Verschiedene rohe Gemüsesorten, Kerne und roher Fisch liegen auf einem weißen Untergrund (Symboldbild).
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Gemüse, Kerne und Samen ist gesund - im Rohzustand sind einige Sorten jedoch nicht bekömmlich (Symbolbild).

Verbraucherschutz warnt vor Trend

Raw Food: Nicht alle Lebensmittel sind roh verträglich

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Rohe Lebensmittel, englisch Raw Food, sind im Trend. Doch nicht alle Produkte sind im Rohzustand für den Menschen bekömmlich. Einige können zudem mit Krankheitserregern und Giftstoffen belastet sein.

Berlin – Anhänger des Raw Food-Trends schwören auf unverarbeitete Lebensmittel. Wer die Ernährungsweise besonders ernst nimmt, verzichtet zudem auf tierische Produkte und Getreide. Doch nicht alles, was im Internet unter Raw Food-Verfechtern an Rezept-Ideen ausgetauscht wird, ist wirklich bekömmlich. Manche Zutaten können der Gesundheit sogar schaden, wie die Verbraucherzentrale warnt.

Raw Food: Nicht jedes Gemüse ist roh bekömmlich

Ernährungsberater empfehlen, jeden Tag zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse zu essen. Und tatsächlich stecken in rohem Gemüse viele Vitamine und wertvolle Inhaltsstoffe, die durch Garen oder Kochen verloren gehen können. Doch Vorsicht: nicht jede Gemüsesorte ist im rohen Zustand für den Darm bekömmlich, wie die Verbraucherzentrale verweist.

In jedem Fall gedünstet oder gekocht werden sollten:

  • grüne Bohnen
  • Auberginen
  • Rhabarber
  • die meisten Pilzarten
  • Holunderbeeren
  • größere Mengen Blattgemüse

Grüne Bohnen und rohe Auberginen enthalten das Protein Lektin, das die Nährstoffresorption im Darm behindert und sogar im Verdacht steht, die Darmzotten zu schädigen. Beim Kochen wird das Protein zerstört. Auch unreife oder gekeimte Kartoffeln sollten nie roh verzehrt werden. Sie enthalten die giftige chemische Substanz Solanin, die zu Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen, Durchfall und Bauchkrämpfen führen kann. Dank ihrer Wasserlöslichkeit wird sie beim Kochen ins Kochwasser gespült, das nach dem Kochen entsorgt werden sollte. Rhabarber zählt zu den Knöterichgewächsen, die sehr viel Oxalsäure enthalten. In größeren Mengen kann diese zu Vergiftungserscheinungen führen. Zudem hemmt sie bei übermäßigem Genuss die Mineralstoffaufnahme im Darm. Beim Erhitzen geht Oxalsäure zu großen Teilen ins Kochwasser über. Noch verträglicher wird Rhabarber, wenn man ihn in Kombination mit Milchprodukten verzehrt, da das in ihnen enthaltene Kalzium die Oxalsäure bindet. Ebenfalls enthalten ist Oxalsäure in rohem Spinat und Mangold, die darüber hinaus oft mit Nitrat belastet sind. Auch Wildpilze sollten auf keinen Fall roh gegessen werden, da sie mit Schadstoffen oder Eiern des Fuchsbandwurms belastet sein können. Eine Ausnahme bilden Zuchtchampignons aus biologischem Anbau. Wer einen empfindlichen Darm hat, sollte aber auch auf sie verzichten, da sie roh schwer verdaulich sind und Blähungen verursachen können.

Raw Food: Wildkräuter sammeln ist nichts für Laien

Zudem weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass Wildkräuter sammeln für Laien mit einem großen Risiko verbunden ist. So können viele Wildkräuter leicht mit giftigen Pflanzen verwechselt werden. Neben der Verwechslungsgefahr können Hundewiesen und landschaftlich genutzte Flächen zu einer Kontamination der Wildkräuter führen. Möchten Rohkost-Liebhaber ihre Wildkräuter selber pflücken, sollten sie sich einer geführten Kräuter-Tour anschließen.

Zwar sind Wildkräuter schmackhaft und gesund und können in Maßen aufgrund ihrer Bitterstoffe die Verdauung fördern, einige von ihnen sind aber nicht zum Verzehr in großen Mengen geeignet.

Raw Food: Gefrorene Beeren aus dem Supermarkt nicht roh verzehren

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt davor, dass tiefgekühlte Beeren aus dem Supermarkt mit Mikroorganismen, Viren oder Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln belastet sein können. Vor allem Erdbeeren können aufgrund ihrer Bodennähe mit Zoonoseerregern in Kontakt kommen. Die Krankheitserreger werden über Tierkot auf die Beeren und damit auf den Menschen übertragen und können verschiedene Krankheiten auslösen.

Nach Angaben des BVL waren belastete Tiefkühlbeeren in der Vergangenheit bereits mehrfach Auslöser lebensmittelbedingter Krankheitsausbrüche. Zum Beispiel im Jahr 2012 als mit Noroviren kontaminierte Tiefkühlerdbeeren aus China in Schulkantinen von tausenden Kindern und Jugendlichen verzehrt wurden. Mittlerweile werden aus China in die EU importierte Beeren stärker kontrolliert. Grund der Belastung können zum Beispiel die Bewässerung mit verunreinigtem Wasser, unsachgemäße Düngung und mangelnde Personalhygiene bei der Ernte sein. Zudem können Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren Rückstände von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Aus diesem Grund empfiehlt das BVL Verbrauchern, Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr immer gründlich zu waschen und bestenfalls noch zu erhitzen, um mögliche Krankheitserreger abzutöten.

Raw Food: Gefährliche Blätter, Kerne und Stiele

Immer wieder flammen fragwürdige Trends unter Raw Food-Verfechtern auf - beispielsweise der Verzehr von Blättern, Samen, Kernen und Rinden ausgefallener Pflanzenarten. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es keinerlei wissenschaftliche Belege für die in Foren und Blogeinträgen angepriesene gesundheitsfördernde Wirkung dieser Lebensmittel gibt. Zudem sind diese meist nicht nur unbekömmlich, sondern können sogar zu akuten Vergiftungserscheinungen führen.

So bilden beispielsweise Obstkerne, etwa von Äpfeln, Aprikosen und Kirschen Blausäure, die in größeren Mengen Erbrechen, Krämpfe und Atemnot auslösen kann. Auch von gemahlenen Avocado-Kernen sollten Verbraucher besser die Finger lassen, da die Wirkung des darin enthaltenen toxischen Persins vom Bundesinstituts für Risikobewertung bisher nicht ausreichend untersucht wurde. Auch Aloe Vera ist als Heilpflanze mit Vorsicht zu genießen. Ihre wohltuende Wirkung bezieht sich vor allem auf die äußerliche Anwendung, etwa bei Hautverletzungen. Für eine gesundheitsfördernde Wirkung durch den Verzehr gibt es bisher wenig aussagekräftige Daten. Verbraucher sollten in jedem Fall nur das Pflanzen-Gel verwenden und die Blattrinde großzügig entfernen, da diese eine stark abführende Wirkung hat.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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