Eine Frau mit weißer Hose greift sich an den Unterbauch (Symbolbild).
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Wenn der Bauch häufig schmerzt, kann das Reizdarmsyndrom dahinter stecken (Symbolbild).

Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten  

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Wiederkehrende Bauchschmerzen, Durchfälle, Verstopfung und Blähungen - Beim Reizdarmsyndrom ist die Funktion des Darms gestört. Die Erkrankung ist zwar nicht gefährlich, kann Betroffene aber sehr belasten. Lesen Sie alles zu Symptomen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

  • Reizdarmsyndrom erkennen: Das sind die Symptome
  • Entstehung und Ursachen des Reizdarmsyndroms
  • Diese Therapien können bei einem Reizdarm helfen

Berlin – Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine funktionelle Erkrankung des Verdauungstraktes, bei der die Darmfunktion dauerhaft gestört ist. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland bis zu 11 Millionen Menschen an einem Reizdarm, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl (Blähbauch), Durchfall und Verstopfung. Behandelt wird die Erkrankung durch Ernährungstherapie, Psychotherapie und Medikamente. 

Reizdarmsyndrom: Das sind die Symptome

Die Symptome, die auf einen Reizdarm hindeuten, sind vielfältig. Es gibt einige charakteristische Beschwerden, die häufig auftreten. Wie oft und in welchem Ausmaß sie vorkommen, ist jedoch von Patient zu Patient verschieden. Laut der gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) in Berlin liegt ein Reizdarmsyndrom vor, wenn die Symptome über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten, mit einer Veränderung des Stuhlgangs einhergehen und keine eine organische Ursache haben. 

  • Das häufigste Symptom ist Bauchschmerz, der überall im Bauch auftreten kann - oft in Verbindung mit Stuhlgang, wobei dieser den Schmerz lindern oder auch verstärken kann. Bei einigen Patienten tritt der Schmerz krampfartig auf
  • Einige Betroffene neigen zu Durchfall, andere zu Verstopfung. Bei einigen Patienten wechseln sich die Beschwerden auch ab
  • Ein weiteres Symptom ist ein sichtbarer Blähbauch (Meteorismus): Viele Reizdarmpatienten haben das Gefühl, viel Luft im Bauch zu haben oder empfinden ein ständiges Völlegefühl. Auch häufige Blähungen können auf ein Reizdarmsyndrom hinweisen
  • Schleimabgang beim Stuhlgang kann ebenfalls ein Anzeichen für einen Reizdarm sein
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung
  • Einige Betroffene klagen über Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen
  • Saures Aufstoßen
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Nervosität, depressive Verstimmung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme
  • Kreislaufbeschwerden

Symptome, die gegen ein Reizdarmsyndrom sprechen

Symptome, die gegen ein Reizdarmsyndrom sprechen sind: Blut im Stuhl, kurzzeitig auftretende Beschwerden, starke Gewichtsabnahme, keine Verschlimmerung oder Besserung durch Stress bzw. Stressabbau und eine schnelle Verschlechterung des Krankheitsbildes. Diese Symptome könnten Anzeichen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Darmerkrankung wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Darmpolypen, Divertikeln oder Erkrankungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase oder des Magens sein. Auch nachts auftretende Beschwerden sprechen eher gegen ein Reizdarmsyndrom.

Reizdarmsyndrom: Ursachen und Entstehung der Erkrankung

Wie ein Reizdarmsyndrom entsteht und was die Ursachen für das Krankheitsbild sind, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Es wird aber davon ausgegangen, dass verschiedene Mechanismen im Darm und möglicherweise sogar erst ihre Kombination für die Beschwerden verantwortlich sind . Bei einigen Patienten treten erste Anzeichen eines Reizdarmsyndroms ganz plötzlich auf, bei anderen folgen sie auf eine Magen-Darminfektion oder eine psychisch belastende Situation.

Reizdarmsyndrom: Überempfindlichkeit des Darms  

Da Psyche und Darm über die Darm-Hirn-Achse im stetigen Austausch miteinander stehen, können Krisensituationen und emotionaler Stress die Funktion des Darms stören. Normalerweise werden Verdauungsvorgänge von über 100 Mio. Nervenzellen des enterischen Nervensystems („Bauchhirn„/“Darmhirn„) gesteuert. Es durchzieht von der Speiseröhre bis zum Darm nahezu den gesamten Verdauungstrakt. Über Nervenbahnen, Botenstoffe, Immunzellen sowie Stoffwechselprodukte der Darmbakterien ist es mit dem Gehirn verbunden. Bei einigen Reizdarmpatienten scheint das Bauchhirn „überaktiv“ zu sein (viszerale Hypersensitivität): Die Nervenzellen in der Darmschleimhaut reagieren bei ihnen überempfindlich auf mechanische und chemische Reize, sodass bereits normale Darmbewegungen oder eine gedehnte Darmwand (z.B. durch Luftansammlungen) Schmerzen verursachen.

Reizdarmsyndrom: Gestörte Darmbewegungen durch Entzündungen

Tritt der Reizdarm nach einer Magen-Darm-Infektion auf, könnte ein Ungleichgewicht der Darmflora (sogenannte Dysbiose) die Ursache sein. Durch die veränderte Zusammensetzung der Darmkeime ist die Barrierefunktion der Darmschleimhaut gestört – sie wird durchlässiger. Dadurch gelangen Antigene (Giftstoffe, Krankheitserreger) tief in die Darmschleimhaut, wo sie Mikroentzündungen auslösen. Es kommt zur Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe, die die Darmnerven reizen. In der Folge kann es zu gestörten Darmbewegungen (Motilität) kommen: Während sich die Darmmuskulatur bei gesunden Menschen im Wechsel zusammenzieht und wieder erschlafft, verläuft die Kontraktion bei Reizdarmpatienten eher krampfartig. Dies kann zu Blähungen, Krämpfen, Durchfall, Verstopfung und Schmerzen führen. Auch eine erbliche bzw. persönliche Veranlagung stehen im Verdacht, Auslöser für ein Reizdarmsyndrom zu sein. So hatten viele Reizdarmpatienten bereits als Kind Probleme mit dem Darm. 

Reizdarmsyndrom: So erfolgen Untersuchung und Diagnose  

Da das Beschwerdebild bei Reizdarmpatienten so vielfältig ist, kann das Reizdarmsyndrom nicht durch eine bestimmte Untersuchungsmethode diagnostiziert werden. Vielmehr erfolgt die Diagnose durch die Auschlussmethode bzw. Differentialdiagnose, bei der zunächst organische Erkrankungen ausgeschlossen werden. Dazu befragt der Gastroenterologe in der Anamnese den Patienten zu Dauer und Ausmaß der Symptome, zu möglichen Vorerkrankungen und potenziellen psychisch belastenden Lebenssituationen. In einer Laboruntersuchung können anschließend Blutwerte, Leberwerte, Stuhl und Urin überprüft werden. Zudem können Krankheiten wie Darmkrebs oder Entzündungen der Darmschleimhaut bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) ausgeschlossen werden.

Weitere Untersuchungsmethoden sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Auch Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Fructoseintoleranz oder Laktoseintoleranz) und Nahrungsmittelallergien sowie rektale bzw. bei Frauen gynäkologische Untersuchungen können sinnvoll sein.

Kann eine organische Ursache ausgeschlossen werden und treten die Symptome bereits über einen längeren Zeitraum und in Verbindung mit Stress auf, wird der Arzt die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ stellen. Dabei lassen sich je nach vorherrschenden Symptomen vier verschiedene Subtypen unterteilen: Der Schmerztyp, der Gas-Blähtyp, der Obstipationstyp (vorrangig Verstopfung) und der Diarrhoetyp (vorrangig Durchfall).

Reizdarmsyndrom: Nichtmedikamentöse Therapie

Bei einem Teil der Patienten verschwindet der Reizdarm irgendwann von selbst, bei anderen bleibt die Krankheit ein Leben lang. Auch wenn das Reizdarmsyndrom keine lebensbedrohliche Erkrankung ist, kann es Betroffene im Alltag sehr einschränken. So können z.B. der häufige Gang zur Toilette oder Blähungen Schamgefühle erzeugen. Auch kann es vorkommen, dass die Beschwerden vom behandelnden Arzt nicht ernst genommen werden, was Betroffene verletzt.

Eine Heilung im klassischen Sinne ist zwar nicht möglich, durch eine ausgeglichene Lebensweise, eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung können die Symptome aber gelindert werden. Welche Behandlung im Einzefall sinnvoll ist, sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Einige Betroffene zeigen weniger Symptome, wenn sie ihre Mahlzeiten über den Tag verteilt in kleine Portionen aufteilen. Andere haben den Eindruck, dass bestimmte Nahrungsmittel die Beschwerden hervorrufen oder fördern. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, herauszufinden, welche Essgewohnheiten helfen und welche die Beschwerden eher verstärken.

Reizdarmsyndrom: Entspannungstechniken und Psychotherapie

Stress und seelische Belastung können die Entwicklung des Reizdarmsyndroms einerseits begünstigen, andererseits können Reizdarmsymptome zu Vermeidungsverhalten, Ängsten, Anspannung und Schamgefühlen führen. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sowohl Entspannungstechniken und Hypnose als auch eine Psychotherapie (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) die Lebensqualität von Reizdarmpatienten verbessern. Mögliche Entspannungstechniken sind Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung. Sie können vor allem in akuten Stresssituationen das innere Gleichgewicht wiederherstellen und das seelische Wohlbefinden fördern. In schwierigen Lebenssituationen können Konflikte mit Hilfe einer Psychotherapie bewältigt und ein gesunder Umgang mit Stress und den Reizdarmsymptomen erlernt werden.

Auch komplementäre und alternative Heilmethoden (z.B. Homöopathie und Akkupunktur) werden immer wieder angeboten. Allerdings ist ihre Wirksamkeit durch Studien bisher nicht belegt.

Reizdarmsyndrom: Die richtige Ernährung

Eine allgemeingültige Diät gibt es aufgrund der vielzähligen Symptome, Ursachen und Krankheitsverläufe des Reizdarmsyndroms nicht. Prinzipiell fördern faserreiche, naturbelassene Lebensmittel wie Obst und Gemüse die Verdauung. Einige Patienten vertragen aber gerade diese nicht. Auch Ballaststoffe fördern die Verdauung und wirken Verstopfungen entgegen, führen bei einigen Betroffenen aber zu Blähungen. Aus diesem Grund kann es hilfreich sein, die Ballaststoffmenge langsam zu reduzieren bzw. zu steigern. Geeignet sind dabei vor allem Haferflocken, Flohsamen und Leinsamen. Auch die Aufnahme von reichlich Flüssigkeit unterstützt die gesunde Funktion des Darms und beugt Verstopfungen vor. Es wird empfohlen, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken, möglichst in Form von Mineralwasser oder ungesüßten Tees.

Reizdarmpatienten, die unter Blähungen und Durchfall leiden, wird häufig die FODMAP-Diät empfohlen. Bei dieser Diät soll der Verzicht auf fermentierbare, gärbare Kohlehydrate die Reizdarmsymptome lindern. Allerdings gibt es bisher keine aussagekräftigen Studien zur Wirksamkeit der Diät. Bevor mit der FODMAP-Diät begonnen wird, sollten zudem Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien ausgeschlossen werden, da sie ähnliche Symptome hervorrufen können.

Reizdarmsyndrom: Diese Medikamente können die Behandlung unterstützen

Tritt durch die Ernährungsumstellung keine oder keine ausreichende Besserung ein, kann der Gastroenterologe auch Medikamente verordnen. Die Einnahme sollte aber immer zeitlich begrenzt sein und mit dem Arzt abgesprochen werden. 

  • Krampflösende Mittel können die Bauchschmerzen lindern, indem sie die Darmmuskulatur entspannen
  • Probiotika können das Reizdarmsyndrom lindern, indem sie das natürliche Gleichgewicht der Darmflora wiederherstellen. Wichtig ist, dass das richtige Probiotikum für den Patienten ausgesucht wird
  • Antibiotische Medikamente können helfen, wenn das Reizdarmsyndrom Durchfall oder Blähungen verursacht. Ob die Wirkung langfristig anhält, ist jedoch unklar
  • Antidiarrhoika helfen bei Durchfall
  • Laxantien lindern die Beschwerden bei Verstopfung
  • Bei hartnäckigen Symptomen, die durch psychosoziale Belastung hervorgerufen oder verstärkt werden, können gering dosierte Antidepressiva durch ihre komplexe Wirkung auf das Darmnervensystem (Bauchhirn) helfen

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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