Nahaufnahme eines Nuss-Nougat-Cremes-Glases, in dem ein Messer steckt (Symbolbild).
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In Nuss-Nougat-Creme ist eine Menge Palmfett. Wer sie konsumieren möchte, sollte auf einen ökologischen Anbau achten (Symbolbild).

Billiges Pflanzenöl

Palmöl in Lebensmitteln: Wie groß ist das Risiko für die Gesundheit?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Palmfett ist als Lebensmittelzutat weit verbreitet, steht aufgrund seiner Umweltbilanz und möglichen Gesundheitsrisiken aber häufig in der Kritik. Es lohnt sich deshalb, beim Kauf genau hinzuschauen.

Düsseldorf – Palmöl ist das billigste und am häufigsten eingesetzte Pflanzenfett der Lebensmittelindustrie. Das Speisefett steckt in zahlreichen Nahrungsmitteln wie Keksen, Schokolade, Nuss-Nougat-Aufstrich, Margarine, aber auch in Müsli, Backwaren und Fertigsoßen. Auch für Kosmetikprodukte wie Lippenstift, Hautcreme und Seife wird Palmöl häufig verwendet. Problematisch für die Gesundheit ist dabei nicht das Palmfett an sich, sondern die Verarbeitung bei hohen Temperaturen, bei der gesundheitsschädigende Stoffe entstehen können. Zudem schafft der Anbau großer Ölpalmen-Plantagen ökologische wie auch soziale Probleme.

Palmöl in Lebensmitteln: Das günstigste Pflanzenfett der Welt

Nahezu jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält nach Angaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Palmöl. Der Grund ist ganz einfach: Palmöl ist günstig, hitzestabil und lässt sich gut verarbeiten. Es ist das einzige Pflanzenfett, das bei Zimmertemperatur cremig-fest bleibt und dabei auch noch lange haltbar ist. Hinzu kommt, dass es vegan ist. Zudem liefern Ölpalmen pro Hektar etwa 3,3 Tonnen Öl und sind damit besonders ertragreich.

Problematisch wird es, wenn Palmöl nicht aus ökologischem Anbau stammt. Denn Ölpalmen wachsen vor allem im Regenwaldgebiet. Dort fallen durch die stetig wachsende Nachfrage dem Anbau Millionen Hektar Wald zum Opfer, warnt die Verbraucherzentrale. Durch diese teils illegalen Brandrodungen werden Lebensräume heimischer Tiere und Menschen zerstört und der Klimawandel vorangetrieben. Insgesamt nehmen nach Angaben der Umweltstiftung WWF die weltweiten Ölpalmen-Plantagen mittlerweile eine Fläche von zwölf Millionen Hektar ein.

Palmöl in Lebensmitteln: Ist Palmöl deshalb grundsätzlich schlecht?

Nein. Da Ölpalmen sehr ergiebig sind, kann auf verhältnismäßig geringer Fläche ein Großteil des weltweit benötigten Pflanzenfetts angebaut werden. In vielen Ländern wird Palmöl in der heimischen Küche eingesetzt und lässt sich auch nur schwer ersetzen. Zudem bietet es zahlreichen Kleinbauern eine Lebensgrundlage. Wichtig ist aber, dass ökologische, ökonomische und soziale Mindeststandards eingehalten werden. Einer dieser Mindeststandards bietet der Runde Tisch für Palmöl (RSPO). Allerdings ist RSPO kein Öko-Label. Die Mitglieder (Bauern, Händler und Produzenten) erklären sich lediglich freiwillig bereit, mehr für Umweltschutz und Menschenrechte zu tun. Pestizide dürfen aber trotzdem eingesetzt werden.

Palmöl in Lebensmitteln: Was ist mit gesundheitlichen Risiken?

Entscheidend ist auch die Herstellung des Palmöls. Bei der sogenannten Raffination wird das Pflanzenfett oft bei über 200 Grad mit Wasserdampf behandelt, um unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen. Dabei können, im Vergleich zu anderen Pflanzenölen, erhöhte Mengen an Fettschadstoffen entstehen, wie 3-Monochlorpropandiol-Fettsäureester (3-MCPD), so die Verbraucherzentrale. Dieser Stoff steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Während einige Lebensmittel- und Kosmetikhersteller deshalb bewusst auf den Einsatz von Palmöl verzichten, versprechen andere (zum Beispiel Ferrero, „Nutella“), ihren Kunden, das Palmöl „schonend zu verarbeiten“ sodass es „genauso unbedenklich wie alle anderen hochwertigen Pflanzenöle“ ist. Mittlerweile hat auch die Europäische Kommission eine Verordnung zu Höchstgehalten an 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD), 3-MCPD-Fettsäureestern und Glycidylfettsäureestern in bestimmten Lebensmitteln festgelegt.

Palmöl in Lebensmitteln: Welche Alternativen gibt es?

Auf hoch verarbeitete Lebensmittel mit Palmöl sollten Verbraucher dennoch möglichst verzichten. Palmöl lässt sich in der Zutatenliste an Bezeichnungen wie „Palm“, „Palmfett“ oder „Palmöl“ erkennen. Einige Hersteller weisen auch extra mit dem Hinweis „Ohne Palmöl“ auf eine palmölfreie Rezeptur hin.

Folgende Tipps helfen beim Einkauf:

  • Lässt sich Palmöl nicht meiden, sollte das Pflanzenfett aus ökologischer und fairer Produktion stammen (Orientierung bieten Bio- und Fairtrade-Siegel)
  • Viele Lebensmittel lassen sich ohne großen Aufwand aus frischen, palmölfreien Zutaten selbst herstellen (zum Beispiel Gebäck)
  • In Kosmetik- und Haushaltsprodukten kann sich Palmöl hinter 55 Deklarationen verstecken, darunter Sodium Palmitate, Isopropyl Palmitate, Palm Kernel Alcohol, Glyceryl Palmitate oder Pamamide DEA. Einige Kosmetikhersteller kennzeichnen ihre Produkte mittlerweile als „palmölfrei“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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