Eine Frau mit freiem Oberkörper hält ein Brötchen vor ihren Bauch (Symbolbild).
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Reizdarmpatienten wird oft von Weizen abgeraten. Dabei sind fermentierte Weizenprodukte durchaus bekömmlich, wie Forscher nun herausgefunden haben (Symbolbild).

Studie zu Ernährung bei Reizdarm

Weizen bei Reizdarmsyndrom: Müssen Patienten auf Weizenbrot verzichten?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Brot aus Weizen galt lange als ungeeignet für Reizdarmpatienten. Dabei sind fermentierte Backwaren aus Weizen auch für Menschen mit Magen-Darm-Erkrankungen bekömmlich, wie Forscher aus Hohenheim nun herausgefunden haben.

Hohenheim – Backwaren aus Weizenmehl zählten lange zu den möglichen Auslösern oder Verstärkern von Reizdarm-Beschwerden. Forscher aus Hohenheim haben nun in einer Studie herausgefunden: Nicht die Getreidesorte, sondern die Art der Zubereitung von Getreideprodukten ist für die Verträglichkeit entscheidend. So enthalten die meisten Teigwaren bereits nach zwei Stunden Fermentierzeit einen deutlich geringerer Anteil an kurzkettigen Kohlenhydraten, die Verdauungsbeschwerden auslösen können.

Weizen bei Reizdarm: Deshalb reizen kurzkettige Kohlenhydrate (FODMAPs) den Darm

FODMAPs sind fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole, die bei Menschen mit Reizdarmsyndrom oder anderen Magen-Darm-Erkrankungen Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall auslösen oder verschlimmern können. Es handelt sich dabei um kurzkettige Zuckeralkohole, die in Getreide und auch in vielen Milchprodukten, Obst- und Gemüsesorten enthalten sind. Gelangen FODMAPs in den Dickdarm, werden sie dort von Bakterien der Darmflora durch Gärung zersetzt. Dabei entstehen Gase, die den empfindlichen Darm reizen können. Typische Symptome bei Reizdarm sind:

  • (krampfartiger) Bauchschmerz
  • veränderter Stuhlgang
  • Blähbauch (Meteorismus)
  • Völlegefühl/Blähungen
  • Schleimabgang beim Stuhlgang
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Verstimmung, Konzentrationsschwäche, Nervosität, Kreislaufbeschwerden

Ziel der Wissenschaftler der Universität Hohenheim war es, den FODMAP-Gehalt im Mehl von 21 Weizensorten und 42 Hefe-Sauerteigbroten zu untersuchen, die entweder mit einer kurzen Fermentierungsmethode von 110 Minuten oder einer langen Fermentierungszeit von 24 Stunden produziert wurden.

Weizen bei Reizdarm: Fermentierung reduziert FODMAPs im Getreide

Die Ergebnisse der Studie zeigen: Durch die Fermentierung hatten alle Brote im Schnitt einen um 65 Prozent verringerten FODMAP-Gehalt gegenüber den verschiedenen Weizenmehlsorten - nämlich im Schnitt 0,22 Gramm pro 100 Gramm Brot und damit deutlich weniger als ein Pfirsich (4 Gramm). Das Überraschende: Nach einem langen Fermentierungsverfahren, das der Brot-Herstellung im klassischen Bäckerhandwerk entspricht, war der FODMAP-Gehalt nur wesentlich geringer. Gemessen wurde der Gehalt von Fructan, Glucose und Fructose.

Prof. Dr. Bischoff vom Institut für Ernährungsmedizin in einer Pressemitteilung der Universität: „Es ist somit fraglich, ob eine FODMAP-Konzentration in Broten mit diesen niedrigen Werten medizinisch eine Auswirkung auf Patienten hat, und wenn doch, wie viele Patienten tatsächlich davon betroffen sind." Und: „Bei gesunden Personen gilt sogar, dass Teile dieser FODMAPs, nämlich das Fruktan, wichtig für die Darmbakterien sind.“

Der an der Studie beteiligte Bäcker Hermann Gütler: „Neben der Herstellungsweise des Brotes wirkt sich auch die Wahl der passenden Weizensorte sehr auf die Brotqualität aus“. Müller hat die 21 verschiedenen Weizensorten für die Studie vermahlen und ergänzt: „Das wissen wir für die Backeigenschaften schon lange und haben es nun eindeutig auch für die FODMAPs gezeigt.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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