atemwege und der Lungen (darunter obstruktive Atemwegserkrankungen wie COPD, Exogen-allergische Alveolitis) und Hauterkrankungen. Bei Gesundheitsberufen wird inzwischen auch Covid-19 als Berufskrankheit anerkannt.

Berufsbedingte Allergien: Branchen, in denen Berufskrankheiten besonders häufig sind

„Zu den häufigsten Berufskrankheiten zählen Hauterkrankungen und Lärmschwerhörigkeit“, sagt Biesel. Diese Krankheiten können Menschen in sehr unterschiedlichen Berufen treffen, etwa Reinigungskräfte, Friseure oder Pflegefachkräfte. Bei ihnen ist das Risiko an Hautekzemen zu erkranken erhöht. In der Metallverarbeitungsbranche kann es dagegen zu lärmintensiven Abreiten mit Druckluftwerkzeugen kommen.

Berufsbedingte Allergien: Besonderheit bei Allergien

Damit eine Allergie als Berufskrankheit anerkannt wird, muss die Sensibilisierung laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München im Berufsalltag stattgefunden haben. Besteht zum Beispiel eine Nickelallergie, bei der bis zu 40 Prozent der Allergiker später ein Handekzem entwickeln, kann ein Zusammenhang meist nur schwer nachgewiesen werden. Denn Möglichkeiten, sich zu sensibilisieren, gibt es auch im privaten Alltag viele. Aus diesem Grund werden Nickelallergien nur selten als Berufskrankheit eingestuft. Berufe, die eine Nickelallergie begünstigen können, sind zum Beispiel:

Bei Hauterkrankungen kommt eine weitere Voraussetzung hinzu. So ist es für die Anerkennung als Berufskrankheit meist nötig, dass die Krankheit einen bestimmten Schweregrad erreicht oder wiederholt auftritt, weshalb Betroffene ihren Beruf aufgeben müssen.

Berufsbedingte Allergien: Wie sollen Betroffene im Falle einer Berufskrankheit vorgehen?

Besteht der Verdacht, dass eine Berufskrankheit vorliegt, sollten dieser den Unfallversicherungsträgern gemeldet werden. „Dazu sind Ärzte sowie Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet“, erklärt Biesel. Auch die Krankenkassen können den Unfallversicherungsträgern entsprechende Hinweise geben, ebenso wie Betroffene selbst.

Im Anschluss ermitteln Berufsgenossenschaften und Unfallkassen von Amts wegen den Sachverhalt. Dabei werden Krankengeschichte und Arbeitsvorgeschichte berücksichtigt. Unter Umständen wird auch der Arbeitsplatz besichtigt und die Belastung vor Ort gemessen.

Zudem kann es hilfreich sein, zur Klärung des Sachverhalts einen Fachanwalt für Sozialrecht hinzuzuziehen und das weitere Vorgehen abzustimmen. Die Beweisführung liegt bei Verdacht auf eine Berufskrankheit nämlich bei den Beschäftigten. So müssen Betroffene etwa stichhaltige Beweise für den Verdacht auf eine Berufskrankheit vorlegen. Dazu kann es sinnvoll sein, Kontakt mit Kollegen aus der Vergangenheit aufzunehmen, die gesundheitsschädigende Einwirkungen am Arbeitsplatz bezeugen können.

Berufsbedingte Allergien: Warum ist eine Anerkennung der Berufskrankheit wichtig?

Bei einer Berufskrankheit ist es die Aufgabe des Unfallversicherungsträgers, Betroffenen zu helfen und mit allen geeigneten Mitteln die Folgen der Erkrankung zu mildern. Etwa werden Leistungen wie medizinische Versorgung und Rehabilitation bis hin zu beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen von der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen. Ab einer anhaltenden Erwerbsfähigkeitsminderung ab 20 Prozent, zahlt die Unfallversicherung zudem Rente.

Berufsbedingte Allergien: Wie beeinflusst eine Berufskrankheit das weitere Arbeitsleben?

Welchen Einfluss eine Berufskrankheit auf das weitere Arbeitsleben hat, lässt sich pauschal schwer beantworten - denn die Auswirkungen hängen maßgeblich vom jeweiligen Krankheitsbild und der Schwere der Erkrankung ab. So können Betroffene etwa bei einer anerkannten Lärmschwerhörigkeit häufig weiterarbeiten. Sie bekommen Unterstützung durch ein Hörgerät und werden darüber aufgeklärt, wie sie sich beim Arbeiten in Zukunft besser schützen können. In einigen Fällen sind die Beeinträchtigungen aber so stark, dass der Beruf aufgegeben werden muss. Dann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung eine Umschulung. (Mit Material von Sabine Meuter/dpa).

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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