Weihrauchharz liegt auf einem weißen Untergrund (Symbolbild).
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Forscher aus Jena und den USA konnten die entzündungshemmende Wirkung von Weihrauchharz aufklären (Symbolbild).

Forscher entschlüsseln Wirkmechanismus

Heilender Naturstoff: Weihrauchharz hilft bei Neurodermitis und Asthma

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Das Harz des Weihrauchbaumes hilft bei Entzündungserkrankungen wie Asthma und Neurodermitis. Eine Forschergruppe aus Jena und den USA hat nun in einer Studie den anti-entzündlichen Wirkmechanismus des Harzes entschlüsselt.

  • Die entzündungshemmende Wirkung von Weihrauchharz ist schon lange bekannt
  • Forscher konnten nun den Wirkmechanismus auf molekularer Ebene entschlüsseln
  • Die Erkenntnisse könnten künftig bei der Behandlung von Asthma und Neurodermitis helfen

Jena – Als pflanzliches Heilmittel ist Weihrauch dem Menschen schon seit Tausenden von Jahren bekannt. Bereits die alten Ägypter nutzen das Harz des Weihrauchbaumes als entzündungshemmendes Räuchermittel und in der Antike war Weihrauch ein teures und begehrtes Handelsgut. Ein Forscherteam der Universität Jena und der Louisiana State University (USA) konnte nun den molekularen Mechanismus der pharmakologisch wirksamen Bestandteile des Harzes entschlüsseln. Die Erkenntnisse könnten die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Entzündungskrankheiten wie Asthma bronchiale und Neurodermitis vorantreiben.

Asthma und Neurodermitis: Chronische Entzündungen im Körper

Asthma und Neurodermitis sind allergische Erkrankungen, die die gleiche Ursache haben. Beiden Krankheiten liegt meist eine erbliche bedingte Veranlagung zugrunde. Während es bei Asthma zu anfallsartigen Entzündungsreaktionen in den Atemwegen kommt, treten bei Neurodermitis juckende, entzündliche Hautveränderungen auf. Die Krankheiten sind häufig mit anderen Erkrankungen des sogenannten „atopischen Formenkreises“ assoziiert. Kinder, die an Neurodermitis oder Asthma erkrankt sind, haben demnach ein hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens auch Heuschnupfen oder eine Hausstaubmilbenallergie zu entwickeln.

Weihrauch zur Behandlung von Asthma und Neurodermitis: Die Rolle des Eiweißstoff 5-Lipoxygenase

Weihrauch wird aus dem Stamm des Weihrauchbaumes gewonnen und ist für seine entzündungshemmenden Inhaltsstoffe, die Boswelliasäuren, bekannt. Ein Forscherteam um Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigt sich seit Jahren mit der entzündungshemmenden Wirkung der Boswelliasäure und publizierte seine Erkenntnisse jetzt im Fachmagazin „Nature Chemical Biology“.  

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Enzym 5-Lipoxygenase zu. „Seit mehr als 40 Jahren weiß man, dass dieses Enzym die Bildung von Leukotrienen fördert, einer wichtigen Gruppe von Entzündungsbotenstoffen im menschlichen Körper“, erklärt Prof. Dr. Werz in einer Pressemeldung der Universität Jena. Der Forschergruppe gelang es nun erstmals, die genaue Kristallstruktur des Enzyms mit gebundenen Hemmstoffen abzubilden, was eine detaillierte Analyse des Enzyms sowie seiner Wechselwirkung mit Wirkstoffen erlaubt.

Dazu haben die Wissenschaftler verschiedene Naturstoffe mit dem Enzym in Verbindung gebracht und die entstandenen Kristallstrukturen der Molekülkomplexe untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Anders als andere Naturstoffe bindet die Boswelliasäure nicht am aktiven Zentrum des Enzymmoleküls. „Durch diese Bindung kommt es jedoch zu strukturellen Veränderungen im aktiven Zentrum, was die Enzymaktivität ebenfalls hemmt“, so Werz.

Weihrauch bei Asthma und Neurodermitis: Natürliches Heilmittel programmiert Entzündungsenzym um

Zwar wirken diese strukturellen Veränderungen bereits entzündungshemmend, die Wirkung der Boswelliasäure beruht aber vor allem auf einem Domino-Effekt. So produziert 5-Lipoxygenase unter dem Einfluss von Boswelliasäure entzündungsauflösende Substanzen. Pharmazeutin Dr. Jana Gerstmeier, eine der Hauptautoren der Studie: „Das heißt, vereinfacht gesagt, der Weihrauchinhaltsstoff programmiert das Entzündungsenzym zu einem entzündungsauflösenden Enzym um.“

Nach Angaben der Autoren könnten diese Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Entzündungskrankheiten genutzt werden. Weitere Entzündungskrankheiten sind:

  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Rheumatoide Arthritis 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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