Der Juckreiz, der nicht verschwinden will: Ein Mann kratzt sich an der Schulter (Symbolbild).
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Juckreiz ist ein häufiges Symptom bei Neurodermitis. Tritt die Hautkrankheit in Verbindung mit einer Nahrungsmittelallergie auf, muss die Ernährung angepasst werden (Symboldbild).

Neurodermitis und Ernährung

Neurodermitis: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Hautkrankheit?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Als Hautkrankheit wird Neurodermitis häufig mit Ernährung in Verbindung gebracht. Ein grundsätzlicher Zusammenhang lässt sich wissenschaftlich zwar nicht belegen, bei einer diagnostizierten Nahrungsmittelallergie können bestimmte Nahrungsmittel die Neurodermitis aber triggern und sollten gemieden werden.

  • Welche Rolle die Ernährung bei Neurodermitis spielt
  • Wann es sinnvoll ist, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten
  • Ernährung in der Schwangerschaft: Neurodermitis beim Kind vorbeugen

Berlin – In Deutschland werden nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) in Berlin jedes Jahr 2 bis 4 Prozent der Erwachsenen, 8 Prozent der Schulkinder und 23 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder wegen einer Neurodermitis behandelt. Der Krankheitsverlauf der Neurodermitis (auch „atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“) ist sehr individuell, oft fordert die Behandlung Geduld und verschiedene Therapien sind erst in ihrer Kombination wirksam. Welche Rolle dabei der Ernährung als therapeutische Maßnahme zukommt, ist umstritten. Lesen Sie hier, was Sie über Ernährung bei Neurodermitis wissen müssen.

Neurodermitis: Welchen Einfluss hat die Ernährung auf die Hautkrankheit?

Es gibt bisher wenige Studien, die den Zusammenhang von Ernährung und Neurodermitis untersuchen. Wissenschaftlich ist nicht belegt, dass der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel die Beschwerden lindert. Dennoch hält sich der Glaube hartnäckig, dass die Ernährung Symptome eine Neurodermitis verschlimmern oder sogar hervorrufen kann. Laut der europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in Berlin sollten Neurodermitis-Patienten auf eine ausgewogene und an den Bedürfnissen orientierte Ernährung achten. Häufig werden „auf gut Glück“ Lebensmittel wie Zucker, Milchprodukte und Eier weggelassen. Die Wirksamkeit solcher Ernährungsbeschränkungen ist aber nicht bestätigt und eigenmächtig durchgeführte Auslassdiäten können zu einem Mangel an Mineralien, Nährstoffen und Vitaminen führen.

Anders sieht es aus, wenn die Neurodermitis in Zusammenhang mit einer Nahrungsmittelallergie (auch „Lebensmittelallergie“) auftritt. IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien können mögliche Triggerfaktoren der Erkrankung sein und die Ekzeme verschlimmern. Untersuchungen zeigen, dass etwa jedes zweite Kind mit Neurodermitis auf bestimmte Nahrungsmittel sensibilisiert ist. Nahrungsmittelallergien führen aber nur bei jedem dritten Kind mit mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis zu einer Verschlechterung der Ekzeme. Wird der Krankheitsverlauf durch eine Nahrungsmittelallergie beeinflusst, sollten auslösende Lebensmittel oder Nahrungsmittelbestandteile aus dem Speiseplan gestrichen werden (Allergenkarenz). Da der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel auch zu einer Mangelernährung führen kann, sollten Diäten immer mit einem Arzt abgestimmt von einem geschulten Ernährungsberater betreut werden.

Neurodermitis und Ernährung: Nahrungsmittelallergien feststellen

Ob und welche Nahrungsmittel Probleme bereiten ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mit einem Allergietest (Pricktest) kann der behandelnde Arzt feststellen, ob eine Nahrungsmittelallergie besteht und eine Ernährungsumstellung geboten ist. Bei Babys und Kleinkindern ist ein Test auf eine Eiallergie, eine Kuhmilchallergie, eine Weizenallergie, eine Erdnussallergie sowie Haselnuss- und Soja-Allergie sinnvoll. Zusätzlich können Betroffene und Eltern in einem Neurodermitis-Tagebuch (Symptom-Tagebuch) notieren, welche Nahrungsmittel Probleme bereiten und die Beobachtungen anschließend mit dem Allergologen besprechen.

Neben Nahrungsmittelallergien können auch künstliche und natürliche Inhaltsstoffe bei einzelnen Patienten einen Neurodermitisschub auslösen oder verstärken (sogenannte Pseudoallergien). Pseudoallergische Reaktionen lassen sich leider nicht mit einem Allergietest feststellen, da keine immunologische Reaktion nachweisbar ist. Bekannte Auslöser von Pseudoallergien sind:

  • Zusatzstoffe (Azofarbstoffe, Farbstoffe und Konservierungsstoffe)
  • Natürliche Inhaltsstoffe (z.B. Salicylsäure und Benzoesäure, Aromastoffe in Tomaten, Gewürzen)
  • Zitrusfrüchte, Zitronensäure
  • Geschmacksverstärker

Neurodermitis und Ernährung: Ekzemverschlechterung durch Kreuzallergien

Bei Jugendlichen und Erwachsenen können Kreuzallergien die Neurodermitis beeinflussen. So kann der Verzehr von bestimmtem Obst (Steinobst und Kernobst) sowie Nüssen die Symptome verschlimmern. Die Reaktion wird hier nicht durch eine klassische Nahrungsmittelallergie, sondern eine pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie hervorgerufen. Ursache der Beschwerden ist dann eigentlich eine Pollenallergie (Heuschnupfen). Kreuzallergien verschlechtern etwa bei der Hälfte der Neurodermitikern die Ekzeme. Patienten sollten aber auch hier auf Pauschal-Diäten verzichten und nur die Lebensmittel aus dem Speiseplan nehmen, die das Hautbild tatsächlich nachweislich verschlechtern.

Neurodermitis und Ernährung: Höheres Risiko für Nahrungsmittelallergien durch Neurodermitis?

Wissenschaftlich belegt ist, dass Babys, bei denen Ekzeme in den ersten drei Lebensmonaten auftreten oder die an einer mittelschweren bis schweren Neurodermitis im ersten Lebensjahr leiden, ein erhöhtes Risiko für Nahrungsmittelallergien haben. Der Grund: durch die geschädigte Hautbarriere kommt es beim Kontakt mit Allergenen häufiger zu Sensibilisierungen (Nachweis von IgE-Antikörpern im Blut). Ist der Körper einmal auf ein Allergen sensibilisiert und das Immunsystem alarmiert, kann es bei erneutem Kontakt zu allergischen Reaktionen auf das Nahrungsmittel kommen. 

Neurodermitis und Ernährung bei Baby und Kind: Was sollte beachtet werden?  

Eine ausgewogene Ernährung ist für die Entwicklung von Kindern unverzichtbar, weshalb pauschale Diäten nicht zu empfehlen sind. Es sollten immer nur die Lebensmittel gemieden werden, die wirklich Beschwerden hervorrufen. Das Helmholtz Zentrum München weist darauf hin, dass ein dauerhafter Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel ohne Diagnose einer Nahrungsmittelallergie vermutlich sogar kontraproduktiv ist, da er die Toleranz für bestimmte Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile mindern kann. Zudem können sich Allergien bei Kindern im Laufe des Älterwerdens verändern oder ganz verschwinden. Eine Auslassdiät bzw. Eliminationsdiät ist also häufig nur zeitlich begrenzt nötig und Allergietests und Kontrolluntersuchungen sollten im Abstand von ein bis zwei Jahren wiederholt werden. Werden Lebensmittel nach einer bestimmten Zeit wieder vertragen, spricht man von Toleranzentwicklung

Neurodermitis und Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit: Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Neurodermitis-Prävention?

Wissenschaftlich belegt ist, dass Mütter mit der richtigen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit das Neurodermitis-Risiko des Kinders senken können. Nach der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) zur Allergieprävention sollten Eltern Folgendes beachten: 

  • Babys sollten in den ersten 4 Monaten ausschließlich gestillt werden
  • Ist Stillen nicht möglich oder nicht ausreichend Muttermilch vorhanden, sollte mindestens bis zum vollendeten 4. Monat Muttermilchersatznahrung gegeben werden
  • Schwangere und stillende Mütter sollten auf eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung achten. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von Fisch in der Schwangerschaft atopischen Erkrankungen des Kindes vorbeugen kann
  • Eine allergenarme Ernährung der Mutter zur Vorbeugung von Neurodermitis beim Baby wird nicht empfohlen
  • Eltern sollten ihren Kindern Beikost frühestens ab dem vollendeten 4. Lebensmonat geben. Ein präventiver Effekt durch Verzögerung der Beikostgabe über den 4. Monat hinaus ist wissenschaftlich nicht gesichert
  • Präventive Diäten ab dem 1. Lebensjahr sollten nicht durchgeführt werden. Es gibt keine Belege dafür, dass das Meiden von potenten Nahrungsmittelallergenen das Allergierisiko senkt

Ernährungstipps bei Neurodermitis

Ein paar einfache Ernährungsgewohnheiten können Neurodermitikern den Alltag erleichtern: Wer sensibel auf Inhaltsstoffe wie Azofarbstoffe, Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Zitronensäure reagiert, sollte so oft wie möglich selber kochen. Denn: synthetische Inhaltsstoffe sind Bestandteil vieler Fertiggerichte. Industriell verarbeitete Lebensmittel enthalten zudem häufig Hühnerei, Kuhmilch, Weizen, Soja, Nüsse und Fisch. Auch wenn diese Allergene nicht als Inhaltsstoffe auf der Verpackung angegeben sind, können sie als Spuren enthalten sein und bei einer Nahrungsmittelallergie Neurodermitis-Symptome auslösen.

Werden rohe Lebensmittel wie Obst und Gemüse nicht so gut vertragen, kann es helfen, sie anzudünsten. Zudem sollten Neurodermitiker pflanzliche Fette mit mehrfach-ungesättigten Fettsäuren (z.B. Olivenöl) statt tierische Fette wie Butter verwenden. Alkohol und säurehaltige bzw. scharfe Nahrungsmittel (z.B. kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, stark gewürztes Essen) sollten nur in Maßen genossen oder ganz aus dem Speiseplan gestrichen werden, da sie die Symptome der Neurodermitis verschlimmern können.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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