Ein Tablett, darauf stehen mehrere gefüllte Schnapsgläser (Symbolfoto)
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Hilft Schnaps bei der Verdauung? (Symbolfoto)

Gesunde Verdauung

Verdauungs-Schnaps: Mythos oder tatsächlich ein hilfreiches Mittel nach üppiger Feiertagskost?

  • Christine Pander
    vonChristine Pander
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Ostern wird wieder geschlemmt! Denn nach der Fastenzeit lassen es viele in Bezug auf Kalorien wieder ordentlich krachen. Spannt der Bauch, soll ein Verdauungsschnaps wahre Wunder wirken, sagt der Volksmund. Doch hilft Schnaps wirklich?

Freising – Mit dem Alkohol ist das eine komplizierte Angelegenheit: Kurzfristig entspannt er die Magenmuskulatur, was vermutlich bei vielen die These bestätigt, dass Schnaps das Völlegefühl reduziert. Doch leider ist Ernährungsmedizinern zufolge eigentlich das Gegenteil der Fall: Der gesamte Verdauungsprozess wird durch das Schnapseln nach dem Essen verzögert.

Eine im British Medical Journal veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2010 zeigt die hemmende Wirkung auf den Verdauungsvorgang im Feldversuch. Schweizer Forscher luden dazu 20 gesunde Probanden zwischen 23 und 58 Jahren zum Käsefondue ein. Pro Person sollten sie je 200 Gramm geschmolzenen Käse sowie 100 Gramm Brot ­essen und dazu entweder schwarzen Tee oder Wein trinken.

Verdauungs-Schnaps: Studie zeigt negativen Effekt auf die Verdauung

Einige Teilnehmer erhielten nach dem fettigen Essen einen Schnaps, andere ein Wasser. Um zu ermitteln, wie schnell das Essen im Körper ankam, hatten die Forscher es zuvor radioaktiv markiert. In der Atemluft der Teilnehmer wurde anschließend der Anstieg der Radioaktivität gemessen. Das gab den Forschern Auskunft darüber, wann die Verdauung in Gang gesetzt wurde. Fazit: Probanden, die zum Essen Wein getrunken hatten, starteten mit der Verdauung später. Der zusätzlich verabreichte Schnaps zögerte die Verdauung noch weiter hinaus.

Diese Tipps sind alkoholfrei und helfen der Verdauung auf natürliche Weise auf die Sprünge:

  • Ausreichend Trinken: Zum einen hilft das, beim Essen nicht so über die Stränge zu schlagen, weil es den Magen füllt. Und zum anderen ist es sehr wichtig für die Verdauung.
  • Flohsamen: Flohsamenschalenpulver besteht bis zu 90 Prozent aus Ballaststoffen, die der Verdauung ebenfalls auf die Sprünge helfen können. Die Flohsamen quellen bei Zugabe von Wasser um ein Vielfaches ihres ursprünglichen Volumens auf. Aus den löslichen Ballaststoffen bildet sich ein Gel. Dieses regt die Verdauung an, der Stuhl kann besser durch den Darm gleiten und der gesamte Vorgang wird erleichtert.
  • Chiasamen: Auch sie bilden nach dem Einweichen mit Wasser binnen weniger Minuten eine gelartige Masse und können daher hervorragend die Verdauung anregen. Sie fördern ebenfalls die Darmpassage des Stuhls sowie die Gesundheit der Darmschleimhaut; ähnlich wie die Flohsamen.
  • Leinsamen: Im Gegensatz zum Flohsamen und Chiasamen ist der Leinsamen als natürliches Hausmittel bei Verdauungsbeschwerden schon lange bekannt. Verstopfung wird durch ihn beseitigt, Durchfall gestoppt und Gase werden absorbiert, so dass Blähungen reduziert werden können. Auch der Leinsamen ergibt zusammen mit Wasser ein Gel, regt die Verdauung an und wirkt sich insgesamt heilsam auf das Verdauungssystem aus.
  • Wichtig: Zu allen Samen-Varianten ausreichend trinken! Sonst tritt ein gegenteiliger Effekt ein.

Erschwerend im Wortsinne kommt hinzu, dass Schnaps Kalorien hat, und zwar nicht gerade wenige. Fürsprecher des Schnapses mögen sich nun argumentativ aufrüsten und betonen: Kräuterschnaps hilft aber wirklich! Wer dies im Selbstversuch wiederholt erlebt hat, wird aber auch dafür keine wissenschaftliche Bestätigung erhalten.* Weder für Anis, Kümmel oder sonstige Kräuter im Schnaps geben Ernährungsmediziner wie Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München einen Freischein. Wissenschaftlich belegt ist eine verdauungsfördernde Wirkung nämlich auch bei Kräuterschnaps nicht.

Stattdessen ist der Tipp nach Völlerei ein anderer. Während der Körper mit der Verdauung nach zu üppiger Kost ausgelastet ist und das Gehirn nicht mit voller Kraft durchblutet wird, kann eine Pause dem Körper gut tun. Besonders gut hilft auch Bewegung gegen das umgangssprachliche Ess-Koma. Ein gemütlicher Feiertags-Spaziergang schafft dann wieder Platz für den nächsten Gang in der Menü-Abfolge. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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