Vier Tomaten liegen nehmen einer etikettlosen Konservendose mit Tomatensoße (Symbolbild).
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Angebrochene Konservendosen sollten umgefüllt werden, bevor sie in den Kühlschrank kommen. Sonst können Inhaltsstoffe des Metalls in das Lebensmittel übergehen (Symbolbild).

Klebstoffe, Weichmacher, BPA

Schadstoffe in Lebensmittelverpackungen: Können sie ins Essen übergehen?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Die meisten Lebensmittel im Supermarkt sind verpackt. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, aus einigen Verpackungen können auch unerwünschte Substanzen ins Essen übergehen. Was Sie zur richtigen Lagerung und zu Lebensmitteleigenschaften wissen müssen.

Düsseldorf – Dosen, Plastikbecher, Tetra Paks, Kartons – in den meisten Supermärkten wimmelt es nur so von verpackten Lebensmitteln. Die Verpackungen schützen das Essen vor Umwelteinflüssen, erleichtern Transport und Lagerung und machen es länger haltbar. Doch sie haben auch ihre Schattenseite, denn aus einigen Verpackungen können Schadstoffe in die Nahrungsmittel übergehen. Vor allem bei falscher Lagerdauer, -temperatur und bestimmten Lebensmitteleigenschaften.

Schadstoffe aus Lebensmittelverpackungen: Gesetzliche Vorgaben

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) dürfen Materialien, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, bei normaler Verwendung nach den gesetzlichen Regelungen keine Substanzen an Lebensmittel abgeben, die:

  • die menschliche Gesundheit gefährden
  • eine unvertretbare Veränderung der Zusammensetzung der Lebensmittel herbeiführen
  • eine Beeinträchtigung von Geruch, Geschmack, Textur oder Aussehen der Lebensmittel herbeizuführen

Gelangen Inhaltsstoffe von Verpackungen in ein verpacktes Nahrungsmittel, wird das als Migration bezeichnet. Wie hoch die Migration sein darf, ist laut den Verbraucherschützern durch bestimmte Grenzwerte (Migrationslimits) festgelegt und orientiert sich daran, welche Mengen eines Stoffes täglich bedenkenlos aufgenommen werden können. Wie hoch die Migration ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Art des Stoffes, von der Lagerdauer des Lebensmittels in der Verpackung, vom Fett- und Säuregehalt eines Lebensmittels, von der Lagertemperatur, von UV-Strahlung sowie der Temperatur bei der Herstellung und der Kontaktfläche des Nahrungsmittels mit der Verpackung.

Schadstoffe aus Lebensmittelverpackungen: Diese Substanzen können in das Essen übergehen

Folgende Substanzen können laut Verbraucherzentrale von der Verpackung in das Lebensmittel übergehen:

  • Klebstoffe
  • Bisphenol A (BPA)
  • Weichmacher (Phthalate)
  • Unbeabsichtigt hinzugefügte Substanzen (NIAS)

Bei vielen Lebensmittelverpackungen kommen Klebstoffe zum Einsatz, die oft aus mehreren hundert Stoffen bestehen. Besonders bei wiederverschließbaren Verpackungen, wie einigen Käse- und Wurstverpackungen, können die Klebstoffe ins Lebensmittel übergehen. Auch wenn solche Verpackungen praktisch sind, sollten Sie besser meiden.

Ein weiterer Stoff, der in Lebensmittel migrieren kann ist Bisphenol A (BPA). BPA steckt in Polycarbonat-Kunstoffen, aus denen einigen Trinkflaschen, Haushaltsgeräte mit Kunststoffgefäßen (z.B. Wasserkocher), Mehrweg-Plastikgeschirr und Innenbeschichtungen von Konserven- und Getränkedosen mit Metall bestehen. BPA ist aufgrund seiner hormonähnlichen Wirkung besonders für Kinder gefährlich und kann zum Beispiel zu einer verfrühten Geschlechtsreife bei Mädchen führen und hormonbedingte Krebsarten fördern. Wer den Kontakt mit BPA meiden möchte, sollte möglichst keine Lebensmittel in Plastikverpackungen und Konserven kaufen oder diese schnellstmöglich in Glasbehälter umfüllen.

Weitere kritische Stoffe sind Weichmacher (Phthalate) und unbeabsichtigt hinzugefügte Substanzen (NIAS). Weichmacher sind chemische Verbindungen mit einer hormonellen Wirkung, die beispielsweise in PVC-Folien zum Verpacken von Frischfleisch sowie in Schraubdeckeln mit Gummidichtung stecken können. Achten Sie hier auf PVC-freie Alternativen, die an einer Blaufärbung zu erkennen sind, und meiden Sie Plastikverpackungen. NIAS (Non Intentionally Added Substances) gelangen hingegen bei der Herstellung und damit eher zufällig ins Lebensmittel, etwa durch verunreinigte Rohstoffe. Bisher sind ihre Auswirkungen auf die Gesundheit wenig erforscht, weshalb auch noch keine generellen Grenzwerte existieren.

Schadstoffe aus Lebensmittelverpackungen: So vermeiden Sie Migration

Zunächst ist klar: Je mehr Verpackungen gekauft werden, desto größer ist das Risiko, dass Verpackungsstoffe in Lebensmittel übergehen. Die einzige Ausnahme bilden Glas und Porzellan. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also möglichst selten verpackte Lebensmittel kaufen. Das gilt vor allem für kleine Packungen, bei denen die Kontaktfläche mit den Lebensmitteln besonders groß ist. Besser ist unverpackte, lose Ware von der Obst- und Gemüsetheke, der Fleisch- und Fischtheke und vom Bäcker.

Wer die Wahl hat, sollte Glasflaschen und -becher immer Plastikbechern und Tetra Paks vorziehen. Produkte, die es nur in Plastik zu kaufen gibt (zum Beispiel Nudeln) sollten zuhause in ein Glasgefäß umgefüllt werden. Sind die Verpackungen von Fertiggerichten nicht ausdrücklich als mikrowellengeeignet gekennzeichnet, füllen Sie sie vor dem Erhitzen in entsprechende Gefäße um. Außerdem gilt: Gängige Verpackungen sind in der Regel für den einmaligen Gebrauch gedacht.* Plastikbecher (zum Beispiel Eisboxen) sollten nach dem Verbrauch des Inhalts nicht zur Aufbewahrung, zum Einfrieren oder Erwärmen von Lebensmitteln wiederverwendet werden. Bei fett- und säurehaltigen Lebensmitteln besteht sonst die Gefahr, dass sie bestimmte Stoffe aus der Dose herauslösen und diese ins Lebensmittel übergehen. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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