Julia Klöckner, die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, zeigt ein Bild des Nutri-Scores.
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Bundesministerien Julia Klöckner mit Ernährungsampel.

Gesünder durch Lebensmittelkennzeichnung?

Nährwertampel „Nutri-Score“: Bund beschließt Lebensmittelkennzeichnung

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Zu viel Fett, Zucker und Salz: Nicht immer ist deutlich, wie gesund ein Lebensmittel wirklich ist. Der Nutri-Score soll ab November Verbrauchern bei der Auswahl helfen.

  • Zu viel Fett, Zucker und Salz: Viele verarbeitete Lebensmittel sind alles andere als gesund.
  • Eine Nährstoff-Ampel auf Nahrungsmitteln soll Verbraucher nun dabei unterstützen, häufiger zu gesunden Lebensmitteln zu greifen.
  • Ab November soll der Nutri-Score auf Verpackungen zu sehen sein.

Berlin – Gesunde Nahrungsmittel auf den ersten Blick erkennen – mit dem „Nutri-Score“ soll das in Zukunft möglich sein. Schon lange diskutieren Verbraucherschützer, Politiker, Ernährungswissenschaftler und Unternehmen über die Einführung einer einheitlichen Lebensmittelkennzeichnung. Ab November soll die Nährwert-Ampel nun, laut einem Beschluss des Bundeskabinetts, Verbrauchern bei der Auswahl im Supermarkt helfen - und so zu einer gesünderen Ernährung beitragen. Einziger Haken: Auch nach langem Hin und Her bleibt die Kennzeichnung freiwillig. Ob und welche Produkte den Nutri-Score erhalten, können Unternehmen also weiterhin selbst entscheiden.

Nährwert-Ampel: Was ist der Nutri-Score?

Kleingedruckte Nährwerttabellen, verwirrende Portionsgrößen und irreführende Produktbezeichnungen – Wer sich gesund ernähren möchte, der muss nicht nur den Willen dazu haben, sondern im Supermarkt auch mit umfangreichen Wissen glänzen. Vor allem bei verpackten und verarbeiteten Nahrungsmitteln machen Unternehmen es gesundheitsbewussten Verbrauchern nicht immer leicht. Welcher Fruchtjoghurt enthält mehr Zucker? Wo ist mehr Salz verarbeitet? Und in welchen Lebensmitteln ist besonders viel Fett zu finden? Die Bewertung durch den Nutri-Score soll Verbrauchern helfen innerhalb einer Produktgruppe das gesündere Lebensmittel zu finden.

Beim Nutri-Score handelt es sich um eine farbige Nährwert-Kennzeichnung. Fünf Stufen - auf einer Skala von einem grünen „A“ bis zum roten „E“ – geben an, wie gesund ein Lebensmittel ist. Der Nährwert eines Produktes wird dabei anhand der Zusammensetzung aus Zucker, Fett und Salz, sowie empfehlenswerter Bestandteile wie Ballaststoffe und bestimmter Proteine, berechnet. Einzeln sind diese Angaben bereits in der EU-weiten verpflichtenden Nährwerttabelle zu finden. Eine Kennzeichnung wie „gesund“ ein Lebensmittel ist, gibt es bisher jedoch noch nicht.

Nutri-Score: Kritik von Verbraucherschützern

Doch obwohl Verbraucherschützer die Einführung des Nutri-Scores grundsätzlich befürworten, erntet Bundesministerin Julia Klöckner auch einiges an Kritik. So bezweifeln Experten, dass Unternehmen tatsächlich freiwillig den Nutri-Score verwenden. Eine verpflichtende Einführung auf nationaler Ebene sei nach EU-Recht jedoch nicht möglich, erklärte Julia Klöckner.

„Ich habe die klare Erwartung an die Unternehmen, dass sie die Kennzeichnung nutzen“, machte die Ministerin deutlich. Während der aktuell laufenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands wolle die Ernährungsministerin die Entwicklung einer EU-weiten erweiterten Nährwertkennzeichnung vorantreiben. Ziel sei eine „möglichst flächendeckende Nutzung“, teilte Julia Klöckners Ministerium mit.

Nutri-Score: Deutsche Unternehmen nutzen bereits die Nährwert-Ampel

Ursprünglich stammt die Nährwert-Ampel aus Frankreich und wird dort schon seit mehreren Jahren von Unternehmen verwendet. Auch in Deutschland ist das Logo bereits auf einigen Produkten abgebildet. Im Mai hatte die Verbraucherzentrale Hamburg bei einer Marktstudie im Handel gut 1000 Produkte mit dem Nutri-Score gefunden. Das ist allerdings nur ein Bruchteil der Artikel, die Supermärkte und Warenhäuser anbieten. Darunter Lebensmittelhersteller wie Danone, Iglo, Bofrost und McCain.

Nährwert-Ampel: So wird der Nutri-Score berechnet

Laut dem deutschen Lebensmittelverband beziehen sich die Angaben des Nutri-Scores immer auf 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter. Mithilfe eines Punktesystems werden die einzelnen Inhaltsstoffe bewertet. Für gesunde Bestandteile erhält das Produkt Minuspunkte (0 bis 5). Dazu gehören:

  • Obst
  • Gemüse
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Raps-, Walnuss- und Olivenöl
  • Eiweiß
  • Ballaststoffe

Für ungünstige Bestandteile werden Pluspunkte (0 bis 10) berechnet:

  • Energie/Kaloriengehalt
  • gesättigte Fettsäuren
  • Zucker
  • Salz

Der gesundheitliche Wert und die Farbkategorie ergeben sich aus der Gesamtpunktzahl, die ein Produkt erhält. Je niedriger der Score ist, desto gesünder ist ein Lebensmittel. Ernährungswissenschaftler kritisieren jedoch, dass der Nutri-Score zu stark vereinfacht sei. So würden Inhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien, Zusatzstoffe und ungesättigte Fettsäuren nicht in die Berechnung mit einbezogen (Mit Material von DPA).

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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