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Allergieauslöser Textilien: Ist Kleidung aus Bambus für Allergiker geeignet?

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Von: Christine Pander

Ein weiß gekleidetes Paar sitzt auf einem Bett Rücken an Rücken und hält jeweils ein weißes Kissen, beide sind dunkelhaarig und lächeln (Symbolfoto)

Textilien aus Bambus kommen immer häufiger zum Einsatz (Symbolfoto). © imago/stock&people

Bambus wird als „hautfreundliche Faser“ von einigen Herstellern eingesetzt, zum Beispiel auch in Kleidung. Doch sind diese Materialien auch wirklich allergikerfreundlich?

Düsseldorf – Socken, T-Shirt, Shorts: Immer häufiger ist in der Materialangabe bei Kleidungsstücken auch Bambus aufgeführt. Mit Eigenschaften wie „antibakteriell”, „atmungsaktiv” oder „umweltfreundlich” werben Hersteller und Händler für so genannte Bambus-Textilien.

Diese sollen wegen ihrer besonderen Zellstruktur sehr Feuchtigkeits- und Geruchsabsorbierend wirken. Außerdem gelten sie als Antiallergen. Der Grund: Die pestizidfreie Anbaumethode und der in der Bambusfaser enthaltene Bio-Wirkstoff, der eine Ansiedlung schädlicher Bakterien und Allergene verhindern kann. Außerdem soll er so elastisch wie Polyester und so weich wie Baumwolle sein.

Diese Eigenschaften werden der Bambusfaser zugeschrieben:

Zu schön, um wahr zu sein? Jein. Handelt es sich um Textilien aus echten und unbehandelten Bambusfasern, sind die Werbeversprechen gerechtfertigt. Aber diese sind nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen sehr rar auf dem Weltmarkt.

Meistens wird in einem aufwändigen chemischen Verfahren Bambusviskose hergestellt – die dadurch die Eigenschaften der eigentlichen Bambusfaser verliert. Der Hintergrund: Pflanzen bestehen nicht nur aus Zellulose, also muss diese zunächst von anderen Substanzen getrennt werden. Heute löst man üblicherweise diese Holzbegleitstoffe mit organischen Lösungsmitteln wie Methanol oder Ethanol. Übrig bleibt dann Zellstoff, eine feinfaserige Masse, die vorwiegend aus Zellulose besteht.

Allergieauslöser in Textilien: Diese Giftstoffe können enthalten sein

Die Tatsache, dass als Rohstoff für Viskose Pflanzenmaterial verwendet wird, bedeutet also nicht, dass es sich dabei um eine Naturfaser handelt. Der Unterschied von Viskose – einer sogenannten Regeneratfaser – zu Naturfasern liegt darin, dass Viskose erst nach aufwendigen chemischen Umwandlungsprozessen versponnen werden kann.

Durch die intensive chemische Behandlung verliert die Ausgangsfaser aus dem Bambus einen Teil ihrer natürlichen Eigenschaften und eine beträchtliche Menge von schädlichen Zwischenprodukten kann entstehen, zum Beispiel Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff. Das sind Nervengifte, die in bestimmten Dosen gesundheitsschädlich sein können.

Allergieauslöser in Textilien: Güte-Siegel schützen

Schwefelwasserstoff ist fast ebenso giftig wie Blausäure. Schwefelkohlenstoff ist darüber hinaus sehr leicht entflammbar. Der enorme Energie– und Wasseraufwand sowie die Belastung der Abwässer mit Chemikalien zeigt Umweltschützern zufolge, dass Regeneratfasern keine Naturfasern und schon gar nicht ökologisch sinnvoll sind. Viskose ist außerdem leicht brennbar, eine Gefahr, die vor allem bei Bekleidung für Kinder oft unterschätzt wird.

Kleidung ohne gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn Kunstfasern gibt es viele. Nicht immer ist klar, was sich hinter all den Materialien verbirgt.*Bisher müssen Hersteller nur die Art der verwendeten Fasern deklarieren. Informationen zu Farbmitteln oder anderen Chemikalien sind noch nicht vorgesehen. Viele Inhaltsstoffe sind zudem laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) weder auf ihre Umweltrelevanz noch auf ihre gesundheitlichen Auswirkungen geprüft. Spezielle Güte-Siegel können Verbrauchern jedoch bei der Wahl helfen und sie so vor den krankmachenden Giftstoffen schützen.

Diese Siegel sollten Allergiker bei der Wahl ihrer Textilien berücksichtigen:

*merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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