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Küchenrolle im Öko-Test: Einige Produkte sollten besser nicht mit Essen in direkten Kontakt kommen

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Von: Jasmina Deshmeh

Öko-Test: Küchenrolle ist zweifellos ein praktischer Alltagshelfer. Gut für die Umwelt sind die Tücher allerdings nicht und auch der Gesundheit tut man mit dem Einmalprodukt meist keinen Gefallen.

Frankfurt am Main – Küchenrolle ist ein wertvoller Alltagshelfer: Nicht nur um Lebensmittel abzutrocknen, auch als Einmal-Waschlappen werden die Tücher gerne genutzt. Gut für die Umwelt ist das allerdings nicht, denn Küchentücher werden mit Kunstharzen behandelt und lassen sich nicht recyclen. Einmal im Müll, sind sie für den Papierkreislauf verloren. Auch Essen damit einzuwickeln oder abzutupfen ist nicht immer die beste Idee, wie eine aktuelle Untersuchung von Öko-Test zeigt, denn einige Küchentücher enthalten schädliche Chemikalien.

Küchenrolle im Öko-Test: So haben die Verbraucherschützer getestet

Für ihren Test haben die Verbraucherschützer 20 Küchenrollen in Drogerien, (Bio)Supermärkte und Discountern gekauft – vorzugsweise aus Altpapier. Gab es die nicht, wählten sie die Zellstoffvariante aus Holz. Auch ein Produkt aus Bambus-Zellstoff war unter den Testprodukte, das als besonders „nachhaltig“ beworben wird.

Die Tester interessierte, wie alltagstauglich (saugfähig und reißfest) die Küchentücher sind und ob sie möglicherweise Problemstoffe enthalten. Dazu wurden Proben des Papiers im Labor auf Formaldehyd und gefährliche Chlorpropanole untersucht. Sie können über Epichlorhydrinharze ins Küchenpapier gelangen, die es bei Nässe stabilisieren sollen. Außerdem prüften die Tester, ob die Papiere aus frischen Fasern oder umweltfreundlicherem Altpapier bestehen und woher die Rohstoffe stammen. Das Testurteil setzte sich dann zu 40 Prozent aus der Praxisprüfung und zu 60 Prozent aus den Inhaltsstoffen zusammen.

Küchenrolle im Öko-Test: Chlorpropanole in zwölf Küchenpapieren

Letztlich erreichte nur ein Produkt vom Discounter die Note „sehr gut“: Das Rewe Beste Wahl Eco Recycling Küchentücher. Immerhin 13 schafften es mit „gut“ zu überzeugen:

Fünf Produkte bekamen das Testurteil „befriedigend“: Bambuswald Küchenrolle aus 100% Bambus, 24er Pack (SSD Trading), Dick & Durstig Haushaltstücher Reinweiss (Hakle), Favora Clean & Dry Küchentücher (Netto Marken-Discount), Favora Clean & Dry Küchentücher (Netto Marken-Discount) und Regina Haushaltstücher weiß, Papierverpackung (Sofidel). Zwei Noten Abzug gab es hier unter anderem dafür, dass die Tücher aus Frischholz gefertigt sind. Denn Küchenrolle lässt sich nicht recyceln, wem die Umwelt am Herzen liegt, der sollte zumindest Küchentücher aus Altpapier kaufen.

Ein Produkt tanzte dagegen völlig aus der Reihe und bildet mit dem Testurteil „mangelhaft“ das Schlusslicht. Die Budni Küchentücher Recycling (Budnikowsky). In ihnen fanden die Tester zu viel Chlorpropanols 3-MCPD, eine halogenorganische Verbindung, die von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft wird und im Tierversuch zu Schäden an Nieren und Hoden führte. Zwar steckt Chlorpropanol in insgesamt zwölf der 20 untersuchten Küchenpapieren, doch nur bei den Budni Küchentücher Recycling übersteigt der Wert den Grenzwert des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Küchenrolle im Öko-Test: Vorsicht zumindest beim Kontakt mit Lebensmitteln

Was bedeutet das jetzt für Verbraucher? Besteht eine Gefahr für die Gesundheit? Öko-Test gibt erstmal Entwarnung: Bei der nachgewiesenen Menge wohl eher nicht. Zwar übersteigt der gemessene Chlorpropanol-Wert den Richtwert des BfR, zur Bemessung sind die BfR-Experten aber von einer Menge von 12 Mikrogramm ausgegangen, die sich maximal lösen darf, wenn zwei Blatt Küchenrolle 24 Stunden in einem Liter kalten Wasser liegen. Diese 12 Mikrogramm entsprechen einem Zehntel der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge eines 60 Kilo schweren Erwachsenen. Warum dieser Puffer? Weil wir im Alltag auch mit anderen 3-MCPD-Quellen in Berührung kommen. Trotzdem sind die Öko-Tester der Meinung: Ein Risiko, das vermeidbar ist, sollte auch vermieden werden. Hinzu kommt, dass Küchenrolle noch mit weiteren halogenorganischen Verbindungen belastet sein kann, etwa Chlorbleiche bei Recyclingpapier. Einige dieser Stoffe können Allergien auslösen, andere reichern sich in der Umwelt an.

Küchenrolle im Öko-Test: Alle bestehen im Praxistest

In puncto Stabilität und Reißfestigkeit konnten alle Küchentücher überzeugen und zwar sowohl im trockenen, als auch im nassen Zustand. Dafür gab es im Praxistest die Note „gut“. Vier Produkte stachen sogar besonders hervor: Daunasoft, Floralys, Happy End und Zewa. Für sie gabs die Praxisnote „sehr gut“. Besonders erfreulich ist das bei den Happy End Recycling Küchentücher Bee Happy!, denn dabei handelt es sich um ein Recyclingprodukt.

Auch wenn Küchentücher praktisch sind, wer der Umwelt etwas Gutes tun möchte, sollte besser auf den guten alten Putzlappen zurückgreifen. Wer gar nicht auf die Einmaltücher verzichten kann, sollte zumindest Küchenrolle aus Altpapier kaufen, im besten Fall zertifiziert mit dem blauen Engel, dem Umweltzeichen der Bundesregierung. Anschließend gehören die Tücher weder in die Toilette (es droht Verstopfungsgefahr!)* noch ins Altpapier, sondern in den Restmüll. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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