Eine Frau sitzt in ihrem Bett und greift sich mit der Hand ins schmerzverzerrte Gesicht (Symbolbild).
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Juckreiz in der Nacht kann Neurodermitiker und Menschen mit Nesselsucht den letzten Nerv rauben (Symbolbild).

Hilfe bei quälendem Juckreiz

Nesselsucht und Neurodermitis: Tipps für einen ruhigen und erholsamen Schlaf 

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Wer an Nesselsucht oder Neurodermitis leidet, hat nachts oft mit starkem Juckreiz zu kämpfen. Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Betroffene den Teufelskreis durchbrechen und einen gesunden Schlaf fördern.

  • Quälender Juckreiz ist bei Neurodermitis und Nesselsucht nachts oft schlimmer und stört den Schlaf
  • Dieser kann durch physikalische Reize, wie Wärme und Feuchtigkeit im Bett ausgelöst werden
  • Mit ein paar einfachen Maßnahmen können Betroffene dem lästigen Juckreiz vorbeugen

Mönchengladbach – Wer von Neurodermitis oder Nesselsucht (Urtikaria) betroffen ist, wird nachts oft von quälendem Juckreiz wach gehalten. Zum einen fördern Wärme und Feuchtigkeit im Bett die Beschwerden, zum anderen fehlt in der Nacht die nötige Ablenkung. Dabei bräuchte gerade gereizte und geschädigte Haut viel Ruhe und Zeit zum Regenerieren und Schlafmangel, Erschöpfung und Konzentrationsschwäche am Tag bedeuten zusätzlichen Stress, der wiederum Schübe auslösen kann.

Neurodermitis und Nesselsucht: Warum der Juckreiz nachts besonders schlimm ist

Juckreiz (Pruritus) ist das Leitsymptom bei Neurodermitis und Nesselsucht. Tritt er länger als sechs Wochen am Stück auf, spricht man von chronischem Juckreiz. In Deutschland sind rund 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Für Patienten ist der Juckreiz meist sehr belastend und kann ihre Lebensqualität stark mindern. Neben dem ständigen Drang zu kratzen, kann es zu Sekundärschäden der Haut, wie Abschürfungen, Entzündungen, Blutungen und Krustenbildung kommen. Oft heilen diese mit sichtbarer Hyperpigmentierung und Narbenbildung ab.

Wenn hartnäckiger Juckreiz in der Nacht auftritt, kann er Betroffene um den Schlaf bringen und ihnen den letzten Nerv rauben. Kratzen lindert die Beschwerden meist nur kurzfristig. Zudem kann es dabei zu Entzündungen kommen, die das Jucken wiederum verstärken. Ohne Ablenkung rückt das unangenehme Gefühl dann schnell in den Fokus. Zudem lässt fehlender Schlaf die Haut langsamer heilen und Abgeschlagenheit und Gereiztheit wirken negativ auf die Psyche, die wiederum Einfluss auf den Juckreiz hat. Betroffene befinden sich in einem Teufelskreis.

Neurodermitis: Das hilft gegen schlaflose Nächte

Neurodermitis zählt zu den Erkrankungen des „atopischen Formenkreises“. Die Neigung, auf bestimmte Faktoren besonders sensibel zu reagieren, ist bei diesen Krankheiten genetisch vererbt. Die genetische Veranlagung lässt sich zwar nicht beeinflussen, bestimmte Triggerfaktoren, die Neurodermitis-Schübe auslösen, können aber gemieden werden. Wie groß der Einfluss der Triggerfaktoren ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

In der Nacht können folgende Triggefaktoren die Hautbeschwerden verschlimmern:

  • Wärme und Feuchtigkeit: verstärken den Juckreiz
  • Schweiß: kann die Haut reizen
  • Zu warme und raue Bettwäsche/Nachtwäsche: verursacht Schwitzen und kann die Haut mechanisch reizen
  • Hausstaub: hoch allergene Ausscheidungen von Hausstaubmilben können durch die geschädigte Hautbarriere leichter eindringen und Entzündungen verstärken

Neurodermitiker sollten in der Nacht in jedem Fall auf eine möglichst staubfreie Schlafumgebung achten, um die Haut nicht unnötig zu belasten. Zudem sollten sie bei Bettwäsche und Nachtwäsche auf leichte, glatte, atmungsaktive und kühlende Materialien setzen. Da Wärme und Schweiß häufige Triggerfaktoren der Neurodermitis sind, empfiehlt es sich, die Zimmertemperatur im Schlafzimmer vor dem Zubettgehen auf 16 bis 18 Grad runterzukühlen.

Nesselsucht: Was Sie gegen Juckreiz in der Nacht tun können

Schlafstörungen sind auch eine häufige Begleiterscheinung bei Nesselsucht (Urtikaria), da juckende Quaddeln verstärkt in den späten Abend- und Nachtstunden auftreten. Bei der induzierbaren Urtikaria wird der Juckreiz durch bestimmte Reize ausgelöst. Diese können entweder physikalischer Natur wie Druck, Kälte, Wärme oder Licht, aber auch Anstrengung, Stress oder der Kontakt zu bestimmten Substanzen sein. Oft reichen schon kleinste Reizungen, um den unangenehmen Juckreiz zu triggern.

Für einen ruhigen Schlaf gilt es in erster Linie, die Auslöser der Urtikaria zu meiden. Wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) verweist, können in Einzelfällen auch bestimmte Lebensmittel Auslöser der Nesselsucht sein. Bei Verdacht kann es also lohnen, auf histaminhaltige Lebensmittel und Getränke (z.B. Wein) am Abend zu verzichten. Auch einige Farb- und Süßstoffe, Salicylsäure und Benzoesäure in vielen Obstsorten, Aromastoffe sowie scharfe Speisen stehen in Verdacht, eine Nesselsucht auszulösen. Wer trotz Vermeidung von Triggerfaktoren nachts von Juckreiz geplagt wird, kann leichte Baumwollhandschuhe tragen, um die Hautschädigung durch Kratzen zu mindern. Da Wärme und Kälte die Urtikaria verschlimmern kann, sollten Betroffene auf konstant kühle Temperaturen im Schlafbereich achten.

Neurodermitis und Nesselsucht: Hausmittel und Tipps

Darüber hinaus können bestimmte Tipps und Hausmittel das Ein- und Durchschlafen trotz Juckreiz fördern:

  • Das Schlafzimmer vor dem Schlafen-gehen nochmal gut durchlüften. So dringt frische Luft ins Zimmer und die Raumtemperatur kann auf 16 bis 18 Grad runterkühlen
  • Bewegung am Abend, zum Beispiel ein Spaziergang, wirkt entspannend und fördert einen gesunden Schlaf
  • Ein regelmäßiger Schlafrhythmus bringt die innere Uhr ins Gleichgewicht und sorgt für schnelleres Einschlafen
  • Ein Bad am Abend wirkt entspannend und kann das Einschlafen fördern. Neurodermitiker sollten sich nach dem Baden jedoch eincremen
  • Auch Entspannungsübungen können helfen, nach einem stressigen Tag herunterzufahren und sich aufs Zubettgehen vorzubereiten

Wer trotz aller Maßnahmen nicht schlafen kann, sollte bei Juckreiz nicht im Bett liegen bleiben. Meist ist es besser, aufzustehen und sich abzulenken, bis die Müdigkeit von selbst eintritt. Meist fällt das Einschlafen dann leichter.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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