Senioren sitzen auf einer Parkbank in Pillnitz bei Dresden (Symbolbild).
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Allergien wie Heuschnupfen können auch erst im Alter auftreten und sollten frühzeitig behandelt werden (Symbolbild).

 Allergien bei älteren Menschen

Allergien im Alter: Auch Senioren sind immer häufiger betroffen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Dass Allergien nur bei Kindern auftreten, war lange ein Irrglaube. Dabei können auch Menschen in höherem Alter noch eine Allergie entwickeln, die mit einigen Risiken verbunden ist. Symptome sollten deshalb frühzeitig erkannt und behandelt werden. Lesen Sie hier Wissenswerte zu Allergien im Alter.

  • Allergien können in jedem Lebensabschnitt und Alter auftreten.
  • Für einige Allergieauslöser kann eine bestimmte Altersgruppenverteilung beobachtet werden.
  • Immer mehr Senioren entwickeln Allergien im Alter, die das Immunsystem zusätzlich belasten

Düsseldorf – Allergien sind eine weit verbreitete Erkrankung. Die Anzahl Betroffener ist in den letzten Jahrzehnten stetig gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts in Berlin erkrankt jeder vierte Deutsche im Laufe seines Lebens an mindestens einer Allergie. Entgegen früherer Meinung, sind davon nicht nur Kinder und Jugendliche betroffen: Etwa jeder zehnte ältere Mensch ist erstmalig ab einem Alter von 65 Jahren mit einer Allergie konfrontiert. Allergien im Alter bergen einige Risiken, weshalb eine frühzeitige Behandlung wichtig ist.

Allergien im Alter: Ursachen

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf eigentlich harmlose Umweltstoffe, sogenannte Allergene. Es registriert den Fremdstoff, der über Schleimhäute, die Nahrung oder Injektion in den Körper gelangt, und leitet daraufhin eine Abwehrreaktion ein. Entwickeln sich Allergien erst im Alter, hat das meist mit Veränderungen des Immunsystems zu tun. Zum einen funktionieren die für die Immunabwehr wichtigen Mastzellen nicht mehr so gut, zum anderen produziert der Magen weniger Säure, sodass mehr Allergene über die Darmschleimhaut in den Körper gelangen.

Darüber hinaus nimmt die Schutzfunktion des gesamten Körpers ab, er wird anfälliger für Fremd- und Schadstoffe. So produziert die Haut weniger körpereigene Fette, wird trockener und dünner, was sie durchlässiger für Allergene macht. Die Folge können plötzlich auftretende Kontaktallergien (z.B. mit Nickel in Schmuck oder bestimmten Kosmetika) und unangenehmer Juckreiz (Pruritus) sein. Ohne eine rückfettende Basistherapie können sich Entzündungen und Ekzeme bilden, die den Juckreiz noch verstärken. Betroffene reagieren meist mit starkem Kratzen, das die Hautbarriere weiter schädigt und besonders nachts zu Unruhe und Schlaflosigkeit führt.

Während Kinder meist auf wenige Allergene, wie Pollen, Hausstaubmilben und Nahrungsmittel reagieren, spielen bei Erwachsenen und Senioren alle erdenklichen Allergene eine Rolle. Im Alter relevante Allergieauslöser sind:

  • Inhalationsallergene: (z.B. Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Holzstaub, chemische Dämpfe)
  • Chemische Kontaktallergene: (z.B. Nickel)
  • Tierische Kontaktallergene (z.B. Katzenallergene, Wolle)
  • Pflanzliche Kontaktallergene (z.B. Wiesenpflanzen)
  • Nahrungsmittel (z.B. Nüsse)
  • Nahrungsmittelbestandteile
  • Medikamente (z.B. Penecillin)
  • Kreuzallergien (z.B. bei Kern- und Steinobst)
  • Injektionsallergene (z.B. Insektengifte, Medikamente, Kontrastmittel)
  • Pseudoallergene (z.B. Feinstaub, Parfüm, Tabakrauch)

Allergie im Alter: Luftverschmutzung als Ursache?

Eine im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlichte Analyse des Leibniz-Instituts für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf zeigt außerdem einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und erstmalig im Alter auftretenden Ekzemen. Die Wissenschaftler werteten Daten der Langzeitstudie SALIA aus und kamen zu dem Schluss, dass eine langjährige Luftschadstoffbelastung das Risiko für Ekzeme ab einem Alter von 55 Jahren erhöht. Da viele Studienteilnehmer weder an Heuschnupfen leiden, noch vermehrt IgE-Antikörper im Blut oder eine genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen (z.B. Neurodermitis) aufweisen, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich bei Alters-Ekzemen um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Analyse der Krankenkasse KKH. Die Untersuchung ergab, dass immer mehr ältere Menschen unter Heuschnupfen leiden. So hat sich die Zahl der Allergiker über 80 seit dem Jahr 2008 mehr als verdoppelt. Grund dafür könnte auch hier die zunehmende Luftverschmutzung sein: Heften sich Luftschadstoffe (z.B. Ozon) an den Pollen an, werden diese aggressiver und verursachen häufiger allergische Reaktionen. Besonders oft lässt sich der Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Heuschnupfen im Alter in städtischen Ballungsgebieten beobachten.

Allergie im Alter: Gibt es eine Altersgruppenverteilung?

Grundsätzlich betreffen Allergien Menschen jeden Alters. Es lassen sich aber altersbedingte Häufungen beobachten. Während Kindern und Jugendlichen häufig von Nahrungsmittelallergien, Hausstauballergien und Pollenallergien betroffen sind, ist das Spektrum bei Erwachsenen und Senioren deutlich breiter. So können neben Heuschnupfen und Ekzemen auch eine Katzenallergie, eine Haustauballergie, eine Nahrungsmittelallergie sowie eine Alters-Neurodermitis auftreten. Während einige ältere Allergiker schon seit ihrer Kindheit betroffen sind, entwickeln andere im höheren Alter neue Allergien. Viele Symptome, wie allergischer Schnupfen, Asthma und Neurodermitis, bessern sich zunächst während der Pubertät und treten im mittleren oder höheren Erwachsenenalter wieder stärker hervor.

Allergie im Alter: Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Eine Zunahme von Allergien und Unverträglichkeiten im Alter kann auch auf veränderte Essgewohnheiten und Verwertungsstörungen zurückzuführen sein. So können auch ältere Menschen noch eine Laktoseintoleranz oder eine Allergie auf bestimmte Nahrungsmittelbestandteile entwickeln. Verantwortlich für eine Laktoseintoleranz ist das Enzym Laktase, das für die Spaltung des Milchzuckers nötig ist. Während Säuglinge zur Verdauung der Muttermilch noch große Mengen des Enzyms produzieren, stellt sich die Verdauung im Laufe des Lebens um und die Laktase-Produktion nimmt ab. Bei einigen Menschen fällt die Laktase-Produktion stärker ab als bei anderen. Die Laktose gelangt dann nahezu unverdaut in den Dickdarm, wo sie von Bakterien der Darmflora verstoffwechselt wird. Dabei entstehen Gase wie Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff und freie Fettsäuren, die Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Durchfälle (Diarrhoe) verursachen können.

Allergien im Alter: Diagnose durch Allergietests

Die Diagnose einer Allergie erfolgt meist in mehreren Schritten: Zu Beginn befragt der Arzt den Patienten in der Anamnese zur Krankengeschichte und möglichen Symptomen. Zudem stehen mehrere Testverfahren zur Allergie-Diagnostik zur Verfügung: So kann eine Allergiebereitschaft des Körpers bei Allergien des Soforttyps durch einen Hauttest nachgewiesen werden. Ist ein Hauttest aufgrund bestehender Hautveränderungen oder Hauterkrankungen des Patienten nicht durchführbar, kann ein Bluttest Hinweis auf mögliche Antikörper im Blut gegen bestimmte Allergene geben.

Bei Verdacht auf eine Laktoseintoleranz oder Fructoseintoleranz kann ein Wasserstoff-Atemtest durchgeführt werden. Bei dem Test wird die Wasserstoff-Konzentration der Atemluft gemessen. Liegt eine Intoleranz gegenüber Milchzucker oder Fruchtzucker vor, ist diese deutlich erhöht. Bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergien, Medikamentenallergien, Insektengiftallergien und allergischer Reaktionen der Augen, kann ein Provokationstest Aufschluss über mögliche Allergieauslöser liefern.

Allergien im Alter: Behandlung

Die meisten Behandlungsmöglichkeiten von Allergien im Alter sind, ähnlich wie bei jüngeren Patienten, symptomatisch - d.h. sie lindern die allergiebedingten Beschwerden, nicht aber die Ursache. So können Medikamente wie Antihistaminika in Tablettenform, als Nasenspray oder Augentropfen die allergische Reaktion des Körpers auf einen Allergenkontakt unterdrücken und Cortison als Wirkstoff in Cremes oder Nasensprays lokale Entzündungen der Haut hemmen. Um Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen, sollte die Einnahme von antiallergischen Medikamenten immer mit einem Arzt abgestimmt werden.

Die einzige Therapie, die die Ursache einer Allergie behandelt, ist die Hyposensibilisierung (auch „spezifische Immuntherapie“). Sie kann bei Allergien des Soforttyps angewendet werden und ist auch noch in fortgeschrittenem Alter möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass keine Beta-Blocker eingenommen werden. Allergien des Soforttyps sind beispielsweise Insektengiftallergien, Tierhaarallergien und Hausstauballergien. Ziel der Behandlung ist es, die Toleranz des Immunsystems gegenüber einem allergieauslösenden Stoff zu fördern. Dazu verabreicht der Arzt dem Patienten schrittweise zunehmende Konzentrationen des Allergens, bis ein Gewöhnungseffekt einsetzt. Auf diese Weise können extreme Reaktionen auf einen Allergenkontakt (Anaphylaxie) abgeschwächt und die Entstehung neuer Allergien verhindert werden. Studien zeigen, dass ältere Menschen vor allem dann von einer Hyposensibilisierung profitieren, wenn sie eine neue Allergie entwickelt haben.

Ein wichtiger Baustein der Allergie-Behandlung ist außerdem die Allergen-Vermeidung. Ist die Ursache einer Allergie gefunden, können mögliche Auslöser aus dem Umfeld entfernt oder zumindest durch entsprechende Maßnahmen gemieden werden. So kann etwa bei einer Schimmelpilzallergie die Sanierung des Hauses die Beschwerden lindern oder der Einsatz spezieller Bezüge für Bett und Polstermöbel den Kontakt zu Hausstaubmilben reduzieren.

Allergien im Alter: Risiken

Da viele Allergiesymptome den Symptomen typischer Alterskrankheiten ähneln, ist die Diagnose nicht immer einfach. So können Infekte, aufsteigende Magensäure (Alters-Rhinitis) oder altersbedingte überempfindliche Schleimhäute einen Fließschupfen auslösen, der oft mit allergischem Schnupfen verwechselt wird. Zudem können eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder eine Herzschwäche ähnliche Beschwerden hervorrufen wie allergisches Asthma. Bei Verdacht auf eine Allergie sollten Betroffene die Beschwerden deshalb in einem Symptom-Tagebuch notieren und anschließend mit einem Arzt (Allergologen) besprechen.

Da Allergien im Alter mit einigen Risiken verbunden sind und das Allgemeinbefinden stark beeinträchtigen können, sollten sie in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden. So können Heuschnupfen und Asthma das oftmals ohnehin angeschlagene Bronchialsystem von älteren Patienten stark belasten und weitaus schlimmere Auswirkungen haben als bei jüngeren Patienten.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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