Eine Frau schiebt einen Einkaufswagen zwischen Supermarktregalen (Symbolbild).
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Immer wieder kritisieren Verbraucherschützer Mineralölbestandteile in Lebensmitteln und Kosmetikprodukten (Symbolbild).

Verbraucherschutz

Mineralölrückstände in Lebensmitteln und Kosmetik: Wie groß ist das Risiko für die Gesundheit?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Verunreinigungen von Lebensmitteln und Kosmetik mit Mineralöl werden von Verbraucherschützern oft kritisiert. Doch wie problematisch sind die Substanzen wirklich?

Frankfurt am Main – Immer wieder fallen Lebensmittel und Kosmetikprodukte in Verbrauchertests wegen nachgewiesenem „Mineralöl“ durch. Während viele Kosmetik-Hersteller die Substanzen bewusst einsetzen, gelangen die Mineralöle in Lebensmittel meist über Verunreinigungen bei der Produktion oder kontaminierte Verpackungen. Welche Gesundheitsrisiken von Mineralölrückständen ausgehen und wie sich Verbraucher schützen können.

Mineralöl in Lebensmitteln und Kosmetik: Was ist Mineralöl?

Ist von Mineralöl die Rede, geht es meist um Erdöl oder Produkte, die durch Destillation aus Erdöl gewonnen werden. Meist werden damit Treibstoffe wie Benzin, Diesel und Kerosin, Bunkeröl, Heizöl sowie Schmierstoffe oder Lösungsmittel beschrieben. Nur die wenigsten Menschen würden Mineralöl in Kosmetik, geschweige denn in Lebensmitteln erwarten.

Mineralöle sind ein Gemisch aus einer Vielzahl einzelner Kohlenwasserstoffe, die sich in zwei Gruppen unterteilen lassen: in lineare, verzweigte und cyclische gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH – mineral oil saturated hydrocarbons) und in (meist) alkylierte aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH – mineral oil aromatic hydrocarbons). Sie unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl der Kohlenstoffe und ihrer Bedeutung für die menschliche Gesundheit.

Mineralöl in Lebensmitteln und Kosmetik: Wie gelangen die Substanzen in die Produkte?

In Deutschland wird ein Großteil des Altpapiers recycelt. Was aus Umweltschutzperspektive durchaus positiv ist, hat laut Verbraucherzentrale Hamburg auch seine Schattenseite, denn Recyclingverpackungen können Rückstände von Mineralöl enthalten, die in Lebensmittel übergehen können. Grund dafür sind meist recycelte Tageszeitungen, die mit mineralölhaltigen Druckerfarben bedruckt sind und als Recyclingrohstoff dienen. Außerdem können mineralölhaltige Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton verwendet werden, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit informiert. Neben kontaminierten Verpackungen können Mineralöle auch auf anderem Weg in Nahrungsmittel gelangen, etwa durch Schmieröle von Maschinen bei der Produktion und Ernte oder über Umweltkontamination durch Abgase, Reifenabrieb oder Straßenbeläge.

Neben Lebensmitteln können auch Kosmetika Mineralöl enthalten. Einige Hersteller setzen sogar Rohstoffe aus Mineralöl als Basis ihrer Produkte ein, zum Beispiel Vaseline oder Wachse wie Paraffinum Liquidum oder Ceresin. Die Hintergründe sind laut Stiftung Warentest eindeutig – Mineralöle sind:

  • haltbar
  • kostengünstig
  • nach der Reinigung geruch- und farblos
  • können leicht in gleichbleibender Qualität produziert werden

Problematisch wird es allerdings, wenn sie in den Körper gelangen, wo sie sich im menschlichen Gewebe anreichern können, etwa bei Lippenpflegeprodukten. Und auch über die Haut können Mineralöle aufgenommen werden.

Mineralöl in Lebensmitteln und Kosmetik: Ist Mineralöl gefährlich?

Nach Angaben des Verbrauchermagazins Öko-Test bestehen die häufig in Lebensmitteln gefundenen Mineralöle aus gesättigten MOSH und MOAH. MOSH sind dafür bekannt, dass sie sich im Fettgewebe des Menschen ansammeln.* In Tierstudien konnte eine organschädigende Wirkung nachgewiesen werden. Welche gesundheitlichen Folgen MOSH für den Menschen haben, ist noch dagegen noch nicht abschließend geklärt. Anders ist es bei MOAH, unter denen sich auch krebserregende und erbgutverändernde Substanzen befinden können. Erst kürzlich fanden die Verbraucherschützer von Öko-Test Mineralölverunreinigungen in Toastbrot und Spaghetti.

In Kosmetik sind Mineralöle laut EU-Kosmetikverordnung nur erlaubt, wenn sie keine gesundheitlich bedenklichen Substanzen enthalten. Befinden sich MOAH in den kosmetischen Mittel, dürfen diese also kein krebserregendes Potenzial haben. Um den Anteil potenziell krebserregender Verbindungen zu minimieren, werden die Mineralöle deshalb vorher raffiniert, extrahiert und hydriert. Verbraucherschützer kritisieren den Einsatz dennoch und geben in Produkttest regelmäßig Abzüge für Verunreinigungen mit MOSH und MOAH, vor allem bei Produkten für empfindliche Babyhaut wie Wundschutzcreme. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, die MOAH-Gehalte in Kosmetik möglichst gering zu halten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf zertifizierte Naturkosmetik zurückgreifen, in der mineralölbasierte Fette nicht erlaubt sind. Bei herkömmlicher Kosmetik erkennen Verbraucher Mineralöl in der Liste der Inhaltsstoffe an den Bezeichnungen Cera Microcri­stallina (Microcri­stallina Wax), Ceresin, Mineral Oil, Ozokerite, Paraffin, Paraf­finum Liquidum und Petrolatum. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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