Ein junger Mann asiatischer Herkunft sitzt auf der Couch und winkt in ein Tablet (Symbolfoto)
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In der Corona-Krise finden viele Kontakte digital statt (Symbolfoto).

Sozialpsychologie

Corona-Krise und soziale Kontakte: Warum Textbotschaften stärker verbinden als Video-Calls

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Video-Calls statt Team-Meetings, Chat-Nachrichten statt live-Begegnungen mit Freunden. Die digitale Kommunikation bekommt in Zeiten der Pandemie eine große Bedeutung. Eine Studie zeigt, welche Methode am besten hilft, um trotz Distanz in Verbindung zu bleiben.

Duisburg/Essen (dpa/tmn) – Corona hat unser Kommunikationsverhalten komplett auf den Kopf gestellt. Wo persönliche Begegnungen fehlen, kann aber die digitale Kommunikation helfen, Kontakte am Leben zu erhalten und das Gefühl von Einsamkeit zu nehmen. Doch welche Form der digitalen Begegnung ist gut geeignet?

Corona-Krise und soziale Kontakte: Video-Telefonie nicht immer hilfreich

Videoanrufe funktionieren zum Beispiel unvermittelt, zeigen das Gegenüber und sprechen mehrere Sinne an. Trotzdem sind sie nicht immer der beste Weg, in Kontakt zu bleiben, wie jetzt eine Studie auf Basis mehrerer Online-Befragungen während des ersten Lockdowns aus dem Jahr 2020 zeigt. Studienleiterin Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Duisburg-Essen, hat gemeinsam mit ihrem Team ermittelt, was stattdessen besser funktioniert.

Demnach hilft das Verschicken von kleinen Nachrichten über Messenger, etwa Textbotschaften oder Videos, besser um in Kontakt zu bleiben, als Videokonferenzen. „Das ist spannend, weil man ja bei digitalem Kontakt theoretisch eher davon ausgehen würde, je näher an der Face-to-Face-Kommunikation, desto besser“, sagt Prof. Krämer.

Corona-Krise und soziale Kontakte: Kurznachrichten sind zur Kontaktpflege gut geeignet

Über Videoanrufe würden ja auch mehr Emotionen übertragen. „Unsere Forschung hat jetzt aber gezeigt, dass das nicht mehr hilft.“ Das Gegenteil sei der Fall: „So eine schnell verschickte Textnachricht kann eher dazu führen, dass man das Gefühl hat, andere sind mir nahe“. Die Professorin für Sozialpsychologie erwartet dabei keinen Unterschied zwischen Videotelefonie und klassischen, sprachbasierten Telefonaten. „Auch in anderen Studien hat sich schon gezeigt, dass das Sehen der Leute dann keinen zusätzlichen Effekt mehr bringt“, so Krämer.

Vor allem in Zeiten der Pandemie ist Kommunikation auf Distanz ein wichtiges Mittel, um das Wohlbefinden isolierter Menschen zu erhalten. Durch kleine Botschaften kann man der Professorin zufolge gut signalisieren: „Ich bin hier für dich, ich denk an dich“. Vergleichbar sei das zwar keinesfalls mit der Nähe im direkten Kontakt in einem Raum. Dennoch könnten diese digitalen Kontakte das Gefühl von Zugehörigkeit und Eingebunden-Sein in eine Gemeinschaft vermitteln.

Corona-Krise und soziale Kontakte: Kommunikationsverhalten verändert sich stark

Die Forscher sind in ihrer Erhebung auch der Frage nachgegangen, wie gut es den Menschen in Abhängigkeit davon, welche Art von digitaler Kommunikation sie nutzen, gelingt, sich an die Maßnahmen zum Schutz vor Corona zu halten. „Da sind alle Nachrichten, die über Messenger kommen, offensichtlich hilfreicher, um die Leute bei der Stange zu halten, damit sie die Maßnahmen einhalten, als die Videotelefonie“, erklärt Prof. Krämer.

Die Expertin vermutet, dass durch Videotelefonie die Sehnsucht größer wird, sich real wieder zu sehen. Dadurch könne das Gefühl des Vermissens wieder sehr stark werden. Und das wiederum kann bei anhaltenden Lockdowns zu großem Frust führen.

Inwieweit die Folgen der Corona-Pandemie unser gesamtes Kommunikationsverhalten verändern wird, können die Forscher noch nicht beantworten. Aber: „Ich glaube, ein Teil wird erhalten bleiben, was ja auch gut ist“, so Krämer. Ältere Personen hätten den Umgang mit der Technik gelernt, weil es notwendig gewesen sei, um mit Enkeln in Kontakt zu bleiben. Arbeitnehmer arbeiten im Homeoffice hauptsächlich mit Video-Calls.* Krämer: „Aber der Wunsch nach Präsenz-Umgang wird wieder so sein wie vor der Pandemie.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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