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Kunstschnee kann die Atemwege reizen: Finger weg von den Spraydosen

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Von: Christine Pander

Auf einem Fenster ist ein Fensterbild aus Schnee aufgesprüht, es ist ein Haus zu sehen und dahinter leuchtet eine Kerze (Symbolfoto).

Schnee aus der Dose kann die Schleimhäute reizen (Symbolfoto). © Imago/Iordache Magdalena

Wenn echter Schnee auf sich warten lässt, helfen einige Menschen mit Kunstschnee an den Fensterscheiben nach. Doch Vorsicht: Er kann die Atemwege reizen - nicht nur von Allergikern.

Hamburg – Weiße Weihnachten: Das wünschen sich viele. Doch ob es in diesem Jahr klappt, steht noch in den Sternen. Wer sich lieber nicht auf das launenhafte Wetter verlassen möchte, greift daher vielleicht vorsorglich zur Spraydose, um die Fenster, den Adventskranz oder den Tannenbaum weihnachtlich mit Glitzerschnee zu dekorieren. In der Weihnachtszeit sind Dekofreunden kam Grenzen gesetzt: Selbst für den heimischen Garten gibt es vielfältigen Ideen.*

Atemwegsreizung durch Kunstschnee: Diese Folgen kann das Spray haben

Doch Vorsicht ist geboten: Je nach Hersteller enthalten die Produkte Wachs, langkettige Fettsäuren wie Stearinsäure, Pigmente, Lösemittel und Treibgas. Das kann für Allergiker und Asthmatiker vor allem in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen zu einem gesundheitlichen Problem werden und die Symptome verstärken. Die versprühten Substanzen reizen die Atemwege und können sogar Schwindel und Benommenheit hervorrufen:

Tritt dieser Fall ein, hilft viel frische Luft: Also ordentlich lüften und einen ausgedehnten Spaziergang an der frischen Luft machen. Wurde der Kunstschnee versehentlich von Haustieren oder kleinen Kindern verschluckt, bleibt das meist ohne gesundheitliche Folgen, wenn nur geringe Mengen verschluckt werden. Der Giftnotruf Erfurt rät, den Mund auszuspülen und Tee, Wasser oder Saft trinken zu lassen. Wichtig: Kein Erbrechen auslösen! Werden größere Mengen verschluckt, können Magen-Darm-Störungen auftreten. Und wenn das Spray in die Augen gelangt, sollte diese umgehend 20 Minuten mit klarem Wasser gespült und anschließend ein Arzt aufgesucht werden.

Das Rheinland-Pfälzische Umweltministerium hat vor einigen Jahren sogar eine Warnung gegen die Sprays ausgesprochen. Das Ministerium stütze sich damals bei der Argumentation auf eine Untersuchungen von Greenpeace. aus dem Jahr 2012. Der Studie zufolge enthielten vier von sechs getesteten Schneesprays krebserregende Substanzen in hoher Konzentration – beispielsweise N-Nitroso-morpholin, mit mehreren Hundert Milligramm pro Kilogramm. Es gehört zur Substanzklasse der N-Nitrosamine, die das Erbgut schädigen und so Krebs auslösen können. N-Nitrosamine gehören nach heutigem Forschungsstand zu den stärksten kanzerogenen und mutagenen Substanzen.

In der EU ist N-Nitroso-morpholin verboten. Sie werden zwar nicht gezielt verwendet, können aber als Reaktions- oder Zersetzungsprodukte ungewollt entstehen. Wie und wann die Substanz in die Dosen gelangt ist, ist unklar. Fakt ist: Die Belastung des Kunstschnees nimmt zu, sobald er die Dose verlässt. Ein Sprecher von Greenpeace forderte damals daher: „Krebserzeugende Substanzen haben in Haushaltsprodukten nichts verloren, besonders bedenklich ist es, wenn gerade Kinder ihnen ausgesetzt werden.“

Atemwegsreizung durch Kunstschnee: Warnung von Greenpeace und BfR

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt, das vor allem Kleinkinder gefährdet sein könnten, wenn sie das Spray essen oder die bedenklichen Stoffe einatmen, da dies Reizungen der Atemwege verursachen kann. Das BfR warnte davor, die Sprays zu nutzen. Vor allem in Innenräumen sei das Risiko deutlich erhöht.

Wer gerne selbst experimentiert, kann sich an der eigenen, unproblematischen Schneeproduktion versuchen: Rasierschaum mit Natron vermengen, ziehen lassen: Und mit etwas Glück kommt das Gemisch dem erwünschten Glitzertraum ein Stück weit Nahe.*24garten.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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