1. 24vita
  2. Ratgeber
  3. Leben & Alltag

Höheres Allergierisiko? Salz schwächt möglicherweise das Immunsystem

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Laura Knops

Es ist eine Bretzel zu sehen (Symbolbild).
Die Deutschen essen zu viel Salz: Laut dem Robert-Koch-Institut nehmen Männer täglich rund zehn Gramm und Frauen etwa acht Gramm Salz zu sich (Symbolbild). © imago images / CHROMORANGE

Salz ist nicht nur schlecht für den Blutdruck, sondern auch für das Immunsystem. Eine Studie der Universität Bonn zeigt, dass salzreiche Kost womöglich das Risiko für Allergien und Autoimmunerkrankungen erhöht.

Bonn – Salz gehört zu den lebenswichtigen Mineralstoffen, ohne die der menschliche Körper nicht überleben kann. Doch zu viel Salz im Essen kann der Gesundheit schaden. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Erwachsene eine Aufnahme von maximal fünf Gramm Natriumchlorid pro Tag empfiehlt, nehmen viele Menschen deutlich mehr Salz zu sich. Dabei hat ein übermäßiger Salzkonsum schwerwiegende Folgen: So ist schon lange bekannt, dass salzreiche Kost den Blutdruck steigen lässt und somit das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht*. Eine hohe Salzaufnahme kann allerdings auch die Immunabwehr beeinflussen - und so das Risiko für Allergien und Immunerkrankungen erhöhen. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe der Universität Bonn.

Höheres Allergierisiko: Zu viel Salz könnte das Immunsystem schwächen

„Der Effekt von Salz auf das körpereigene Abwehrsystem wird kontrovers diskutiert und es ist noch immer unklar, wie sich hohe Natriumchloridwerte auf die unterschiedlichen Populationen von Immunzellen auswirken“, erklärt Katarzyna Jobin vom Universitätsklinikum Bonn in einer Pressemitteilung. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Reaktion der Nieren auf das Salz eine wichtige Rolle spielt. Denn gelangt zu viel Salz in den Körper, wird es von den Nieren gefiltert und über den Urin ausgeschieden. Dafür verantwortlich ist ein spezieller Natriumchlorid-Sensor in den Nieren.

Sind die Nieren jedoch mit der Ausscheidung des Salzes beschäftigt, scheint es zu Defiziten in der Produktion bestimmter Enzyme zu kommen, welche die Vorläufersubstanzen der sogenannten Glucocorticoide verarbeiten. Der Körper setzt in Folge vermehrt Biomoleküle frei, die wie das Stresshormon Cortison wirken. Cortison wiederum wird in der Medizin zur Unterdrückung der Immunreaktion durch Entzündungen eingesetzt. Zudem scheint Salz die Entwicklung verschiedener Immunzellen zu beeinträchtigen. Laut den Experten stört eine hohe Salzaufnahme die Entwicklung der neutrophilen Granulozyten, welche Teil der angeborenen Immunabwehr sind und den zu den häufigsten Immunzellen im Blut gehören.

Höheres Allergierisiko: Zu viel Salz könnte das Immunsystem schwächen

Im Rahmen der Studie fütterten die Wissenschaftler eine Gruppe von Mäusen eine Woche lang entweder mit einer salzreichen oder mit einer salzarmen Kost. Dann beobachteten sie, wie die Tiere mit verschiedenen Bakterien und Viren zurechtkamen. So infizierten die Forscher einen Teil der Mäuse mit Listerien, welche in verunreinigten Lebensmitteln zu finden sind, und dem Darmbakterium Escherichia Coli. Bei Menschen kann das Darmbakterium zu Harnwegsinfekten bis hin zu einer Entzündung des Nierenbeckens führen.

Die Ergebnisse zeigen: Anders als die Mäuse, die nur wenig Salz zu sich genommen hatten, schien die Escherichia-Coli-Infektion bei Tieren mit einer hohen Salzaufnahme schlimmer zu verlaufen. Zudem heilten Harnwegsinfekte deutlich langsamer ab. Ähnlich verlief die systemische Infektion mit den Listerien. So konnte sich das Immunsystem salzreich ernährter Mäuse ebenfalls schlechter gegen die Bakterienlast wehren. „In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1000-fache Menge der krankmachenden Keime“, erklärt Studienleiterin Katarzyna Jobin. 

Höheres Allergierisiko: Ähnliche Effekte beim Menschen

Um zu klären, ob sich die Ergebnisse auch auf den menschlichen Körper übertragen lassen, untersuchten die Forscher aus Bonn zehn freiwillige Probanden. Über zwei Wochen lang nahmen die Teilnehmer sechs Gramm Salz zu sich. „Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fast-Food-Mahlzeiten enthalten ist – also zwei Burgern und zwei Portionen Pommes frites“, erklärt der Christian Kurts vom Institut für experimentelle Immunologie der Universität Bonn. Die Ergebnisse der Blutprobe zeigen: Auch der menschliche Körper wird bei einer hohen Aufnahme von Salz deutlich schlechter mit Bakterien fertig. „Diese Ergebnisse sprechen gegen einen hohen Salzkonsum, vor allem während bakterieller Infektionen“, so das Fazit der Forscher. Ob eine salzreiche Kost bei Menschen auch mit schweren Infektionsverläufen zusammenhängt und welche Menge Salz tatsächlich gesundheitsschädlich ist, muss nun in weiteren Studien geklärt werden. *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Auch interessant