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Zu viel Arbeit: Jährlich sterben einer Studie zufolge 745.000 Menschen an Überarbeitung

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Von: Christine Pander

Ein Mann in Business-Kleidung rennt im Hamsterrad (Symbolbild)

Karriereleiter oder Hamsterrad, manchmal gibt es keinen Unterschied (Symbolbild) © Sergey Nivens/Imago

Von innen sieht das Laufrad vielleicht aus wie eine Karriereleiter: Das kann ein gefährlicher Trugschluss sein. Jährlich fordern zu lange Arbeitszeiten einer neuen Studie zufolge 745.000 Tote.

Genf – Immer schneller, immer weiter, immer höher. Wer beruflich nach dieser Maxime lebt und sich keine angemessenen Erholungsphasen gönnt, setzt sein Leben aufs Spiel: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzen, dass im Jahr 2016 weltweit rund 398.000 Menschen an Schlaganfällen und etwa 347.000 an koronarer Herzerkrankung starben, weil sie 55 Wochenstunden oder mehr gearbeitet hatten.

Zu viele Arbeitsstunden: Gefährlicher Mix aus Arbeit und ungesundem Leben ist tödlich

Kein Job der Welt sei dieses Risiko wert, betont WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen sich gemeinsam auf Limits zum Schutz der arbeitenden Menschen einigen.“ Durch zu viel Arbeit seien im Jahr 2016 weltweit rund 23 Millionen gesunde Lebensjahre verloren gegangen.

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt der Analyse zufolge ab einer Wochenarbeitszeit von 55 Stunden rapide an. Jian Li von der Universität von Kalifornien in Los Angeles ist Mitautor der Studie und kennt die Fakten: Körperliche und psychische Belastung verursache diese Krankheiten, erklärt Jian Li . Zusätzlich gebe es indirekte Faktoren wie Rauchen, Alkohol, zu wenig Bewegung und Schlafmangel. In Kombination ein tödlicher Mix.

Diese Tipps können helfen, Burnout und Überarbeitung zu vermeiden:*

Im Auftrag von WHO und ILO wurden Umfragen zu Arbeitszeiten aus 154 Ländern ausgewertet. Anschließend haben die Forscher die Daten mit Studien über Schlaganfälle und Herzkrankheiten abgeglichen; insgesamt wurden so Informationen von 1,6 Millionen Teilnehmern abgeglichen. Es kam erstaunliches dabei zutage: Denn auch wenn in der Vergangenheit immer angenommen wurde, dass vor allem Menschen in asiatischen Ländern unter einer zu hohen Arbeitsbelastung leiden, sagt die aktuelle UN-Analyse etwas anderes. Prinzipiell kann es jeden treffen, zu jeder Zeit, überall. Das Phänomen der chronischen Überarbeitung ist längst ein globales.

Circa neun Prozent der Weltbevölkerung arbeiten den Forschern zufolge 55 Stunden oder mehr pro Woche. In Ostasien, Südostasien und dem indischen Subkontinent leiden Arbeiter besonders häufig an arbeitsbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ebenso in einigen Ländern Afrikas und in Südamerika. Der Grund: In diesen Regionen der Erde gibt es den Wissenschaftlern zufolge wenig oder kaum Regelungen zu Arbeitsverträgen, Arbeitszeiten und Arbeiterschutz.

Zu viele Arbeitsstunden: Forscher fordern Gesetze und Arbeitsnehmerschutz weltweit

Die geringsten Zahlen für Überarbeitung liegen für Nordamerika und Europa vor. Der Grund dafür ist den Forschern zufolge der stärker ausgeprägte Arbeitnehmerschutz. „Diese Maßnahmen scheinen also wirklich zu funktionieren“, sagt WHO-Experte und Hauptautor Frank Pega. WHO und ILO fordern deshalb, bestehende Arbeitszeitregeln umzusetzen und fehlende Gesetze einzuführen.

Und das möglichst schnell: Denn zwischen den Jahren 2000 und 2016 haben der Studie zufolge arbeitsbedingte Herzerkrankungen und Schlaganfälle mit tödlichem Ausgang rapide zugenommen. Die aktuelle Herausforderung an jeden Einzelnen durch die Corona-Pandemie und die daraus folgenden Einschränkungen könnten dies WHO-Chef Tedros zufolge verstärken: Beim Arbeiten zu Hause bestehe die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verwässern. Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Stellenabbau in vielen Betrieben verstärken Tedros zufolge den Effekt, dass aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, zu viel gearbeitet werde (mit Material von der dpa). *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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