Ein Junge mit dunkelbraunem Haar beißt in eine Karotte, seine Zahnlücken sind zu sehen (Symbolfoto)
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Sollen ja gesund sein: Karotten. Aber sind sie auch so gut für die Augen, wie immer behauptet wird? (Symbolfoto).

Gesunde Ernährung

Mythos Möhre: Sind Karotten tatsächlich so gesund für die Augen?

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Der Satz klingt vielleicht noch vielen Menschen in den Ohren: Iss Karotten, das ist gut für die Augen. Doch stimmt das überhaupt? Einige Fakten zum Gemüse:

Düsseldorf – Klar, Karotten sind Gemüse, daher kann es so ungesund nicht sein. Und außerdem spielen sie schon sehr früh im Leben eines Menschen eine Rolle: Mit Einführung der Beikost erhalten Babys oft als erste feste Nahrung quietschgelben Karottenbrei, quasi als direkte Folge der Milchernährungsphase. Kinder, die sehr viel Karottenbrei essen, nehmen manchmal deshalb sogar einen leicht orangen Hautton an.

Karotten-Mythos: Warum Augen Vitamin A benötigen

Hartnäckig hält sich der Mythos, Karotten seien so gesund. Das stimmt auch, denn Karotten liefern dem Körper Vitamin A. Bereits während der Schwangerschaft ist unter anderem Vitamin A der Grund, weshalb Nervenzellen gedeihen. Nach der Geburt ist es dafür zuständig, die Zellen gesund zu halten. Das Vitamin ist außerdem wichtig für das Knochenwachstum, es macht Haut und Schleimhäute robust und ja, es unterstützt die Entwicklung des Sehvermögens.

Hier ist besonders viel Vitamin A enthalten:

  • Karotten*
  • Spinat
  • Kürbis
  • Grünkohl
  • Innereien, z.B. Schweineleber

Vitamin A ist also wichtig, damit das Auge überhaupt funktioniert. Wer allerdings eine Sehschwäche entwickelt und plötzlich eine Brille benötigt, kann auch mit exzessivem Karotten-Verzehr nichts mehr beeinflussen. Experten des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) zufolge leidet in Deutschland niemand so stark an einem Vitamine A-Mangel, dass es sich auf die Sehstärke auswirken würde.

Nur in Entwicklungsländern ist dies aufgrund der Rahmenbedingungen anders: Der häufigste Grund für ein Erblinden von Kindern in Entwicklungsländern ist auf einen Vitamin-A-Mangel zurückzuführen. Denn besonders die Netzhaut, die sogenannte Retina, ist auf Vitamin A angewiesen. Es wird zur Bildung der Augenflüssigkeit benötigt, die dabei unterstützt, die Zellstruktur der Hornhaut  aufrechtzuerhalten. Wird zu wenig Vitamin A-haltige Kost aufgenommen, macht sich dies als Sehschwäche bemerkbar. Die Folgen können gravierend sein.

Karotten-Mythos: Sehstärke lässt sich über Möhrenverzehr nicht beeinflussen

Dann kann es zur Austrocknung der Hornhaut, zu Nachtblindheit und im schlimmsten Fall zur Einschmelzung der Hornhaut führen. Ursachen für einen Vitamin-A-Mangel sind eine einseitige Mangelernährung oder starke, anhaltende Durchfälle. In den Industrienationen ist es aber nahezu ausgeschlossen, das es zu einem Vitamin A-Mangel kommt.

Da Vitamin A nicht wasserlöslich ist, kann es im Körper nicht mit dem Urin ausgeschieden werden. Es wird daher in der Leber angesammelt. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Haut bei Menschen, die viele Karotten verzehren, manchmal vorübergehend orange einfärbt. Bei einer in Deutschland typischen Ernährung ohne Nahrungsergänzungsmittel werden keinen Dosen erreicht, die kritisch sein könnten. Experten gehen davon aus, dass weder mit einer Über- noch mit einer Unterversorgung von Vitamin A zu rechnen ist.

Fazit: Wer nicht unter einem bestätigten Vitamin-A-Mangel leidet, wird sein Sehvermögen mit dem Verzehr von Karotten nicht mehr verbessern können, wenn es bereits geschwächt ist.

Manche Menschen reagieren auf den Verzehr roher Karotten übrigens allergisch. Auch wenn das Gemüse erhitzt wird, zerstört das nicht oder nur unzureichend die Proteinstrukturen, die diese Reaktion auslösen können. Das zeigt eine Studie der Universität Bayreuth am Lehrstuhl für Biochemie.*24garten.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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